Suche nach Alternativen

Abschied vom Hafengarten wegen Bebauung

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Das Gartenareal wird nächstes Jahr bebaut.  

Offenbach - Der Hafengarten hat sich inzwischen als beliebter Treffpunkt etabliert. Etwa 180 Hobbygärtner bauen dort ihr Gemüse an. Doch nach dieser Saison ist Schluss: Im nächsten Jahr wird ein neues Bauprojekt realisiert. Die Suche nach einem neuen Standort hat begonnen. Von Christian Wachter 

Hobbygärtner Shajahan Bhuyan hat vor zwei Jahren den Hafengarten für sich entdeckt und baut dort Gemüse an. Er hofft auf einen Neustart an anderer Stelle.

Vieles wächst am Offenbacher Mainufer in diesen Tagen. Auf der Hafeninsel Wohn- und Gewerbehäuser, gegenüber, auf dem Festland, Gemüse und Obst urbaner Gärtner. Letztere allerdings müssen damit leben, dass der Hafengarten dieses Jahr in seine letzte Saison geht – zumindest am jetzigen Standort. Wo derzeit in verschiedensten Gefäßen Erde für die Aufzucht von Tomaten oder Erdbeeren umgegraben wird, folgt nächstes Frühjahr der erste Spatenstich fürs Bauprojekt „Marina Gardens“. Wie berichtet sollen dort 121 Wohnungen entstehen, inklusive gastronomischem Angebot und Einkaufsmöglichkeiten.

Für viele Nutzer des Hafengartens, 180 sind es ungefähr, ist es kein Trost, dass dort, wo sie so gern ihre Freizeit verbringen, andere eine neue Bleibe finden. 10 600 Quadratmeter stehen ihnen zur Verfügung, für Anbau und für sozialen Austausch. Längst ist der Hafengarten zum Treffpunkt geworden. Einer der Hobbygärtner ist Shajahan Bhuyan. Seine Leidenschaft für die Selbstversorgung hat er 2013 entdeckt. Seitdem pflanzt er vieles an, was er in der heimischen Küche benötigt: Gurken, Zucchini, Stangenbohnen, Kürbisse. Besonders gut wachsen dieses Jahr Koriander und Rettich, erzählt er. Zumindest, wenn die Hasen und Mäuse mal einen Bogen um sein Saatgut machen und die Pflanzen nicht mutwillig zerstört werden. Gerade letzteres sei ein Problem, da häufig auch Werkzeug gestohlen werde. Dennoch solle man sich den Garten mal im Juli anschauen – kein Vergleich sei das mit der momentanen Situation. „Da ist alles grün“, schwärmt Bhuyan.

Angrillen im Hafengarten

Dass die Tage im Hafengarten gezählt sind, bedauert er und hofft auf einen Neustart: „Es wäre toll, wenn die Stadt uns einen neuen Platz zur Verfügung stellen könnte. Ich möchte weitermachen.“ Die Chancen, dass es woanders weitergeht, stehen zumindest nicht schlecht: „Wir arbeiten daran, eine Lösung zu finden, prüfen derzeit intensiv Alternativen“, sagt die Leiterin des Hafengartens, Alexandra Walker. Konkrete Pläne seien aber vermutlich nicht vor Ende des Jahres zu erwarten.

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Auch Ulrich Lemke von der für die Hafenbebauung zuständigen Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG) ist überzeugt von den urbanen und öffentlich zugänglichen Gartenanlagen. „Wir haben das Gefühl, dass der Hafengarten sehr gut angenommen wurde. Unterschiedliche Bevölkerungsteile sind zusammen gekommen – Menschen mit Migrationshintergrund, HfG-Studenten und neben den Leuten aus dem Viertel auch Gäste aus Frankfurt.“ Man sei daher bemüht, das Projekt weiterzuentwickeln. Wer in der letzten Saison selbst noch Saatspuren hinterlassen will, dem hilft Alexandra Walker unter hafengarten@opg-of.de. Die Plätze sind allerdings begehrt.

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