Diskussion über Corona-Situation

Angst vor leeren Künstlerkassen in Offenbach

Im Büsingpalais hatten 60 Kreative Gelegenheit, ihre Anliegen vorzubringen.
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Im Büsingpalais hatten 60 Kreative Gelegenheit, ihre Anliegen vorzubringen.

Überall, wo Menschen auf engem Raum zusammenkommen oder gesungen wird, lauert das Risiko einer Infektion. Kulturschaffende gehören daher seit Beginn der Pandemie zu jenen, die besonders zu kämpfen haben.

Offenbach - Wie die Situation sich auf die Arbeit von Künstlern und Kulturvereinen in Offenbach auswirkt, wurde im Büsingpalais erörtert. In der Diskussionsreihe „OB vor Ort“ ermöglichte Felix Schwenke gut 60 Offenbacher Kulturschaffenden einen direkten Austausch mit der Stadt. Drei Dinge seien für die Stadt wichtig, so Schwenke: „Dass Kultur überhaupt noch stattfindet, dass wir die Kulturtreibenden einbeziehen und dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten finanziell helfen können.“ Mit Veranstaltungen wie dem Festival „Parkside im Hof“, bei dem Livemusik und Freiluftkino geboten wurden oder dem „Super-Corona-Popup-Artstore“, bei dem gut 100 lokale Kunstschaffende im Haus der Stadtgeschichte teilgenommen und ausgestellt haben, hat das Offenbacher Kulturleben trotz Corona etwas Fahrt aufgenommen.

Auch der „Kleine Kultursalon“ im Capitol, den Birgit von Hellborn, Geschäftsführerin des Capitols und der Stadthalle, ins Leben gerufen hat, trägt dazu bei. Der „Salon“ erlaubt kleine Vorstellungsformate im Max-Dienemann-Saal unter coronakonformen Bedingungen. Aktuell ist die Fortführung der Veranstaltungsreihe bis Dezember vorgesehen, eine weitere Verlängerung ist abhängig von Sponsoren und Unterstützern, die die täglichen Kosten übernehmen. Der Saal der Stadthalle bleibt vorerst geschlossen: Zu hoch sind hier die laufenden Kosten von Betrieb und Reinigung, die mit einer Auslastung von maximal 250 Personen nicht zu decken sind.

Schwenke: „Natürlich reichen einzelne derartige Angebote nicht aus, um die reichhaltige Kulturszene Offenbachs komplett am Leben halten.“ Bisher habe man zunächst mit Einmalzahlungen an 13 freie Einrichtungen reagiert, die eigene Räume haben, so Schwenke, zudem seien die Bedingungen für die Kulturvereinsförderung erleichtert worden. Darüber hinaus wurde die Spendenkampagne „futureOFculture - Unterstütze Deinen Lieblingskulturort“ ins Leben gerufen.

Dennoch stehen zahlreiche Künstler und Initiativen angesichts fehlender Einnahmen und fortlaufender Kosten nah an der Belastungsgrenze: „Wir stehen vor schwierigen Wintermonaten.“ Wie im September beschlossen, will das Stadtparlament ein neues Konjunktur- und Hilfspaket erarbeitet wissen, in dem auch die Kultur Berücksichtigung finden soll, insbesondere die Förderung von Vereinen

Natürlich ist dem Amt für Kultur- und Sportmanagement daran gelegen, dass es weiter Veranstaltungen gibt. Darum spiegele die kommende Runde der Projektförderung nicht ganz das gewöhnliche Kulturleben wieder, erläutert Britt Baumann, Abteilungsleiterin im Kulturmanagement. So seien entgegen der eigentlichen Richtlinien der Kulturvereinsförderung die Verwendung der Fördergelder für Mieten oder andere laufende Kosten möglich, um das Überleben zu sichern. Eine „wunderbare Neuerung“ sei ein bereits bewilligter Sondertopf in Höhe von 25 000 Euro, aus dem abseits der Vereinsförderung größere Projekte außer der Reihe gefördert werden sollen.

Bei allem, was getan wird – die Not ist groß, noch immer sitzen viele auf dem Trockenen, wie in der anschließenden Fragerunde deutlich wird. Chöre beispielsweise stehen vor einer echten Zerreißprobe, denn vor Singen im geschlossenen Raum wird nach wie vor gewarnt. Wo Chöre Räumlichkeiten finden können, die den Bedingungen angemessen sind, dafür gibt es Ideen, aber noch keine Lösungskonzepte.

Ähnlich verhält es sich mit Vereinen, die ihre Mitgliederversammlungen nicht abhalten können, weil ihre Räume keine coronagerechten Gegebenheiten bieten. Es sind nach wie vor zahlreiche Probleme, mit denen die Kulturschaffenden zu kämpfen haben, wie die Diskussion zeigt. Zur Sprache kommen Themen wie Zuschauerobergrenzen, Undurchsichtigkeit bei der Unterscheidung von privaten und öffentlichen Veranstaltungen, Vorgaben für coronageeignete Konzepte oder der Eindruck, dass bei verschiedenen Veranstaltungen mit unterschiedlichen Maß gemessen werde.

Probleme, die Anstrengung und Durchhaltevermögen von Kulturschaffenden und Politik abverlangen, um der Gefahr entgegenzuwirken, dass eventuell einige unverschuldet auf der Strecke bleiben. Schwenke sichert Unterstützung zu: „Wichtig ist, dass möglichst viele von Ihnen noch dabei sind.“ (Jan Schuba)

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