Notunterkunft an der Kaiserleistraße

300 Flüchtlinge reisten gleich weiter

Am Sonntagmorgen sind 23 Flüchtlinge, darunter sechs Kinder, per Bus aus Frankfurt nach Offenbach gebracht worden. - Foto: Georg

Offenbach - Die Gewerbe-Halle an der Kaiserleistraße ist zur genutzten Notunterkunft geworden, bevor sie als reguläres Erstaufnahmelager in Betrieb geht. 113 Flüchtlingen haben dort bis gestern Feldbetten bezogen. Von Thomas Kirstein 

43 von 63 Liegen sind in der Turnhalle der Anne-Frank-, 92 von 140 in jener der Edith-Stein-Schule in Gebrauch. In Offenbach kamen bislang 617 Menschen an. Jedoch reist ein erklecklicher Anteil gleich weiter in andere deutsche und europäische Städte. Viele Flüchtlinge kommen nicht ziellos nach Deutschland, sind offensichtlich gut mit bereits hier oder in Nachbarstaaten lebenden Landsleuten vernetzt. Einem Beobachter fällt ein Eritreer aus, der zwar kein Deutsch oder Englisch, dafür aber Niederländisch spricht. Es wird auch nach Beförderungsgelegenheiten gesucht, wobei die Vorstellungen von Entfernungen abenteuerlich sind: Ob er ihn mal schnell nach Braunschweig fahren könne, wird unser Fotograf gefragt. Der Eindruck, dass alle Flüchtlinge mittellos ankämen, ist falsch: Nicht wenige sind mit Euros versorgt, die sie über ihren Fluchtweg retten konnten. Davon profitieren unter anderem das für die Weiterreise in Anspruch genommene örtliche Taxigewerbe und der Handyhandel. Die Vernetzung will aufrecht erhalten bleiben. In manchen festen Flüchtlingsunterkünften soll WLAN zur eingeforderten Grundversorgung gehören.

Informationen zu den Herkunftsländern liegen der Stadt bislang nicht vor. Es wird darauf hingewiesen, dass die Flüchtlinge nicht registriert werden: „Auskünfte zur Herkunft und Identität können wir nicht immer geben.“ Bisweilen ist man auch auf die Kenntnisse von mehrsprachigen Rotkreuz-Helfern angewiesen, wenn es gilt, persönliche Angaben und die jeweilige Sprache zur Deckung zu bringen. Der Öffentlichkeit sind die Notunterkünfte verschlossen, darauf haben die Mannen der Regierungspräsidentin ein wachsames Auge. So muss sich die Presse auf die Einschätzung in der Mitteilung des städtischen Presseamts verlassen: „Ruhig und geordnet stellte sich auch am Sonntagmittag, 27. September, die Situation in den drei Offenbacher Notunterkünften an der Edith-Stein-Schule, der Anne-Frank-Schule und im Kaiserleigebiet dar.“

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

In der Nacht zum Donnerstag haben 365 Flüchtlinge mit sieben Bussen aus Mannheim Offenbach erreicht. Nach der Ankunft von fünf Bussen mit 229 weiteren Menschen in der Nacht zu Samstag sind am Sonntagmorgen weitere 23 Flüchtlinge, darunter sechs Kinder, in einem Bus vom Frankfurter Hauptbahnhof zur Gewerbehalle am Kaiserlei gebracht worden. Zuvor waren bis zu 30 Personen angekündigt worden. Die in der Nacht Angekommenen ließ das Stadtgesundheitsamt ärztlich untersuchen. Sie wurden mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt und bekamen ein Feldbett zugewiesen. Wie der Führungsstab gegen 3.15 Uhr mitteilte, verlief die Aufnahme ruhig, geordnet und zügig. Die Gruppe der Ankömmlinge setzt sich aus 33 Frauen, 143 Männern, sieben Kleinkindern bis drei Jahren sowie 46 Kindern und Jugendlichen zusammen. Eine Familie, zwei Erwachsene mit vier Kindern, ist direkt von Verwandten abgeholt und nach Hamburg gefahren worden.

Das sich in Privatbesitz befindende Gebäude zwischen Kaiserleistraße und Nordring wird vom Land Hessen derzeit als Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) brauchbar gemacht. Diese soll dann bis zu 1000 Asylsuchende aufnehmen können – für sie ist Offenbach jeweils nur eine Durchgangsstation. Unterdessen laufen auch nach Unterbringung der Flüchtlinge die Ertüchtigungsarbeiten in der Halle mit Hochdruck weiter. Die Liegenschaft soll als fünfte HEAE-Außenstelle in Südhessen von einem privaten Anbieter im Auftrag des Regierungspräsidiums betrieben werden. In solchen Außenstellen – nicht in Notunterkünften, wie sie derzeit in Offenbach vorhanden sind – werden Flüchtlinge offiziell registriert, damit sie die Möglichkeit erhalten, einen Asylantrag zu stellen. Die vom Land ursprünglich für Mitte vergangener Woche angekündigte offizielle Inbetriebnahme der Kaiserlei-Immobilie verzögert sich jedoch, weil nicht ausreichend Duschcontainer geliefert wurden.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Oberbürgermeister Horst Schneider hatte deshalb am Freitagmorgen angeordnet, die Einrichtung vorerst als kommunale Notunterkunft teilweise in Betrieb zu nehmen. „Wir können dort bis auf weiteres 250 Menschen unterbringen und so auf den bislang nicht genutzten Standort Buchhügel verzichten“, sagte der Rathauschef. Er zeigte sich optimistisch, dass die Turnhalle am Berufsschulzentrum schon bald wieder den Schulen und Vereinen zur Verfügung steht. Ein genauer Termin dafür stand vor dem Wochenende noch nicht fest.

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