Abschied auf Raten

Abschied vom PC+TV Service Team in der Waldstraße

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Seit 1985 haben Bernd Lauterbach (links ) und Peter Bernreiter das Elektrofachgeschäft an der Waldstraße. 

In Offenbach schließt das PC+TV Service Team in der Waldstraße Ende März – trotz vieler Stammkunden und genügende Anzahl an Aufträgen.

Offenbach – An Arbeit mangele es nicht, betont Bernd Lauterbach vom PC+TV Service Team in der Waldstraße, im Gegenteil: „Wir bekommen viele Anfragen, ob wir Kühlschränke oder Fernsehgeräte reparieren können. “ Allerdings fehlte dem Fachbetrieb der Nachwuchs. „Aber das ist kein Problem nur unserer Branche, davon sind viele Handwerksberufe betroffen“, sagt er.

Lauterbach und sein Geschäftspartner Peter Bernreiter haben sich daher entschlossen, ihr Ladengeschäft in der Waldstraße 164 aufzugeben. „Zum 31. März wird der Laden geschlossen“, sagt Bernreiter. Ganz aufgeben werden beide ihren Beruf aber nicht, für Stammkunden werden sie auch weiterhin Service wie etwa Reparaturen anbieten. Nur dann eben ohne einen Laden. „Ganz will ich nicht aufhören: An zwei oder drei Tagen in der Woche werde ich mich auf den Service konzentrieren“, sagt Lauterbach.

1982 haben Bernreiter und Lauterbach ihren Meistertitel als Radio- und Fernsehtechniker erhalten, 1985 eröffneten sie in der Waldstraße das Geschäft. Zu kaufen gab und gibt es alles, was irgendwie mit Elektronik zu tun hat: Fernsehgeräte, Waschmaschinen, Wecker und viel Zubehör, wie etwa Verbindungskabel. „Früher sind wir noch mit weißen Kitteln herumgelaufen“, erinnert sich Lauterbach und schmunzelt.

Inzwischen hat sich ihr Beruf völlig gewandelt. „Informationstechniker“ heißt der Ausbildungsberuf nun und schon seit Jahren ist der Service rund um Computer ein wichtiger Bestandteil des Angebots. Ob Internetanschluss, Softwareaktualisierung oder alles rund um die Telefonanlage – Kommunikationstechnik ist ein wichtiges Standbein des PC+TV Service Teams.

„Vor allem aber gab es vor einigen Jahren einen völligen Mentalitätswandel im Kaufverhalten der Kunden“, sagt Bernreiter. Ein Wandel, der sich deutlich auf den Betrieb ausgewirkt habe. Statt in Geschäften werde hauptsächlich im Internet eingekauft und es herrsche oft eine „Wegwerf-Haltung“ vor. „Die Geräte werden so billig produziert, dass sich eine Reparatur nicht lohnt – da landet dann ein gerade erst ein paar Monate altes Gerät auf dem Schrott“, sagt Lauterbach. Auch in der Ausbildung mache sich diese veränderte Haltung bemerkbar: Geräte zu reparieren werde dort kaum noch vermittelt.

Dazu komme das, was beide als „Beratungsklau“ bezeichnen: Nach ausgiebiger Beratung im Fachgeschäft werde im Internet gekauft, da dort die Preise niedriger seien. „Ob die niedrigen Preise nicht durch B-Ware erzielt werden, das wissen die Leute natürlich nicht – und angeschlossen werden die Geräte zuhause dann auch nicht durch Fachpersonal.“

Zwar gebe es in der Gesellschaft auch wieder erste Bewegungen, die für einen bewussteren Umgang mit Waren werben, doch reiche das nicht aus, um von einer Trendwende in der Branche zu sprechen. Dass Repair-Cafés aber der Wegwerf-Mentalität etwas entgegensetzen, sei begrüßenswert. „Aber leider überschätzen sich einige dann und wagen sich etwa an Starkstrom heran – und das ist wirklich nur etwas für Profis“, betont Lauterbach.

Dass es demnächst kein Ladengeschäft mehr geben werde, komme für Stammkunden aber nicht überraschend. „Schon seit einigen Monaten bereiten wir langjährige Kunden darauf vor. Einige von ihnen sind seit der Eröffnung 1985 Kunden“, sagt Bernreiter.

Der Ausverkauf des Geschäfts hat bereits seit einigen Wochen begonnen, für Fragen rund um Reparatur oder bei PC-Problemen stehen beide ihren Kunden aber weiterhin unter der vertrauten Nummer z 069 852121 zur Verfügung.

VON FRANK SOMMER

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