„Gravierende Veränderungen“

So reagieren Bestatter in Offenbach auf die Corona-Krise

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Abschiedskränze persönlich niederlegen ist passé. Bei Beerdigungen ist nur noch Platz für den engsten Familienkreis.  

Viele arbeiten nur noch von zu Hause aus oder in Notbesetzung, andere müssen für einige Wochen die Hände in den Schoß legen: Die Corona-Krise birgt für eine Vielzahl von Berufsgruppen große Herausforderungen.

Offenbach – Auch Bestattungsunternehmen sind betroffen. Sie werden nach wie vor gebraucht – aber wie arbeiten sie in einer Zeit, in der zwischenmenschliche Kontakte minimiert werden sollen?

„Wir sind dabei, die Schutzmaßnahmen hochzufahren“, berichtet Hermann Hayer von der gleichnamigen Pietät in Bürgel. „Im Kundengespräch haben wir inzwischen Schutzmasken, sowohl für die Kunden, als auch für uns.“ Desinfektionsmittel werde ebenfalls allen bereitgestellt.

Um den persönlichen Kontakt auf ein nötiges Minimum zu reduzieren, bieten viele Bestatter wie Hayer nun ein Online-Portal an, über das trauernde Angehörige Wünsche äußern und Bestellungen tätigen können. Fast alles, was zu erledigen ist, geht von zu Hause aus. Von der Auswahl der einzelnen Artikel wie Sarg und Urne bis hin zur Musik für die Trauerfeier. Auch Anzeigen und Trauerpost können digital geordert werden. „Wir sind auf diese Situation eingegangen, weil manch einer sich – zu Recht – scheut, den persönlichen Kontakt zu suchen“, sagt Hermann Hayer. Aber auch für ihn selbst und seine Mitarbeiter dient es als Schutz: „Ein Beratungsgespräch kann nicht auf zehn Metern Abstand geführt werden.“

Auch die Trauerfeiern laufen in Corona-Zeiten nicht mehr ab wie bisher – nicht zuletzt, da Beerdigungsgesellschaften klein zu halten sind (siehe dazu Bericht auf dieser Seite). „In ihrer persönlichen Ausnahmesituation sind die Menschen sehr schwer für das Thema Corona zu sensibilisieren“, weiß Hermann Hayer. „Insbesondere Ältere wollen oft nicht verstehen, dass ihre verstorbenen Angehörigen nicht mit einer üblichen Trauerfeier verabschiedet werden können.“

Die Trauerhalle ist inzwischen tabu. Es werden auch keine kleinen Räumlichkeiten mehr genutzt. Sowohl der Urnenraum als auch die kleine Trauerhalle sind gesperrt. Für Publikum geschlossen ist mittlerweile auch das Krematorium, Urne werde nur noch im Freien ausgehändigt.

Dass solche gravierenden Veränderungen zur Eindämmung der Pandemie notwendig sind, wollen nach Hayers Erfahrung viele Trauernde nicht hören: „Einige sind sehr schwierig zu beraten.“ Er bittet alle, die in diesen Tagen jemanden bestatten müssen, um Verständnis. „Es ist ja auch zum Schutz der Leute selbst. Viele sind schon etwas älter und dadurch besonders gefährdet.“

Dieses Problem kennt auch Bestatterin Sabine Perez-Preiß aus Bieber. Sie hat allerdings den Eindruck, dass die meisten Trauernden auf die gesetzlichen Einschränkungen mit Nachsicht reagieren. „Die Mehrheit versteht, dass es sich um Anordnungen des Landes handelt, die wir eben umsetzen müssen.“ Manche seien deshalb aber auch wütend, hätten die Haltung „Ich bin in Trauer, ich darf das.“

Abgesehen vom reduzierten Kundenkontakt habe sich für sie und ihre Arbeit durch die Corona-Krise aber nicht viel geändert, berichtet Perez-Preiß. „Die Situation ist wie immer, ich muss ja bei jedem Verstorbenen davon ausgehen, dass er infektiös ist.“ Die Schutzmaßnahmen, die sie bei der Arbeit ohnehin immer ergreife, also Schutzkleidung, Handschuhe, Schürze, Gesichtsschutz, seien daher dieselben wie sonst auch. „Ich muss eben zusehen, dass die Leute im Krematorium, denen ich meine Leichen bringe, nicht gefährdet werden.“ Da trage sie große Verantwortung.

Über Schutzmaßnahmen macht sich dieser Tage auch Thomas Schumann viele Gedanken. Der Inhaber und Geschäftsführer der Pietät Spamer ist seit 30 Jahren im Unternehmen. „Die erste Sicherheitsmaßnahme ist die Limitierung der Leute“, sagt er. „Im Kundenkontakt will ich, dass immer nur eine Person zu mir kommt.“ Regelmäßiges Händewaschen ist für ihn selbstverständlich, auch einen Mundschutz nutzt er.

VON MARIAN MEIDEL

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