Tanz auf dem Vulkan

Wie Fetisch-Club in Offenbach das Gesundheitsamt in Misskredit brachte

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Auch wenn ausreichend Hygieneartikel vorhanden waren: Bei der Stadt verurteilt man die Party in der Hassia-Fabrik als verantwortungslos.

Ein Fetisch-Club in Offenbach hat sich angeblich mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, um eine Swingerparty zu veranstalten.

Offenbach – Es sollte in Anbetracht von Corona nicht die übliche große, sondern nur die kleine Oper sein. Als die Stadt Offenbach Ende der vergangenen Woche bereits das Verbot von Zusammenkünften mit mehr als hundert Personen verhängt hatte, um körperliche Kontakte zu verhindern, standen am 14. März an der Offenbacher Christian-Pleß-Straße noch einmal besondere Körperkontakte im Mittelpunkt. Der in der ehemaligen Hassia-Fabrik beheimatete Fetisch-Club „Grande Opera“ hatte zur „Petite Opera“ gebeten.

Zu diesem Zeitpunkt ein legaler Dreh: Zugelassen wurden nur 99 Personen, die sich auf „Spielmöbeln“ und „Spielwiesen“ miteinander und voreinander auf vielerlei Weise hätten vergnügen können. Laut Einladung waren „Hygieneartikel wie Kondome, Handtücher und Desinfektionsmittel ausreichend vorhanden“.

Stammkundschaft und neue Interessenten an ausgefallener Freizeitgestaltung erfuhren an den Tagen zuvor auf der Opera-Homepage: Die Betreiber hätten sich „nach Absprache mit Gesundheitsamt und Behörden dazu entschieden“, das übliche Angebot aufgrund seines Umfangs abzusagen. „Allerdings werden wir ein Event bis 99 Personen veranstalten“, hieß es. Die Online-Community des Clubs diskutierte diese Einladung sehr kontrovers. Die Organisatoren räumten ein „mega schwieriges Thema“ ein, bei ihnen gehe es aber wie bei anderen Clubs langfristig ums wirtschaftliche Überleben.

Nun rückt der zitierte Hinweis auf angebliche Absprachen mit dem Gesundheitsamt die städtische Behörde in ein fragwürdiges Licht. Eine auch ans Bundesgesundheitsministerium gerichtete Zuschrift interpretiert die Aussage so, dass das Offenbacher Amt den Ringelpiez mit mehr als nur Anfassen ausdrücklich genehmigt habe – weil ja eine Person unter der verordneten Hundertergrenze an- beziehungsweise ausgezogen werden sollte. „Ich bin absolut fassungslos“, schreibt ein Hinweisgeber; bei der Art und Weise des angestrebten Vergnügens reiche doch eine Person aus, um mindestens die Hälfte der Teilnehmer anzustecken.

Fetisch-Club in Offenbach mit „hinreichend Fläche“

Offenbachs Gesundheitsamt scheint allerdings die falsche Adresse für Empörung zu sein, der Tanz auf dem Corona-Vulkan war wohl kein ausdrücklich genehmigter. „Es gab diesbezüglich keinerlei Kontakt zum Gesundheitsamt“, versichert Stadtsprecher Fabian El Cheikh nach Rücksprache mit dem von Dr. Bernhard Bornhofen geleiteten Amt. Hätte es in der vergangenen Woche Gespräche gegeben, wäre dringlich auf die Veranstalter eingewirkt worden. „Es ist völlig verantwortungslos, in einer solchen Situation eine eigene Risikobewertung vorzunehmen“, sagt der Leiter des Amts für Öffentlichkeit. Die Einladung allein sei schon ein Spiel mit der Gesundheit von Menschen.

Die Geschäftsleitung der „Grande Opera“ verteidigt auf Anfrage ihr Vorgehen. Man sei der seinerzeitigen Vorgabe des Gesundheitsamts gefolgt, habe die ursprüngliche Veranstaltung mit bereits 500 angemeldeten Personen abgesagt und „nach Maßgabe der seinerzeitigen Empfehlung“ eine Alternative für einen auf maximal 99 Personen Teilnehmerkreis angeboten. Dieser habe letztlich aus 30 Personen bestanden. Zudem biete die „Grande Opera“ mit 700 Quadratmetern „hinreichend Fläche, um einen engen persönlichen Kontakt und damit eine über das alltägliche Maß hinausgehende Gefährdung für einen derartigen Personenkreis auszuschließen“.

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