Körperliche Leistungsfähigkeit

Luft in der Flasche für 30 Minuten: So funktioniert die Atemschutzübung bei der Feuerwehr

So sieht’s einfach aus... Die Übungsstrecke ist in der Regel aber verdunkelt, Lärm und Nebel sorgen für ein realitätsnahes Szenario. Vom Leitstand aus können jederzeit Korrekturen und Anweisungen abgegeben werden. Foto: Stadt
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So sieht’s einfach aus... Die Übungsstrecke ist in der Regel aber verdunkelt, Lärm und Nebel sorgen für ein realitätsnahes Szenario. Vom Leitstand aus können jederzeit Korrekturen und Anweisungen abgegeben werden.

Einmal im Jahr müssen sich alle Feuerwehrmänner und -frauen, die zum Tragen eines Atemschutzgerätes ausgebildet sind, einer Atemschutzübung unterziehen. Und die hat es in sich.

Offenbach – „Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen“, lautet der Titel eines Spielfilms. In der Hollywood-Produktion kämpft sich Hauptdarsteller Kurt Russell 1991 durch Flammen und Rauch. Selbstverständlich machte der Mime das ohne Atemschutz, da sein markantes Konterfei ja sonst nicht auf der Kinoleinwand zu sehen gewesen wäre. In der (Offenbacher) Realität sieht das anders aus. Die Feuerwehr rückt „unter Atemschutz zur Menschenrettung“ aus, heißt es regelmäßig in Mitteilungen. Und das will geübt sein.

Einmal im Jahr müssen sich alle Feuerwehrfrauen und -männer ab 18 Jahren, die zum Tragen eines Atemschutzgerätes ausgebildet wurden, einer Atemschutzübung unterziehen – egal ob bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei der Berufsfeuerwehr. Und das ist alles andere als spaßig: In voller Montur mit einer Atemschutzmaske müssen sie allein 16-mal den etwa 18 Kilo schweren Schlaghammer ziehen und zweieinhalb Minuten Fahrradfahren, um dann in maximal 30 Minuten, so lange reicht die Luft in der Kompositflasche, einen 50 Meter langen Parcours zu absolvieren.

Die Anlage in der Rhönstraße geht über zwei Etagen und hält allerlei Finessen bereit, es gibt Schiebetüren, Klappen und Auf- und Abgänge, die im Dunkeln tastend und kriechend im Zweierteam absolviert werden müssen. Dazu noch Hitze, eine authentische Lärmkulisse und Nebel aus der Maschine. Ungeübt eine echte Herausforderung, aber für die Feuerwehrleute schon beinahe Routine – schließlich gibt es neben versehentlich ausgelösten Brandmeldeanlagen, vermeintlich in Bäumen festsitzenden Katzen an Einsatzorten unterschiedlichste Situationen zu bewältigen, „die neben Fachwissen eben auch ein hohes Maß an körperlicher Fitness erfordern“, erklärt Ingo Kiesgen. Er ist bei der Berufsfeuerwehr Offenbach zuständiger Werkstattleiter für Atemschutz. „Die Belastungsübung ist Pflicht und muss im Tagesgeschäft absolviert werden.“

Also innerhalb der 24-Stunden-Schicht, die morgens um 7 Uhr beginnt und je nachdem von ruhigen Phasen oder eben aufreibenden Einsätzen geprägt ist. Langweilig wird es nie, auch auf der Wache gibt es immer zu tun, so wollen Einsatzgeräte gepflegt und gewartet werden und vieles andere mehr.

Die Atemschutzbelastungsübung ist übrigens nicht die einzige Prüfung, der sich die Feuerwehrleute unterziehen müssen. So steht alle drei Jahre ein Termin beim Arbeitsmediziner an. Für beide Prüfungen gilt: Durchfallen gibt es nicht. Wer den Test nicht besteht, muss ihn zeitnah nachholen und wird in der Zwischenzeit anders eingesetzt. Denn die sogenannten Angriffstrupps müssen unbedingt gesund und belastbar sein, denn sie sind diejenigen, die an vorderster Front Menschen retten und das Feuer bekämpfen.

Weil die Feuerwehr oft mit gefährlichen Stoffen hantieren muss, gehört die jährliche Übung im Chemikalien-Schutzanzug dazu. „Nichts für Menschen mit Raumangst“, so Kiesgen schmunzelnd, denn im sogenannten CSA wird es schnell warm und stickig. Mit den dazugehörenden Handschuhen filigrane Arbeiten an Verschlüssen oder Rohrleitungen erledigen zu müssen, ist gar nicht so einfach und muss daher ständig geübt werden.

Dass körperliche Leistungsfähigkeit ein wichtiges Thema für den Beruf ist, unterstreicht auch der Leiter der Berufsfeuerwehr Uwe Sauer: „Außerdem sind handwerkliches Verständnis, logisches und räumliches Denkvermögen, Stressresistenz und Teamarbeit gefragt.“ Die Arbeit bei der Feuerwehr ist anspruchsvoller und abwechslungsreicher als gemeinhin angenommen. Dafür so Sauer, hat „man einen Beruf mit Sinn und hoher Wertschätzung.“  

mk / pso

Die Berufsfeuerwehr Offenbach feiert 2021 ihr 100-jähriges Bestehen. Anlässlich des Jubiläums wird es am 29. Mai unter anderem einen „Tag der offenen Tür“, bei dem auch die Atemschutzübungsanlage für alle Interessierten offen sein wird.

Nachdem in der Leibnitzschule in Offenbach Reizgas „oder ähnliches“ versprüht wurde, müssen 35 Kinder von drei Notärzten untersucht werden.

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