Ärger geht trotzdem weiter

Abschlepper am Sana-Klinikum an der Leine

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Seit im Sommer Baumaßnahmen begannen, ist die Parksituation auf dem Klinikgelände noch angespannter. Ge- und Verbote sind deutlich markiert. 

Offenbach - Es war zwischenzeitlich ruhig um das sehr teure Abschleppen auf dem Gelände des privaten Offenbacher Klinikums geworden. Das deutet auf eine gewisse, von der Sana-Geschäftsleitung empfohlene Zurückhaltung des pauschal beauftragten Unternehmens hin. Aber Ärger gibt es immer wieder. Von Thomas Kirstein

Der Offenbacher Önder K. ist immer noch außer sich. Am 19. September hat die Firma Safar den Wagen seiner Frau vom Gelände des Sana-Klinikums nach Frankfurt-Preungesheim geschleppt, wo es für 249 Euro ausgelöst werden musste. Frau K. hat unbestritten falsch hinter Fahrradständern geparkt, als sie den nach ihrer Meinung lebensbedrohlich verletzten zweieinhalbjährigen Sohn in die Notaufnahme brachte. Das Parkhaus zu nutzen, sei für sie in einem so dringenden Notfall nicht in Frage gekommen.

Önder K. spricht von fünfzehn Minuten, bevor auch er dort eingetroffen sei, und vermutet, dass da wohl ein Safar-Mitarbeiter „Schmiere steht“, um lukrative Geschäfte einzuleiten. Nach seiner Darstellung erläuterte ihm der Safar-Geschäftsführer später, Nachfragen bei der Notaufnahme hätten ergeben, dass keine Lebensbedrohung bestehe, was ein Recht zum sofortigen Entfernen des Fahrzeugs bewirkt habe. Dennoch habe er ihm angeboten, 80 Euro zurückzuerstatten – ohne dass dies als Schuldeingeständnis verstanden werden möge. K. hat das abgelehnt, will die „Abzockerei“ angeprangert wissen.

Er steht damit in der Tradition etlicher ähnlich betroffener Besucher und Patienten-Angehöriger, deren Klagen seit Mitte 2017 für Schlagzeilen sorgten. Die Sana-Geschäftsleitung hatte die Lizenz zum Abschleppen an die Frankfurter Firma Safar vergeben, was die jeweiligen Kosten drastisch erhöhte; weil die Autos in Frankfurt abgeholt werden müssen, entstanden inklusive Taxi Kosten von bis zu 300 Euro. Bei dem Krankenhaus fast benachbarten Offenbacher Abschleppdienst wäre das Vergehen für etwa die Hälfte zu büßen gewesen.

Besondere Kritik erregte der Umstand, dass Safar lange Zeit praktisch unkontrolliert selbstständig tätig werden konnte. Zudem wurden Überschreitungen von Höchstparkzeiten auf regulären Plätzen genauso gnadenlos durch Abschleppen geahndet wie echte Behinderungen. Die Firma Safar lauerte förmlich mit ihren Fahrzeugen im Klinik-Umfeld. Als sie die rigorose und einträgliche Praxis auf umliegende Straßen wegen angeblicher Zufahrtsblockade ausdehnte, kam es zum Gespräch mit der Sana-Geschäftsleitung. Über dessen Inhalte wurde nichts verraten, aber die schriftliche Reaktion auf den jüngsten Ärger lässt durchblicken, dass die Abschlepper von Safar gewissermaßen an die Leine gelegt wurden: „Die Fa. Safar ist dazu beauftragt, widerrechtlich auf dem Klinikgelände abgestellte Fahrzeuge abzuschleppen, für den Falschparker kostenpflichtig. Dies geschieht nach Aufforderung durch berechtigte Mitarbeiter des Klinikums und vorheriger interner Abstimmung.“

Die Zeiten, da der Pauschalvertrag als Kaperbrief für ungehindertes Handeln begriffen werden konnte, scheinen also vorbei.

Die Sana-Unternehmenskommunikation relativiert die einst harte Gangart noch weiter: „Sollten Fahrzeugführer eine besondere Parkerlaubnis aufgrund einer Behinderung vorweisen können und diese oder einen Hinweis auf eine akute Notsituation im Auto sichtbar hinterlassen, wird darauf entsprechend bei widerrechtlich parkenden Fahrzeugen Rücksicht genommen.“

Abrissarbeiten am Luftschutzbunker

Önder K. und seiner Frau hätte das allerdings nicht geholfen. Eine Information, wie der Fahrzeughalter zu erreichen gewesen wäre, war nicht ausgelegt.

Zum anderen stand der Wagen laut Sana nicht nur 15 Minuten falsch, sondern mindestens 30 – und das „auf einer bürgersteigähnlichen Fläche zwischen zwei Klinikgebäuden, wodurch eine notwendige Feuerwehrzufahrt sowie Zu- und Abwege zur Speisenversorgung des Haupthauses und dem gegenüberliegenden Gebäude blockiert wurden.“ Auch seien andere Hilfesuchende behindert worden.

Das Angebot, einen Teil der Kosten zu erstatten, erklärt Sana als freundliche Geste seitens der Firma Safar, die ohne Anerkennung einer Rechtspflicht Verständnis und Mitgefühl mit der Familie ausdrücken sollte.

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