Entsorger macht Vorwürfen

Ärger über falsche Mülltrennung: Recycling wird immer schwerer

Falsche Mülltrennung macht der Branche der Entsorger und Verwerter zunehmend zu schaffen. Eigentlich soll laut Verpackungsgesetz mehr als die Hälfte vom Müll im Gelben Sack recycelt werden. Doch die Quote kann nicht eingehalten werden. 

  • Offenbach: Falsche Mülltrennung sorgt für Ärger.
  • Weil der Müll falsch getrennt wird, wird auch das Recycling immer schwerer.
  • Entsorger machen Verbrauchern und der Verpackungsindustrie Vorwürfe.

Offenbach – „Immer noch liegt die Fehlwurfquote zwischen 30 und 40 Prozent und in der Spitze sogar bei 60 Prozent“, erklärt Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung auf Anfrage dieser Zeitung. „Wer mehr Recycling will, muss dafür sorgen, dass an den richtigen Stellschrauben für mehr Qualität gedreht wird“, fügt er hinzu und fordert vermehrt Informationskampagnen.

Aber nicht nur unaufgeklärte Verbraucher scheinen an der geringen Recyclingquote Schuld zu sein. Auch die Verpackungsindustrie trägt ihren Anteil daran. Rehbock: „Eine Vielzahl von Verpackungen lässt sich aufgrund ihrer Beschaffenheit schlicht nicht oder nicht wirtschaftlich sinnvoll recyceln. Deshalb ist es erforderlich, dass künftig Verpackungen so hergestellt werden, dass sie auch recycelt werden können. Design for Recycling ist hier das Stichwort.“

Offenbach: Ärger über falsche Mülltrennung - Nabu bestätigt Einschätzung

Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bestätigt: Die Fehlwurfraten sind in der Tat in vielen Kommunen zu hoch und erschweren dadurch die anschließende Sortierung und das Recycling. Mehr Aufklärung fordert Nabu-Experte Michael Jedelhauser. Er bringt Tonnenkontrollen ins Spiel. Zudem müsse das Mülltrennen einfacher werden. „Oftmals bestehen Verpackungen aus verschiedenen Materialien, die in unterschiedliche Tonnen entsorgt werden müssen“, erläutert Jedelhauser. 

Und er nennt ein Beispiel: Joghurtbecher haben einen Kunststoffbecher, eine Papierummantelung und einen Aluminiumdeckel. Die Verbraucher müssen diese Teile eigentlich vor der Entsorgung voneinander trennen. Da dies aber in der Regel nicht passiert, landet der Becher als Materialmix im Müll und kann später nicht korrekt sortiert und recycelt werden. „Verpackungen aus möglichst einem einzigen Material sind außerdem leichter zu sortieren und zu recyceln“, so der Experte.

Offenbach: Falsche Mülltrennung sorgt für Ärger - Ist Wertstofftonne notwendig?

Damit möglichst große Mengen Wertstoffe wiederverwertet statt verbrannt werden, ist laut Nabu eine bundesweite Wertstofftonne notwendig, in der neben Verpackungen auch sonstige Abfälle aus Kunststoff und Metall entsorgt werden können.

VON PETER SCHULTE-HOLTEY

Schlimmer wird‘s noch, wenn der Müll einfach in die Natur gekippt wird. Ein Mann aus Offenbach hatte bergeweise Müll in den Wald gekippt und muss nun eine satte Geldstrafe zahlen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Martin Schutt/dpa

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