73 Grundschüler

Abschiedspremiere: Die ersten Viertklässer verlassen die Hafenschule

Die ersten Viertklässler der 2015 erbauten Hafenschule verlassen bald ihr gewohntes Umfeld. Für ihre Abschlussfeier planen die 73 Grundschüler fünf Projekte. Die Suche nach einem geeigneten Veranstaltungsraum erweist sich jedoch als schwierig.

Offenbach – Ein Schiff fährt aus dem Offenbacher Hafen, an Bord sind 73 Kinder. Was der Hafenschule nur als Symbolik für ihre Abschlussfeier am 19. Juni dient, ist für die Viertklässler bald Realität. Für sie geht es nach den Sommerferien auf weiterführende Schulen. Damit sind sie die ersten drei Klassen, die die ab 2015 erbaute und 2017 eröffnete Bildungseinrichtung verlassen. Für ihr Abschlussprojekt haben sich die Zehn- und Elfjährigen gemeinsam mit ihren Lehrern etwas Besonderes ausgedacht. Sogar einen „Projektrat“ haben sie, der ganz wild darauf ist, der Zeitung das Vorhaben zu präsentieren.

Je nach Interesse teilen sich die Schüler in fünf Gruppen auf. Zur Auswahl standen Theater, Sport, Musik, Bühnenbild und eine Schreibwerkstatt. Die Gruppen treffen sich jeden Donnerstag, um Lieder einzuüben, an Choreografien zu feilen, Texte zu schreiben. Freitags in der 3. und 4. Stunde tauscht sich der Projektrat mit den Gruppen aus und plant die Aufführungen. Dafür gibt es gleich drei Termine.

„So viel sind nötig, da wir keinen größeren Veranstaltungsraum gefunden haben“, erläutert Sozialpädagogin Bärbel Decker. Sie betreut den Abschluss gemeinsam mit vier Lehrerinnen und Schulleiterin Bianca Mohr. Die Hafenschule beherbergt derzeit rund 300 Kinder. Mit Lehrern, Verwandten und Freunden kommen 200 weitere Menschen dazu, die zur Feier erwartet werden.

Die Aula der Hafenschule sei dafür zu klein, erläutert Decker. Daher habe man sich an die Stadt gewandt. Ein von den Kindern verfasster Brief an Oberbürgermeister Felix Schwenke hat jedoch nicht zum erwünschten Erfolg geführt. Er bedauere, ihnen keine positive Zusage für die Bereitstellung eines großen Veranstaltungsraums geben zu können, lautet die Absage. Auch bei Hafen 2 (noch keine Antwort) und Capitol (mit 2 800 Euro Mietkosten zu teuer) hatten die Viertklässler kein Glück. Das hält sie jedoch nicht von der Vorfreude auf die Aufführungen ab.

Verlassen als erste das Schiff: Die Viertklässler der Hafenschule gehen bald auf weiterführende Schulen. Ihre Abschlussprojekte begleiten Lehrerin Maria Frost (von links), Schulleiterin Bianca Mohr und Bärbel Decker. Keinen Erfolg hatte leider der Brief an den OB. Foto: tas

Die Theatergruppe hat ein Stück über ihre Erlebnisse in den vergangenen vier Jahren geschrieben. Die Sportgruppe zeigt mit Fußball, Akrobatik, Basketball, Gymnastik und Turnen ihr Können. Eine Zeitung entsteht in der Schreibwerkstatt. Die Gruppe Bühnenbild kümmert sich um Kostüm und Kulisse. Die Musiker singen das selbst geschriebene Hafenlied und führen einen Tanz vor. Das Abschlussprojekt dient nicht nur dem Spaß, sondern auch einem pädagogischen Zweck. Der Wechsel in die fünfte Klasse ist für die Kinder ein einschneidendes Erlebnis. „Je besser sie an den Übergang gewöhnt werden, umso einfacher haben sie es später im Leben“, weiß Bärbel Decker.

Die Grundschüler selbst haben gemischte Gefühle beim Gedanken an den Neuanfang. „Wir freuen uns schon“, spricht Hatice für ihre Mitschüler. Naji findet: „Es verwirrt einen, man weiß nicht, ob man seine Freunde und Lieblingslehrer wiedersieht.“ Für ihn sei es eine ganz neue Welt, in die er eintritt. Robertas erster Gedanke: „Ich werde die Lehrer vermissen, ich fand die Schule richtig geil.“

Auch den Pädagogen fällt der Abschied schwer. „Auf der einen Seite wird es Zeit, dass ihr geht – ihr wisst einfach zu viel für die Grundschule“, spricht Bärbel Decker zu den Kindern. „Aber es ist trotzdem traurig, euch gehen lassen zu müssen.“

Die erste Aufführung der Viertklässler findet am 19. Juni statt.

Von Tamara Schempp

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