Neuer Betreiber ab Oktober

Abschied von der Rosenhöhe: Wirtsfamilie verlässt nach fast 50 Jahren die Waldgaststätte

Eine starke Familie: Sohn Ben Frey, Wirtin Peggy Schuhmann, Schwiegertochter Irena Schuhmann, Enkel Toni Schuhmann IV. und Wirt Anton Schuhmann (von links). Foto: Meidel
+
Eine starke Familie: Sohn Ben Frey, Wirtin Peggy Schuhmann, Schwiegertochter Irena Schuhmann, Enkel Toni Schuhmann IV. und Wirt Anton Schuhmann (von links).

48 Jahre lang ist die Waldgaststätte auf der Rosenhöhe in den Händen der Familie Schuhmann gewesen. Jetzt verabschieden sich die Wirte Anton und Peggy in den Ruhestand. Ab Oktober soll das Vereinslokal der SG Rosenhöhe mit einem neuen Betreiber wiedereröffnen.

Offenbach – Dass die Traditionswirte nach so langer Zeit aufhören, hat laut Anton „Toni“ Schuhmann vor allem gesundheitliche Gründe. „Ich hab einen Arm kaputt, ich hab beide Füße kaputt und ich hab eine künstliche Hüfte.“ In den letzten Jahren sei es zudem immer schwieriger geworden, für den Betrieb Personal zu finden. „Es will einfach keiner mehr in die Gastronomie. Irgendwann haben wir dann eben beschlossen, aufzuhören.“

An seine Anfänge auf der Rosenhöhe erinnert er sich noch gut. „Mein Vater hat das Lokal am 2. November 1972 eröffnet. Ich bin ‘77 als Koch ins Geschäft eingestiegen und habe es dann 1996 von meinen Eltern übernommen.“ Zu diesem Zeitpunkt ist bereits seine spätere Gattin Peggy dabei. Ganz reibungslos verläuft der Anfang jedoch nicht. „Damals gab es im Vertrag noch die Klausel, dass nur ein Ehepaar die Gaststätte übernehmen darf“, erinnern sich die Schuhmanns – die einander erst zwei Jahre später ehelichen. „Sie mussten dann tatsächlich die Satzung ändern.“

Waldgaststätte in Offenbach: Eine Erfolgsgeschichte der Familie Schuhmann

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte. Mit ihrer gutbürgerlichen deutschen Küche erobern die Schuhmanns schnell die Herzen des Vereins und seiner Gäste. Ob Weinfest, Weihnachtsmarkt oder Après-Ski-Feier: Die Waldgaststätte garantiert auch außerhalb ihres Tagesgeschäfts kulinarische Genüsse. Thomas Daniel, Vorsitzender der SG Rosenhöhe schwärmt: „Sie kamen als Metzger hier hoch zu uns und haben bis zuletzt in Eigenregie Wurst gemacht und geräuchert. Ihre Wurstspezialitäten sind noch immer bis weit über die Grenzen Offenbachs hinaus beliebt.“

Woran Peggy Schuhmann als erstes denkt, wenn sie ihre Jahre auf der Rosenhöhe Revue passieren lässt? „Supertolle Gäste, Gruppen und Stammtische.“ Aus Gästen seien Freunde geworden, fügt ihr Sohn Benjamin Frey an.

Dass sie aufgrund der Corona-Pandemie für diese Freunde keine große Feier ausrichten kann, findet die Wirtsfamilie bedauerlich. „Das macht wehmütig“, so Anton Schuhmann. „Am schwierigsten ist für mich, dass wir uns nicht richtig von den Gästen verabschieden können.“ SG-Vorsitzender Thomas Daniel beruhigt: „Wir werden sicher noch eine Gelegenheit finden.“

Familie Schuhmann verlässt Waldgaststätte in Offenbach: Neue Heimat im Spessart

Mit der Waldgaststätte geben die Schuhmanns auch ihren Wohnsitz auf der Rosenhöhe auf. Ihre neue Heimat: der Spessart. Dort freut sich Anton Schuhmann, endlich ganz viel Zeit für sein Hobby zu haben: alte Motorräder. „17 Maschinen habe ich schon selbst restauriert“, strahlt der 61-Jährige. „Das ist für mich immer ein guter Ausgleich zur Arbeit gewesen.“

Ein Nachfolger ist für die Schuhmanns bereits gefunden. Stefano Motta ist Jugendtrainer bei der SG Rosenhöhe und hat schon den jüngsten Spross der Familie Schuhmann unterrichtet. „Es wird einen Ticken moderner“, erklärt Motta. Derzeit ist das Gasthaus eine komplette Baustelle: Offene Böden, abgeschabte Tapete, leere Räume. Das rustikale Ambiente, das die Waldgaststätte seit den 70er Jahren verströmte, wird es in Zukunft wohl nicht mehr in dieser Form geben. Aber Motta kann die Stammgäste beruhigen: „Die gutbürgerliche deutsche Küche wird es hier weiterhin geben.“ Aufgrund seines italienischen Namens hätten schon einige Stammgäste sich erkundigt, ob in dem Lokal künftig mit Pizza zu rechnen sei. Aber Motta betont, er wolle dem bewährten kulinarischen Konzept seiner Vorgänger treu bleiben, wenn er im Oktober schließlich das renovierte Lokal eröffnet. „Ich will hier nichts neu erfinden.“

Anton und Peggy Schuhmann freuen sich, dass sie geordnete Verhältnisse hinterlassen. „Wir sind sehr zufrieden“, bilanziert Toni Schuhmann lächelnd. „Stefano ist ein sympathischer Typ, die SG Rosenhöhe hat mit ihm einen richtigen Glücksgriff gemacht.“ (VON MARIAN MEIDEL)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare