Offenbach mal anders

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Anna P. Köhler lenkt mit ihren Fotografien den Blick auf Details des Offenbacher Stadtbilds.

Offenbach (mtk) - Für zwei Wochen kann man seinen Blick einmal in ein anderes Offenbach versenken und dabei Besonderes, Spannendes, Eigenartiges und Lustiges entdecken.

Am Sonntag, 17. September, 17 Uhr, wird die Ausstellung „Main Offenbach“ der Grafikdesignerin, Bloggerin und leidenschaftlichen Fotografin Anna P. Köhler mit einem Grußwort von Oberbürgermeister Horst Schneider in einem Raum des Alten Schlachthofgebäudes eröffnet. 14 Tage lang können Offenbacher und andere Neugierige die Stadt einmal ganz anders, nämlich im Detail, kennenlernen.

Offenbach aus einer anderen Perspektive betrachten

Details, die man beim Vorbeilaufen oft übersieht, die aber gerade das Besondere des Stadtbildes ausmachen und deren wechselvolle Geschichte immer wieder aufs Neue erzählen: Ihnen gilt das besondere Interesse von Anna P. Köhler.

Die Grafikdesignerin, die seit 2007 in der Stadt wohnt und seit zwei Jahren den Blog Main Offenbach betreibt, hatte die negativen Dinge schon zur Genüge gehört, bevor sie aus dem Südkreis Osnabrücks an den Main zog. Dieser einseitigen Perspektive ihrer neuen Wahlheimat wollte sie nicht trauen und machte sich selbst auf den Weg. Auf diesen Streifzügen war ihre Kamera immer dabei – erst aus privatem Interesse, später für ihr Blog und damit nicht mehr nur für sich selbst, sondern für alle, die Offenbach einmal aus einer anderen Perspektive betrachten wollen.

„Mit Wohlwollen und Offenheit im Herzen“

So zeigen ihre kleinformatigen, meist schwarzweißen Detailansichten Modernes und Altes, Hässliches und Schönes, Seriöses und Skurriles, Kunst und Kitsch, Urdeutsches und Fremdes. Vieles ist prominenten Gebäuden entnommen, manches unscheinbaren. Es sind Fotos, die neugierig machen. Köhler über ihre Intention: „Ich möchte die Menschen zum Grübeln und Staunen bringen und hoffe, dass sie vielleicht selbst wieder mit offenen Augen durch ihre Stadt gehen.“

Ausstellung Main Offenbach, 17. September bis 1. Oktober, Alter Schlachthof (Eingang Halle X über den Siegmund-Merzbach-Platz). Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch und Freitag von 16 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Ein besonders intensives Erlebnis verspricht die Lesung der ebenfalls in Offenbach ansässigen Autorin und Texterin Ingrid Walter, die sich am Donnerstag, 29. September, in den Bilderreigen fügt. Um 19.30 Uhr liest sie ihre Geschichte „Ürgüp“ vor, die zwischen Offenbach und Orient zu schweben scheint. In der Kurzgeschichte mit dem fremd klingenden Titel flackert inmitten von Köhlers Fotos eine Erinnerung in einem Menschen auf – märchenhaft fern und realistisch nah zugleich. Es ist ein Zugereister, der sich erinnert und der sein Leben damit verbracht hat, zwei Welten, Orient und Okzident, zusammenzubringen.

Der Text zeigt, dass nicht nur jedes Ding seine Geschichte hat, sondern auch jeder Mensch. Ingrid Walter, die seit ihrer Kindheit in Offenbach lebt, möchte mit „Ürgüp“ den Blick auf das Verborgene lenken. „Man kann durch eine Stadt gehen mit Ärger und Ablehnung oder mit Wohlwollen und Offenheit im Herzen. Je nach Haltung verändert sich auch der Blick – das hat jeder schon im Urlaub erlebt. Aber wer nicht fragt, erfährt nichts, und wer seine Fantasie nicht einsetzt, sieht nichts, was das Leben bunter macht.“

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