Einmal Bewährung, einmal Freispruch

„Hacker-Prozess“: Angeklagte kommen glimpflich davon

Offenbach - Die Beweisaufnahme war aufwändig, mühsam und zog sich über Monate. Das nun gefallene Urteil im sogenannten Hacker-Prozess dürfte jedoch für Unbehagen bei vielen Online-Shoppern sorgen. Von Jenny Bieniek

Das Schöffengericht um Richter Manfred Beck verurteilte den Offenbacher Rudi S. (Name von der Redaktion geändert) nun wegen gewerbsmäßigem Computerbetrug und dem Ausspähen von Daten zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit im hiesigen Waldzoo leisten. Sein Mitangeklagter Daniel J. (Name von der Redaktion geändert) hörte mangels Beweisen einen Freispruch. Dass der dreimonatigen, ausführlichen Beweisaufnahme ein vergleichsweise mildes Urteil folgen würde, war nicht unbedingt abzusehen. Über Monate sollen die Angeklagten J. und S. aus Offenbach mit zuvor gehackten Daten in 125 Fällen Waren im Gesamtwert von mehr als 31.000 Euro im Internet bestellt, an Packstationen im Umkreis geschickt und später weiterverkauft haben. Die Beschuldigten hatten zu den Vorwürfen stets geschwiegen.

Angeklagte zeigten hohe kriminelle Energie

Erst gestern, am letzten Verhandlungstag, ließ Rudi S. - angesicht erdrückender Beweise - über seinen Anwalt verlauten, dass er 49 der beackerten Fälle einräume, dabei jedoch nur „Läufer“ gewesen sei. Die Staatsanwältin beeindruckte das nicht. Für sie ergab sich aus der Gesamtschau der Indizien ein klares Bild: S. und J. hätten gemeinschaftlich gehandelt und seien folglich beide zur Verantwortung zu ziehen. Sie stellte beiden eine hohe kriminelle Energie aus, schließlich sei der Betrug gut organisiert gewesen.

Das Gericht entschied jedoch anders und sprach den Kleinunternehmer J., der in der Vergangenheit bereits wegen Handels mit Betäubungsmitteln in Haft war, wegen mangelnder Beweise frei. Zugute kam J. dabei vermutlich sein Fachwissen: Während die Beamten bei der Durchsuchung der Wohnung von S. zahlreiche belastende Fremddaten, eine Anleitung zum Ausspähen von Webshops, Aktivitäten in Hackerforen, diverse Passwörter sowie bestellte Waren fanden, waren auf dem Rechner von J. nur vollverschlüsselte Dateien sicherzustellen, an die auch die Experten der Polizei nicht herankamen. Weil ein umfangreicher Chatverlauf zwischen S. und einem Nutzer mit Pseudonym „Surfer 99“ auf mindestens einen dritten Beteiligten hindeute und eine Weitergabe der ausgespähten Daten nicht ausgeschlossen werden könne, habe im Fall von J. nur ein Freispruch erfolgen können.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

„Zwar gibt es erhebliche Verdachtsmomente, dass J. hinter ‘Surfer 99’ steckt, aber letztlich keinen Nachweis für diesen dringenden Tatverdacht“, so Beck. Seine Kritik zielt auch in Richtung Webshops, die teils große Sicherheitslücken aufwiesen und nur mangelnde Kontrollmechanismen installierten.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion