OVB präsentieren Konzept:

Stromer ersetzen Stinker

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Niederländisches Kennzeichen, Offenbacher Mobilitäts-Signet: Bereits im März 2016 gab es einen viertägigen Probelauf mit einem serienreifen Elektrobus. Nun wird die OVB-Flotte nach und nach auf Stromer umgerüstet.

Offenbach - Der erste Prototyp hatte keine Heizung, die Nachfolger liefen auch nur im Testbetrieb, jetzt machen die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) Ernst: Ab 2019 soll die Flotte nach und nach von Diesel- auf Elektrobusse umgestellt werden.

Ziel: Bis 2023 rollen 35 Prozent der Fahrzeuge emissionsfrei auf Offenbachs Straßen. Gestern Abend wurde das Umsetzungskonzept geladenen Fachleuten im Ostpol vorgestellt. Grundlage der Umstellung ist eine 2017 in Auftrag gegebene und durch den Bund geförderte Machbarkeitsstudie, die gestern präsentiert wurde. Danach sollen bis 2023 insgesamt 27 Elektrobusse im täglichen Einsatz sein. Das entspricht rund 35 Prozent der gesamten Stadtbusflotte von derzeit 72 Fahrzeugen (einschließlich Subunternehmen).

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Umbauten auf OVB-Betriebsgelände nötig

Um den neuen Nahverkehrsplan in zwei Phasen umzusetzen, soll die Fahrzeugzahl zum Fahrplanwechsel Ende 2018 um elf Busse und zum Fahrplanwechsel Ende 2919 um weitere fünf Busse auf dann zusammen 88 Fahrzeuge steigen. Der erhöhte Bedarf wird in diesem Jahr zunächst noch durch neue Diesel-Busse mit modernster Abgastechnik gedeckt. Gleichzeitig sollen aber 2018 bereits Fördergelder bei Bund und Land beantragt und die Beschaffung der Elektrobusse wie der Ladeinfrastruktur europaweit ausgeschrieben werden.

Etwa Mitte 2019 sollen die ersten beiden E-Busse, Ende 2019 weitere fünf Fahrzeuge in Betrieb genommen und in den Folgejahren im Zuge der Ersatzbeschaffung insgesamt 20 weitere Fahrzeuge der Dieselflotte gegen E-Busse ausgewechselt werden. Die Elektrobusse werden zwar nicht „linienrein“, sondern variabel eingesetzt, dennoch sollen sie überwiegend auf den vier so genannten Vorranglinien 103, 104, 107 und 108 fahren. Diese Linien werden schrittweise nahezu vollständig auf Elektrobetrieb umgestellt werden.

Angebot an Elektroautos wächst

Warum 2018 noch mal neue Dieselbusse angeschafft werden, erläutert OVB-Sprecher Jörg Muthorst: „Eine Umstellung auf elektrischen Antrieb ist nicht so schnell möglich.“ Erst einmal müssten Förderanträge gestellt und die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Um den neuen Nahverkehrsplan mit dichteren Taktzeiten und längerem Linienbetrieb umzusetzen, benötigten die OVB aber schon zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018 elf zusätzliche Fahrzeuge. Die ersten beiden E-Busse könnten aber frühestens Mitte 2019 in Betrieb genommen werden.

Muthorst nennt weitere Gründe, die einer hundertprozentigen Elektrifizierung entgegenstehen: Für die Schutzschirm-Kommune Offenbach und ihre Stadtwerke-Gruppe seien die finanziellen Möglichkeiten begrenzt. Eine schrittweise Flotten-Umrüstung sei leichter zu finanzieren. „Ein weiterer Grund besteht darin, dass die sukzessive Umsetzung des Projektes die Möglichkeit bietet, in kleinen Schritten zu starten und die dabei gewonnenen Erfahrungen für die nächsten Entwicklungsschritte auszuwerten“, so der OVB-Sprecher. Und der dritte Grund: Die Elektromobilität entwickle sich technisch kontinuierlich weiter. Die Elektrifizierung der Stadtbusflotte in mehreren Stufen erlaube es, flexibel zu reagieren.

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Das Gesamtvolumen des anvisierten Umsetzungskonzepts beläuft sich laut Machbarkeitsstudie auf rund 16,5 Millionen Euro. Die jährliche finanzielle Mehrbelastung der OVB soll dank Fördermitteln im Zeitraum bis 2022 „deutlich unter 500.000 Euro“ liegen, heißt es. Ein Solobus kostet nach Angaben von OVB-Sprecher Muthorst rund 550 000 Euro, ein Gelenkbus schlägt mit etwa 700.000 Euro zu Buche. Auch hier seien bei der Belastung für die OVB zu berücksichtigen, dass Fördermittel fließen.

Der durch die Umstellung erzielte Beitrag zum Klimaschutz in Zeiten von Diesel-Gate ist bemerkenswert: Jährlich werden durch die 27 Elektrobusse 2300 Tonnen CO2, 1000 Kilogramm Stickoxide und acht Kilo Feinstaub vermieden.

Verstehen Sie E- Mobilität?

Bei der Umstellung der Busflotte auf Elektrobetrieb können die OVB von ihren Erfahrungen profitieren. Als einer der ersten Verkehrsbetriebe haben sie 2011 damit begonnen, nach tragfähigen Lösungen für den Einsatz von Elektrobussen im öffentlichen Nahverkehr zu suchen. In Offenbach wurde damals der bundesweit erste rein batterieelektrisch betriebene Bus im Linienbetrieb getestet. Weil das Fahrzeug eines spanischen Herstellers keine Heizung hatte, musste der Testlauf abgebrochen werden. 2016, nach einem weiteren Probelauf mit einem inzwischen serienreifen E-Bus, gab der OVB-Aufsichtsrat grünes Licht für eine schrittweise Elektrifizierung der Busflotte im Zuge der Fahrzeug-Ersatzbeschaffung.

Der Umstieg von Diesel- auf Elektrofahrzeuge wurde 2017 ebenfalls als Handlungsauftrag im neuen Nahverkehrsplan aufgenommen. Der Plan legt Umfang und Qualität des Offenbacher ÖPNV für die Jahre 2018 bis 2022 fest. Das von der Stadtverordnetenversammlung beschlossene Konzept sieht vor, mit dichteren Taktzeiten und längerem Linienbetrieb, besserem Angebot im Spätverkehr und einem erweiterten Liniennetz das Leistungsangebot im Stadtbusverkehr um ein Drittel zu steigern. (mad)

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