Protest

Offenbach: Wie die Groß-Demo gegen den AfD-Auftritt von Björn Höcke fast eskalierte

Björn Höcke ist zur Unterstützung der AfD im Wahlkampf nach Offenbach gekommen. Als er sich verspätet, entwickelt die Gegen-Demo eine ungünstige Dynamik. 

  • Der rechtsextreme AfD-Politiker Björn Höcke hat in Offenbach eine Rede gehalten.
  • Die Gegendemonstration hatte weitaus mehr Anhänger als die AfD-Veranstaltung.
  • Ein Großaufgebot der Polizei ist nötig gewesen, um die Gegendemonstration ruhig zu halten.
  • Hessenwahl: Wir berichten im Live-Ticker zur Kommunalwahl in Offenbach.

Offenbach – Es darf wohl als Verzweiflungstat einer auseinanderbrechenden Partei angesehen werden, um Aufmerksamkeit zu erheischen: Die Offenbacher AfD, deren Fraktion sich in den vergangenen fünf Jahren halbierte, verpflichtet einen bundesweit bekannten Rechtsextremisten als Redner für den Kommunalwahlkampf. Nach einer ersten Absage Mitte Februar kommt der unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehende Björn Höcke am Donnerstag (05.03.2021) tatsächlich nach Offenbach.

Doch wenn die AfD so Wähler mobilisieren wollte, ist diese Rechnung wohl nicht aufgegangen: Lediglich knapp 40 Anhänger versammeln sich auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Rathaus – zur gleichzeitig angesetzten Gegendemonstration kommen weit über 800 Bürger, die lautstark gegen den Auftritt des Rechtsextremisten protestieren.

Großer Protest: Mit Bannern, Plakaten, Trillerpfeifen, Trommeln uns Sprechchören zeigten die Gegendemonstranten, was sie von dem Auftritt des rechtsextremistischen AfD-Politikers hielten.

AfD Offenbach zog wegen Björn Höcke vor Gericht

Auch vor Gericht musste die AfD gleich zwei Niederlagen einstecken: Ihre Forderung, dass das Rathaus öffnen müsse, um so Höcke notfalls Unterschlupf zu gewähren, wurde ebenso abgewiesen wie das Ansinnen, die Gegendemonstration um 150 Meter verlegen zu lassen.

Und so findet sich die geringe Anhängerschaft ein vor einem einsamen Rednerpult unter einem Sonnenschirm vor dem Rathaus, während die Gegendemonstration in 25 Metern Entfernung auf der Berliner Straße vor dem City-Tower abgehalten wird. Dennoch soll sich die Wahl des Ortes als problematisch für die Protestkundgebung erweisen, wie der Verlauf der Veranstaltung zeigt.

Gegendemonstration in Offenbach: Protestler gegen AfD auch aus Hanau und Darmstadt angereist

Am Anfang ist davon wenig zu spüren: Demonstranten aus allen politischen Lagern und Teilen der Gesellschaft kommen kurz nach 13 Uhr im Büsingpark und auf der Berliner Straße zusammen. Tafel-Chefin Christine Sparr gehört zu denen, die Flagge zeigten: „Es ist mir ein Herzensanliegen, hier gegen Rechts zu demonstrieren“, sagt sie.

Auch die „Omas gegen Rechts“ sind vor Ort, einige Demonstranten sind aus Hanau oder Darmstadt angereist. „Ich bin mit Kollegen von der Arbeit hier – so ein Nazi hat hier in Hessen nichts zu suchen“, sagt Wolfgang Henkel. Es sei seine erste Demonstration überhaupt, erklärt einer seiner Begleiter. „Aber gegen Hassprediger muss man Haltung zeigen und auf die Straße gehen.“

Protest gegen AfD und Björn Höcke in Offenbach führte zu Großaufgebot der Polizei

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort und hat die Straße mit zweifacher Absperrung quasi als Puffer zwischen den Kundgebungen versehen. Während die AfD-Anhänger teils demonstrativ ohne Maske ihr Gelände betreten, achten die Gegendemonstranten sehr genau auf die Einhaltung der Maskenpflicht. Anfangs erinnern noch die Ordner daran, Abstand zu halten – später wird jedoch dicht gedrängt protestiert.

Das Bündnis „Bunt statt braun“, das zur Gegenkundgebung aufgerufen hatte, kann über 20 Redner für seinen Protest verzeichnen – zuerst ergreift Oberbürgermeister Felix Schwenke gegen 13.45 Uhr das Wort. „Offenbach ist ein wunderschöner Ort, besonders ohne Faschisten“, sagt er. Der hauptamtliche Magistrat hat ihn begleitet und demonstriert so vereint gegen Hass und Hetze. Wie fast alle Redner nennt Schwenke Höcke konsequent „Bernd“* – die Satire-Sendung „Heute-Show“ hat das populär gemacht.

Demonstranten gegen die AfD und Björn Höcke provozieren die Polizei in Offenbach

Allerdings entwickelt sich bald eine ungünstige Dynamik auf der Gegendemonstration: Da der Auftritt Höckes auf sich warten lässt, erküren einige schwarz gekleidete Demonstranten die Polizisten am Absperrgitter zu ihrem Feindbild – gegen 14.15 versuchen einige, die Absperrung zu stürmen, Rauch steigt auf.

Die Polizei drängt die Demonstranten weit zurück, erst da fällt an der Rednerbühne des Bündnisses auf, was sich an der Absperrung abspielt. Mehrfach ruft Moderatorin Helena Wolf zum friedlichen Protest auf: „Unser gemeinsamer Feind steht drüben vor dem Rathaus!“ Es dauert, bis die Lage sich einigermaßen beruhigt.

Protest-Zug gegen AfD ging anschließend durch die Innenstadt von Offenbach

Als Björn Höcke gegen kurz vor 15 Uhr ans Rednerpult tritt, wird er mit Pfeifen, Trommeln und „Nazis raus“-Sprechchören empfangen. Auch wenn das Getöse seinen Auftritt nicht verhindert, ist es doch bis auf die Frankfurter Straße zu hören. Nach einer knappen halben Stunde ist der braune Spuk dann vorüber. Eine Demonstration von „Bunt statt braun“ zieht anschließend noch durch die Innenstadt von Offenbach. (Frank Sommer) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg-Foto

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion