Christbäume von der OP

Immergrüne Tradition

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Und tschüss: Den weihnachtlichen Einkauf hat dieser Mann gestern Vormittag kurzerhand geschultert.

Offenbach - Morgens um Viertel vor Zehn... Die Offenbacher laufen zur Kirche oder mit dem Hund als Gassigänger zum Parkplatz am Sparda-Bank Hessen-Stadion. Dort gehen der 9. Weihnachtsbaumverkauf unserer Zeitung und der 2. Weihnachtsmarkt des OFC nahtlos ineinander über. Von Martin Kuhn 

 Die Frühaufsteher haben allerdings weniger Muße für die rot-weiße Farben. Sie favorisieren eher sattes Grün. „Bis zum nächsten Jahr...“ Während der stete Fluss an potentiellen Kunden anhält, verabschiedet Franz Korn gegen halb Elf treue Kunden, die auch 2015 - dann bei der zehnten Auflage unseres Christbaumverkaufs - sicher vorbeikommen. Das Ehepaar kauft gegen den Trend: Fichte. Die bringt Korn nur auf Vorbestellung aus dem Josgrund (genauer: Oberndorf, so viel Zeit muss sein!) mit nach Offenbach. Den fragenden Blick des Redakteurs erhascht die Frau und klärt gern auf: „Ach, die duftet einfach durch das ganze Haus.“ Korn nickt zustimmend: „Ein echter Klassiker...“ Eine telefonische Order ist für die Familie aus dem Spessart nichts Ungewöhnliches: „Das gehört zu dem Service, den wir bieten.“

An diesem Morgen sitzt jeder Handgriff. Abmessen, mit der Motorsäge rasch kürzen beziehungsweise gerade schneiden, durch den Trichter einnetzen, kassieren. „43 Euro - mit ihrer Aboplus-Karte glatt 40.“ Unsere Abonnenten zücken die passende Plastikkarte und die abgezählten Scheine. Nicht immer ausgereift ist der Transport. Die Automobil-Verbände warnen zwar stets, dass der Weihnachtsbaum „ausreichend sicher fixiert ist und dem Fahrer noch ausreichend Sicht nach außen lässt“, aber kleine Autos machen erfinderisch. So klappt das junge Paar beim Cabrio einfach das Verdeck auf und schafft so das Prachtstück „oben ohne“ nach Hause. „Wir haben’s auch nicht weit“, kommt sofort eine Rechtfertigung.

Zuvor sind die üblichen familiären Diskussionen und Kommentare zu vernehmen. „Ist der nicht zu groß für unser Wohnzimmer?“ „Meine Frau hat mir schon fünf Modelle gezeigt. Jetzt holt sie das nächste.“ „Der ist aber gar nicht hübsch dicht; gut, können wenigstens die Kugeln besser hängen.“ Verständlich, dass Familie Korn nicht alle Wünsche erfüllen kann. Dabei haben die Kunden zumindest um 10 Uhr noch die Qual der Wahl. Gut 400 Bäume sind im Gepäck. Neben der genannten Sonderbestellung stehen die gängigsten Tannen bereit. Auch am Bieberer Berg am beliebtesten als Weihnachtsbaum für die Stube sind die „Nordmänner“. Sie duften weihnachtlich und nadeln kaum. Etwas bläulich erscheinen die Nadeln der Nobilistanne. Wie gesagt: Das Gesamtbild muss passen. Oder passend gemacht werden.

Christbaum-Verkauf der OP vor dem Stadion

Christbaum-Verkauf der OP vor dem Stadion

Mit dem Zweiten sieht man ja angeblich besser, aber feiert man mit dem Zweiten (Baum) auch besser Weihnachten? „Keine Ahnung“, sagt der Offenbacher, der sich in die Reihe der Wartenden eingereiht hat - mit jeder Hand eine Tanne festhaltend. „Wäre mal einen Versuch wert.“ Nein, im Ernst: Das eine, etwas größere Exemplar, ist für das eigene Zuhause vorgesehen, das andere für die Tochter. Der Bitte der 28-Jährigen kommt er an diesem Sonntagmorgen gern nach – inklusive Auswahl und Transport. Keine Frage: Papa ist der Beste...

Ob er wie andere im Anschluss noch einen Glühwein oder eine Stadion-Wurst, die es für die ersten Baumkäufer als Zugabe obendrauf gibt, auf dem benachbarten Kickers-Weihnachtsmarkt genießt, ist offen. Schließlich wollen die beiden Bäume zunächst verstaut sein. Dort gibt’s übrigens den passenden Baumschmuck für die Festtage. Ein Mitglied des Kickers-Fan-Museums hat in Handarbeit mehrere Dutzend rote Glaskugeln mit passendem O.F.C.-Logo versehen. „Jedes ein Unikat“, heißt es. Mal abgerückt von der reinen rot-weißen Kickers-Farbenlehre. Als sogenannte Komplementärfarben harmonieren Rot und Grün ausgezeichnet.

OFC-Weihnachtsmarkt mit OP-Christbäume

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