Lederstadt zum Gründermekka gewandelt

Offenbach ist ein äußerst beliebtes Pflaster für Start-ups

Offenbach - Offenbach hat sich grundlegend gewandelt: Aus der einstigen Lederstadt ist längst eine Stadt der Gründer und Start-ups geworden. Grund genug für unsere Zeitung, in einer neuen Serie die „jungen Wilden“ vorzustellen. Von Achim Lederle und Christian Schultz (dpa) 

In loser Reihenfolge porträtieren wir innovative Firmen, die von hier aus ihren Unternehmenserfolg suchen. Offenbach belegte 2016 im bundesweiten „Neue Unternehmerische Initiative – Regionenranking“ des Instituts für Mittelstandsforschung zum elften Mal in Folge den ersten Platz – ein Indiz für die Popularität der Stadt bei jungen Gründern. Verglichen werden dabei die Anmeldungen für Gewerbe im Verhältnis zur Zahl der Einwohner im erwerbsfähigen Alter. Unter den besten Zehn sind aus Hessen auch der Kreis Offenbach, Wiesbaden sowie der Main-Taunus-Kreis.

Im 2006 entstandenen Ostpol werden Unternehmern unter anderem kürzere Laufzeiten bei Mietverträgen geboten als sonst üblich. Besprechungsräume können kostenlos reserviert werden, auch ein Telefonservice kann gebucht werden, wenn der Gründer selbst unterwegs ist. Auch ist die nötige Infrastruktur vorhanden, vom schnellen Internet bis hin zur Kaffeeküche für das eifrige Netzwerken. Stecker rein und schon kann es losgehen mit dem Arbeiten am eigenen Erfolg. Die im Haus sitzende Firma KIZ bietet Beratung, Workshops und Seminare zu Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Der Geschäftsführende Gesellschafter von KIZ, Markus Weidner, umschreibt das Erfolgsrezept Offenbachs so: „Es ist groß genug, dass alles da ist. Und es ist klein genug, dass jeder jeden kennt.“ Die Stadt habe sich schon früh um das Thema Gründer gekümmert, auch weil die Ansiedlung großer Unternehmen in Konkurrenz zu Frankfurt schwierig sei.

Die Grundidee sei ein „endogener Ansatz“ gewesen, also wirtschaftliches Wachstum von innen heraus. Schon früh hätten in Offenbach alle an einem Strang gezogen – Stadt, Kammern, die Sparkasse und andere. Während vor Jahren etwa in Darmstadt oder Hanau Gründerzentren leer gestanden hätten, sei der „Ostpol“ nach dem Start 2006 binnen eines Dreivierteljahres vermietet gewesen. Schon seit 2003 gibt es die Initiative Gründerstadt Offenbach, ein von der Stadt initiiertes Netzwerk von Partnern, die bei einer Gründung helfen und Informationen bereitstellen. Insgesamt sei dank großzügiger EU-Förderung eine Menge ausprobiert worden, sagt Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung.

Business statt Bücher: Wenn Studierende gründen

Als erste Stadt in Deutschland habe Offenbach einen kommunalen Mikrofinanzierungsfonds gegründet. „Der springt ein, wenn Gründer noch nicht bankfähig sind“, erklärt Schulze-Böing. Selbst habe die chronisch klamme Stadt ganz wenig kommunales Geld reingesteckt. „Das bewegt sich im unteren fünfstelligen Bereich.“ Auch Weidner von der Firma KIZ betont mit Blick auf Mikrokredite: „Das haben wir hier erfunden.“ Die Rückzahlungsquote liege bei 98,5 Prozent. „Das haben wir nicht für möglich gehalten“, sagt Weidner, der selbst Geschäftsführer des Deutschen Mikrofinanz-Instituts ist.

Auch beim Bundesverband Deutsche Start-ups in Berlin ist Offenbach ein Begriff. Die Stadt sei sehr aktiv, lobt Sprecher Paul Wolter. International ist Offenbach allemal, wie auch Schulze-Böing vom Offenbacher Amt für Arbeitsförderung betont. Rund 60 Prozent der Menschen hier hätten einen Migrationshintergrund. „Die haben eine höhere Affinität zur Selbstständigkeit. Das ist ein Faktor für die hohe Gründungsdynamik.“ Zudem sitze in der Stadt die Hochschule für Gestaltung (HfG), drei Viertel der Absolventen dort gingen in die Selbstständigkeit. „Das ist in dem Bereich ein typischer Weg.“ Und Offenbach ist Teil der wirtschaftsstarken Rhein-Main-Region. Es sei verkehrstechnisch sehr gut angebunden, habe aber nach wie vor günstigere Flächen als das benachbarte Frankfurt, sagt Schulze-Böing.

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