Mindestens 200 Jahre alter Baum

Arbeiter fällen als Naturdenkmal geschützte Eiche

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Das Eichhörnchen ist auf der Flucht.

Offenbach - Die alte Säuleneiche auf dem Gelände der Kindertagesstätte 3 in der Rödernstraße ist am Dienstag gefällt worden. „Es besteht ein hohes Risiko, dass der Baum auseinanderbricht“, erläutert Nina Merten vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Die Eiche muss gefällt werden.

Pilze wie der Eichenwirrling haben das Innere des als Naturdenkmal geschützten Baumes zersetzt, bilden auf der Rinde Fruchtkörper. Die Säuleneiche (Quercus robur „Fastigiata“) ist, oder vielmehr war, eine der 17 Naturdenkmäler in Offenbach. 1989 wurden die ersten acht nach §28 Bundesnaturschutzgesetz ernannt, 2016 kamen neun weitere dazu. Dass ein solcher Baum gefällt werde, sei ein Novum in der Stadt, berichtet Merten.

Eiche als Herzstück des Kitageländes in Offenbach

Doch Krankheiten und Pilze wie Eichenwirrling und Zunderschwamm setzten dem Baum immer wieder zu. Deshalb wurde die Eiche in den vergangenen Jahren schon immer wieder verkürzt, das letzte Mal um 5 Meter Höhe. Außerdem wurden bereits vor längerem Kronensicherungen verbaut, die den Baum in sich stabilisieren sollten. Genutzt hat dies alles nicht, das zeigt sich auch an den ersten am Boden liegenden Ästen. An der Rinde, nur für das geübte Auge erkennbar, ist das Holz, da wo die Lebensadern des Baumes verlaufen, dunkelbraun und morsch. „Die Gefahr für Kinder durch herunterfallende Äste ist zu groß“, so Merten. 

Die Eiche muss gefällt werden.

Die geschätzt mindestens 200 Jahre alte Eiche – laut Merten könne man das allein an der Dicke des Stammes nicht erkennen – bildete das Herzstück des Kitageländes. 60 Zentimeter des Stammes sollen erhalten bleiben. Ideen, wofür dieser genutzt werden könne, gibt es laut Kitaleiterin Kerstin Neunherz zu genüge, zum Beispiel als Tisch. Ein weiteres Stück liegt im Dreieichpark. Dort soll der Stämmling weiterhin als Lebensraum für Insekten und als Anschauungsobjekt für Umweltbildung dienen. Auf dem Kita-Gelände werden fünf neue Bäume als Ersatz gepflanzt.

Kinder vermissen den Baum

Für Kinder und Erzieher ist die Fällung ein großer Verlust, schließlich spendete der Baum im Sommer Schatten, war Aufenthaltsort und ein echter Hingucker. „Wir sind traurig“ haben die Kinder auf eines der Plakate geschrieben, die noch am Baum hängen, auf einem anderen rufen sie einem der Spechte, die dort Quartier bezogen hatten, „Auf Wiedersehen“ zu.

„Aber die Kinder haben auch verstanden, dass der Baum alt und marode geworden ist“, erklärt Merten. Tags zuvor war sie in den einzelnen Gruppen, hat sich den Fragen der Kinder gestellt, genau erklärt, warum die einstmals prachtvolle Säuleneiche jetzt gefällt werden muss und mit ihnen „gesunder Baum, kranker Baum“ gespielt. Dabei ging es um die Standfestigkeit und die ist bei der Säuleneiche nicht mehr gegeben. (yfi/chw)

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