Sozialbericht

Viele Kinder in Offenbach leben in Armut: Die Stadt ist damit trauriger Spitzenreiter in Hessen

Tristes Kinderzimmer mit Bett und ein wenig Spielzeug auf dem Boden.
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Der Anteil armer Kinder ist in Offenbach hoch

In Offenbach leben viele Kinder in Armut, dies macht der Sozialbericht 2019 deutlich. Die Corona-Krise dürfte positiven Trend zunichte gemacht haben.

  • Sozialbericht 2019 zeigt erfreuliche Tendenz
  • Trotzdem leben in Offenbach viele arme Kinder
  • Die Corona-Krise dürfte die Situation aber wieder verschärft haben

Offenbach – Wie die Finanzen auch das Soziale – Fälle von hätte und wäre: Wäre die Pandemie nicht dazwischen gekommen, hätte sich die Stadt Offenbach erfreulichen Entwicklungen gegenüber gesehen. So aber ist, wie in der Jahresrechnung für 2019, auch der Sozialbericht 2019 eine positive Momentaufnahme, die kein Versprechen für die Zukunft halten kann.

Berichtet wird über den Sachstand zum Ende des vergangenen Jahres und über die Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren. Bis dahin haben sich die Daten günstig verändert. Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) freut sich über deutlich rückläufige Zahlen bei den Leistungsberechtigten im Jobcenter. Allerdings habe Offenbach in Hessen noch einen vergleichsweise hohen Problemdruck bei Arbeitslosigkeit und Armut, schränkt sie ein. Durch Corona sei damit zu rechnen, dass die Zahlen von Menschen, die auf Sozialleistungen der Stadt angewiesen seien, wieder anstiegen.

Ende 2019 lebten 139 .849 Menschen in Offenbach, das sind 1,1 Prozent mehr als am Vorjahresende. Der Ausländeranteil ist weiter auf 39,2 Prozent gestiegen.

Sozialbericht 2019 für Offenbach: Arbeitslosenquote von 8,2 Prozent

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Offenbach als Wohnort stieg von September 2018 bis 2019 um 3,7 Prozent auf 568.054. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote von 8,9 auf 8,2 Prozent.

Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Sozialgesetzbuch II gingen die Zahlen trotz des Bevölkerungswachstums erneut deutlich zurück – stärker als in den übrigen hessischen Großstädten.

Offenbach: Hoher Anteil von Familien mit Kindern unter Hilfsempfängern

Ende 2019 wurden in Offenbach 6914 Bedarfsgemeinschaften mit 15.209 Personen gezählt. Die Quote, die den Anteil aller Leistungsberechtigten an der Bevölkerung unter 65 misst, lag mit 12,9 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit Einführung des Sozialgesetzbuchs II im Jahr 2005. Besonders ausgeprägt war der Rückgang bei den nichtdeutschen Leistungsberechtigten. Die Zahl von Kindern und Jugendlichen, deren Lebensunterhalt ganz oder teilweise durch solche Leistungen abgesichert wird, ist um 382 Personen auf 5855 gesunken. Ihr Anteil an der Altersgruppe ist in Offenbach, wo es mit 43,6 Prozent einen gegenüber dem Durchschnitt Hessens (38,6 Prozent) besonders hohen Anteil von Familien mit Kindern unter den Hilfsempfängern gibt, aber nach wie vor hoch: 23,5 Prozent der rund 20.750 unter 15 Jahre alten Kinder sind im SGB-II-Bezug.

Der Anteil der sogenannten „Ergänzer“, also derjenigen, die Leistungen aus dem SGB II ergänzend zu einem Erwerbseinkommen beziehen, liegt bei 28,1 Prozent aller Leistungsberechtigten. Überdurchschnittlich hoch sind die Quoten in den Innenstadt-Bezirken Mathildenschule, Wilhelmschule und Hochschule für Gestaltung.

Sozialbericht 2019 für Offenbach

Zugenommen haben die Zahlen bei Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit – 3873 Personen in 3.599 Bedarfsgemeinschaften. Bei der Wohnungs- und Obdachlosigkeit hat sich gegenüber dem Vorjahr der Bedarf an Unterkünften erhöht. Im Monatsdurchschnitt wurden 550 Leistungsberechtigte aus allen Bereichen vorübergehend in Notunterkünften untergebracht. Der Sozialbericht 2019 für Offenbach: www.offenbach.de/sozialbericht (tk)

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