Mainfischer am Haken

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Völlig losgelöst: Der Mainfischer verabschiedet sich von seinem angestammten Platz an der Carl-Ulrich-Brücke.

Offenbach - Es hat alles seine Ordnung: Der Mainfischer, 18 Zentner schwere Bronzestatue an der Carl-Ulrich-Brücke, ist keineswegs entführt worden, wie ein Offenbacher Patriot bereits mutmaßte. Von Martin Kuhn

Das Werk des Bildhauers Ernst Unger weicht einem Bauvorhaben: Bis Ende des Jahres - so die vorsichtige Planung - wird der Kreuzungsbereich vor der Brücke und des Nordrings umgestaltet für die künftige Hafen-Bebauung (Mainviertel). Nun wird der Mainfischer fachmännisch repariert, gereinigt und eingelagert. „Wir suchen nach Ende der Umbau-Maßnahme nach einem Platz für das Wahrzeichen“, sagt Stadtsprecher Carlo Wölfel, „natürlich in der Nähe der Brücke“.

Es ist nicht der erste Umzug der 2,60 Meter hohen Statue, die am 16. Juli 1935 an der Auffahrt der ehemaligen Mainbrücke aufgestellt wurde. 1989 versetzte die Stadt Ungers Mainfischer (im Volksmund zunächst „Junger Fischer“) bereits einmal, da es dem Neubau der so genannten Nordumgehung für den S-Bahn-Bau im Wege stand. Nun holten ihn Arbeiter erneut vom Sockel.

Der Abtransport steht sinnbildlich für den Neuanfang an dieser zentralen Stelle - nach dem Kahlschlag von gut 70 Bäumen im Frühjahr. Das Projekt Hafen Offenbach entwickelt den früher industriell genutzten Hafen zu einem neuen Stadtteil. Das Grundstück ist derzeit das größte Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet in Wasserlage, so die Stadt. Direkt am Fluss entsteht auf einer Fläche von etwa 250 000 m² ein neuer Stadtteil. Geplant ist eine optimale Mischung von Büros, Wohnungen, Geschäften und Freizeitmöglichkeiten.

Damit gewinnt Offenbach an Lebensqualität“, sagt immer wieder Oberbürgermeister Horst Schneider. Er schwärmt bereits vom „urbanen Leben am Fluss“. Geplant sind unter anderem ungefähr 40 000 m² Wohnfläche. Zuvor müssen unzählige Bagger rollen. Der städtische Plan: Bis Juli legen die Bauarbeiter Ausweichrouten für die Zufahrt auf die Hafeninsel an, die Straßenführung am Nordring und auf der Carl-Ulrich-Brücke bleibt zunächst bestehen. In den Sommerferien wird dann der erste Teil der „Vorlandbrücke“ abgerissen.

Die Carl-Ulrich-Brücke kann in dieser Zeit nur einspurig befahren werden, für die Verkehrsregelung wird eine Baustellenampel aufgestellt. Am ersten Augustwochenende wird der Kreuzungspunkt Carl-Ulrich-Brücke/Kaiserstraße komplett gesperrt, um eine neue Verkehrsführung anzulegen und die Kreuzung auf das neue Niveau abzusenken. „Ziel ist es, den Verkehrsknotenpunkt vor der Brücke zu entwirren“, erklärt die Prokuristin der Mainviertel GmbH, Daniela Matha, während einer Bürgerversammlung.

Weitere Details: Der Nordring wird begradigt, eine Linksabbiegerspur auf die Carl-Ulrich-Brücke wird angelegt, die Kreuzung wird auf die Höhe der umliegenden Bebauung gebracht.

Nach dem Abriss des zweiten Teils der „Vorlandbrücke“ wird im Herbst der neue Teil des Nordrings angelegt, der entlang der Bebauung direkt zur Kaiserstraße führen soll. Am Mainufer errichten die Bauarbeiter eine barrierefreie Rampe, die vom Parkplatz auf die Brücke führt. Außerdem wird die Regionalparkroute für Radler und Spaziergänger zwischen Aschaffenburg und Mainz geschlossen, die bislang an der Carl-Ulrich-Brücke unterbrochen wird. Kosten für die Umbauarbeiten: fünf Millionen Euro.

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