Stadt subventioniert jede Ausleihe 

„Geldverschwendung“: SPD im Offenbach kritisiert E-Mobil-Stationen 

Teures Prestigeprojekt: Die Ausleihstation am Marktplatz war die erste und ist die größte von insgesamt sechs Stationen im Stadtgebiet. 
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Teures Prestigeprojekt: Die Ausleihstation am Marktplatz war die erste und ist die größte von insgesamt sechs Stationen im Stadtgebiet. 

In Offenbach gibt es Ärger um die E-Mobil-Stationen, an denen Pedelecs und Elektroautos verliehen werden. Die SPD wirft der Koalition „Geldverschwendung“ vor. 

  • Streit in Offenbach in Südhessen 
  • Ärger umVerleih von Pedelecs und Elektroautos
  • SPD in Offenbach übt Kritik und wirft Koalition Geldv erschwendung vor 

Offenbach - Die Zeiten, in denen Offenbach als hessisches Mekka der Elektromobilität galt, sind vorbei. Der Hype um die Stromer ist – zumindest in der lokalen Politik – einer eher nüchternen Betrachtung von Kosten und Nutzen der nach wie vor als zukunftsfähig erachteten Art der Fortbewegung gewichen.

In den vergangenen Monaten gab es etwa erhebliche Zweifel daran, dass die Elektrifizierung der städtischen Busflotte so alternativlos sei, wie die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) nicht müde werden zu betonen.

Nun bekommt die Kritik weitere Nahrung: Die SPD wirft der regierenden Tansania-Koalition beim Betrieb der E-Mobil-Stationen „Geldverschwendung für Symbolpolitik“ vor. Das Angebot werde in einer Weise subventioniert, die nicht mehr zu vertreten sei, heißt es.

Offenbach: SPD kritisiert E-Mobil-Stationen mit Verleih von Pedelecs und Elektroautos

SPD-Fraktionschef Martin Wilhelm rechnete in der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments in seiner Haushaltsrede vor: Im Jahr 2018 betrugen die Gesamtkosten für die E-Mobil-Stationen rund 250 000 Euro, dank Fördermitteln reduzierte sich der kommunale Anteil auf 180 000 Euro. Die Erträge aus dem Verleih lagen dagegen bei lediglich 16 755 Euro. 

Ausgeliehen wurden 779 Mal ein Elektroauto und 590 Mal ein Pedelec, was zusammen 1 369 Ausleihvorgängen entspricht. „Bei städtischen Kosten von 180 000 Euro ergibt sich, dass jeder Verleihvorgang mit etwas mehr als 130 Euro von der Stadt subventioniert wurde“, bilanziert Wilhelm. „Zwei Stunden Radfahren für 130 Euro – Offenbach muss andere Prioritäten setzen“, fordert der Fraktionschef der Sozialdemokraten. Rechne man noch die externen Subventionen hinzu, werde jede Ausleihe sogar mit mehr als 170 Euro bezuschusst.

Anja Georgi, Geschäftsführerin der Mobilitätssparte der Stadtwerke, widerspricht Wilhelms Rechnung nicht. Sieht die Sache mit den Prioritäten aber anders. „Das den klassischen ÖPNV ergänzende Sharing-Angebot für E-Autos und Pedelecs ist Teil des Nahverkehrsangebots und damit Teil der Daseinsvorsorge“, so Georgi. Ebenso wie das bestehende Busangebot werde die Bereitstellung des ÖPNV, wie in anderen Städten auch, nicht kostendeckend betrieben. Die Akzeptanz und Nutzung neuer Angebote erforderten eine Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmer. Diese Verhaltensänderungen seien nicht von heute auf morgen zu bewirken. Georgi: „Sie setzen aber voraus, dass attraktive Alternativangebote bestehen. Daher sind Investitionen in eine multimodale Verkehrskette erforderlich.“

Offenbach: SPD hält Verleih von Pedelecs und Elektroautos für “Geldverschwendung“

Zugleich erinnert die Geschäftsführerin daran, dass das elektromobile Sharing-Angebot von der Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr 2015 mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht worden sei. Das Offenbacher E-Mobil-Netz sei ein innovatives Modellprojekt, das nicht nur als Blaupause für das gesamte Verbundgebiet des Partners RMV diene, sondern auch vom Bund mit großem Interesse verfolgt werde.

Das E-Mobil-Netz umfasst mittlerweile sechs Stationen. Pedelecs und E-Autos können ausgeliehen werden am Marktplatz, am Hafen, am Bieberer Ostendplatz, am Rumpenheimer Kurhessenplatz, in Tempelsee und im Neubaugebiet An den Eichen. Jede E-Mobil-Station besteht aus einer Ladesäule für Elektroautos mit zwei Stellplätzen, aus fünf Fahrradboxen (Marktplatz: 15) und einer Informationsstele.

Um eine nahtlose Verbindung zum öffentlichen Personennahverkehr zu gewährleisten, befinden sich die E-Mobil-Stationen in unmittelbarer Nähe zu Bus- oder Bahn-Haltestellen.   

Von Matthias Dahmer


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