Mehr als reines Hobby

Amateurfunker leisten humanitäre Hilfe

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Sehen. Hören. Staunen. Das Bremer Rundfunkmuseum in Findorff wurde 1978 von funkbegeisterten Sammlern gegründet und ist heute das größte Technikmuseum seiner Art. Einige Exponate (Foto) würden sicher auch die Offenbacher Amateurfunker begeistern.

Offenbach - Seine Anhänger pflegen die Telegrafie und den Sprechfunk. Andere befassen sich mit digitalen Betriebsarten ähnlich dem Internet: Der Amateurfunk steht vielen offen. Und seit 60 Jahren funkt’s auch in Offenbach. Von Harald H. Richter 

Der lokale Ableger des DARC ist somit einer der ältesten Ortsverbände. Wer sich dem Mehrfamilienwohnhaus an der Gaußstraße nähert, kann die private Antennenanlage auf dem Dach kaum übersehen. Mit einer Spannweite von vier mal sieben Metern reckt sich die technische Anordnung zum Abstrahlen und Empfangen elektromagnetischer Wellen etwa vierzehneinhalb Meter gen Himmel. Dort sind Amateurfunker daheim: Christiane Rüthing und ihr Lebensgefährte Carsten Schuchhardt. Sie haben sich diesem Hobby mit Leib und Seele verschrieben. Aber nicht nur ihr beider Nachbar ist die Welt. Der 51-jährige Lizenzinhaber stammt aus Eschwege, ist aber längst im Rhein-Main-Gebiet verortet und leitet seit 2015 den Offenbacher Ortsverband, dem aktuell knapp 30 Funkbegeisterte angehören. Ihm ist die Kennung F 23 zugewiesen, die Clubstation als DL0OF identifizierbar. Dessen Dachorganisation, der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC), zählt bundesweit gut 36.000 Mitglieder in 24 regionalen Distrikten mit mehr als 1000 Ortsverbänden. Nahezu 70.000 Menschen befassen sich in Deutschland mit der Funktechnik. Sie widmen sich nicht nur der technischen und wissenschaftlichen Seite, sondern auch sozialen, bildungs- und entwicklungspolitischen Aufgaben sowie der Völkerverständigung.

Am 21. Februar vor 60 Jahren unter anderem von der 2012 gestorbenen Anny Krämer gegründet, die bereits 1948/49 den DARC mit ins Leben gerufen hatte, steht bei den Offenbachern das Jubiläum an. Sie hoffen, dass langfristig weitere Interessenten zu ihnen stoßen, denn ihr Hobby geht weit über reine Freizeitbeschäftigung hinaus. „Der Amateurfunk in Deutschland ist gewissermaßen Teil des Katastrophenschutzsystems. Aufgrund von Vereinbarungen, die der Dachverband mit fast allen Bundesländern geschlossen hat, leisten Mitglieder humanitäre Hilfe, zum Beispiel bei Erdbeben, Schneekatastrophen und anderen großen Schadensereignissen“, erklärt Schuchhardt, seit 1996 im Besitz der Lizenz.

Christiane Rüthing und Carsten Schuchhardt halten aus ihrem Haus an der Gaußstraße Kontakt in alle Welt.

Es sind Amateurfunker, die mit ihren jederzeit betriebsbereiten Geräten für Verbindungen sorgen, wenn das öffentliche Fernsprechnetz ausgefallen ist, ergänzt Rüthing. Inzwischen Inhaberin zahlreicher Diplome, hat für sie, deren Sohn und Tochter ebenfalls Funklizenzen besitzen, das Hobby nichts an Faszination eingebüßt. Vielmehr eröffnet aus Rüthings Sicht die Kombination aus Funkgerät und Computer in Verbindung mit einer Antenne ganz neue, digitale Möglichkeiten. „Mit wenig Leistung und kleiner Antenne können wir Verbindungen herstellen und mit Menschen weltweit kommunizieren.“ Nicht selten bauen Amateurfunker ausrangierte Reisebusse zu mobilen Stationen um, gehen auf Fahrt, nehmen an Wettbewerben teil. Bei ihren Funkdialogen bleiben Politik und Glaubensfragen außen vor. Dafür erweisen sich die Kontakte in alle Welt als nützlich. „Ist Urlaub in einem fremden Land geplant, gibt es dort Funkkollegen, die einem mit Tipps behilflich sein können“, weiß Schuchhardt.

Mobiles Bezahlen: Die Zukunft ist noch nicht ganz da

„Unser Ortsverein gehört zu den ältesten in Deutschland. Karlheinz Schild war in den Anfangsjahren und danach noch einmal interimsweise Vorsitzender“, so die 50-Jährige, die das Amt drei Jahre lang innehatte und inzwischen Schuchhardts Stellvertreterin ist. Beide lernten sich über den Amateurfunk kennen, waren einst den Eschborner Clubfreunden angeschlossen, da in Offenbach das Vereinsgeschehen weitgehend brach lag. Das hat sich geändert.

Der Verein bemüht sich, das bei jungen Menschen bestehende Technikinteresse aufzugreifen. So erlaubt eine Zulassung mit eigenem, weltweit einmaligem Rufzeichen Schulabgängern eine erste Qualifikation in meist elektrotechnischen Berufen. Die Offenbacher Amateurfunker treffen sich unter anderem mit Enthusiasten aus den umliegenden Ortsverbänden Heusenstamm, Mühlheim, Seligenstadt und Dreieich zum Informations- und Gedankenaustausch. Zudem betreuen sie die auf dem Rathaus installierte Relaisfunkstelle. Es gibt Pläne, sie umzubauen und für künftige Anforderungen fit zu machen. Schuchhardt wertet das als Indiz dafür, welche Bedeutung dem Amateurfunk auch künftig beigemessen wird.

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