In der Innenstadt

Antisemitischer Angriff auf jüdischen Geistlichen: Welle der Solidarität

Rabbi Jüdischer Geistlicher Offenbach
+
Ein jüdischer Geistlicher wurde in Offenbach angegriffen und antisemitisch beschimpft. (Symbolbild)

Ein 46-Jähriger soll in der Innenstadt von Offenbach einen jüdischen Geistlichen beleidigt haben. Zeugen schritten ein. Eine Welle der Empörung und Solidarität folgt. Das Handeln der Zeugen soll nicht die Ausnahme bleiben.

Update vom Dienstag, 05.01.2021, 17.20 Uhr: Nach der antisemitischen Attacke auf den Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz gibt es eine Welle der Solidarität und Empörung. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz lobte die Zivilcourage der Zeugen. Jeder Angriff auf jüdisches Leben sei immer ein Schock für die in Deutschland lebenden Juden, sagte der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel, der Vorstand der Orthodoxen Rabbiner Konferenz ist. Trotz des Anlasses freue es ihn, dass die Bürger Offenbachs Zivilcourage gezeigt hätten und den Angreifer in seine Schranken verwiesen.

Antisemitischer Angriff in Offenbach: Nicht die erste Beleidigung gegen Gurewitz

Für Gurewitz war das nicht der erste antisemitische Angriff. Er wurde öfters beleidigt und angegriffen, meldet die dpa. Auf Facebook sprach er von einer traumatischen Erfahrung. Er sei jedoch überwältigt von den Reaktionen der Anwohner, die einschritten. Mendel Gurewitz spricht von einer „Explosion von Liebe und Unterstützung“.

Nach dem antisemitischen Angriff in Offenbach plant die Polizei ein Gespräch mit dem Rabbiner. Dabei gehe es um die Zeugenaussage, aber auch um Sicherheitsfragen, meldet die dpa unter Berufung auf einen Polizeisprecher.

Nach antisemitischer Attacke in Offenbach: Reaktion der Zeugen soll keine Ausnahme sein

Der Hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker sagte, die Attacke in Offenbach zeige, dass Juden in der Öffentlichkeit ihren Glauben nicht ohne Sorge um die eigene Unversehrtheit offen zeigen können. 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sei das ein schlimmes Zeugnis über den Zustand der Gesellschaft in unserem Land. Aber auch Uwe Becker lobte den Einsatz der Menschen in Offenbach, die sich gegen den Judenhass gestellt haben. Die Reaktion sei ein Zeichen dafür, dass jeder einzelne etwas gegen Antisemitismus machen kann, so Becker. Der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, sprach von einem wichtigen Signal für alle Jüdinnen und Juden in Deutschland, meldet die dpa. Er wünsche sich, dass die Reaktionen keine Ausnahmen mehr bilden, sondern der Regelfall werden. Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf verurteilte den Angriff und betonte, dass wir uns an antisemitische Einstellungen und solche Vorfälle nicht gewöhnen dürften.

In den vergangenen Jahren gab es eine Zunahme antisemitischer und rechtsextremer Angriffe und Hassnachrichten, so ein Sprecher der Europäischen Rabbinerkonferenz. Auch bei den Corona-Demonstrationen seien antisemitische Parolen zu beobachten.

Antisemitischer Angriff in Offenbach: Jüdischer Geistlicher und seine Kinder werden beleidigt

Erstmeldung vom Montag, 04.01.2021, 15.33 Uhr: Offenbach – In der Innenstadt von Offenbach ist es nach Angaben der Polizei am Freitag (01.01.2021) zu einem Angriff auf einen jüdischen Geistlichen gekommen. Demnach hat ein 46-Jähriger den Geistlichen und dessen Kinder antisemitisch beleidigt.

Der Vorfall hat sich gegen 18.15 Uhr in der Bettinastraße in Offenbach ereignet. Der Geistliche war mit seinen Kindern auf dem Weg nach Hause. Mehrere Zeugen verständigten die Polizei, die den 46-Jährigen kurz darauf festnahm. Auch die Beamten soll der wohnsitzlose 46-Jährige beleidigt haben.

Bereits zuvor antisemitische Angriffe in Offenbach

Dem Angreifer wurde festgenommen und Blut abgenommen. Ein Alkoholtest ergab einen Blutalkoholgehalt von 1,3 Promille. Gegen den Angreifer wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet.

Bereits in der Vergangenheit hat es mehrfach antisemitische Pöbeleien in Offenbach* gegeben. In beiden Fällen wurde ebenfalls ein jüdischer Geistlicher beleidigt*. (Marcel Richters, Max Schäfer mit dpa) *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion