„Historischer Tag“ für Waldhof

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Wintereinbruch am Tag der Grundsteinlegung für die Waldhofer Zweigstelle der Schule Bieber: Die Kinder trotzen tapfer den Schneemassen und der Kälte.

Waldhof - Neuschnee in Massen bedeckt die Baustelle. Unablässig schüttet Frau Holle weiteren von oben nach. Dicht drängen sich die Kinder der Grundschule Waldhof zusammen und sehen selbst aus wie kleine Schneemänner. Gesungen wird trotzdem – und tapfer durchgehalten. Von Veronika Szeherova

Erlebt Waldhof doch gestern einen „historischen Tag“. Nicht wegen des Wintereinbruchs mitten im März, sondern weil der Grundstein gelegt wird für den Neubau der Zweigstelle Waldhof der Schule Bieber. Nicht nur Schüler und Bürger des Ortsteils, auch Vertreter der Stadtpolitik sind dafür zur Baustelle an der Ottersfuhrstraße gekommen – darunter Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider, Schuldezernent Felix Schwenke und der Stadtverordnete Gerhard Länder.

Mit einem Grundsatzbeschluss von 2007 haben die Stadtverordneten die „Grundsanierung, Modernisierung sowie Erweiterungen und Neubauten an Offenbacher Schulen für einen zeitgemäßen, ganztägigen Betrieb unter Berücksichtigung ökologischer Standards“ mit einem Kostenaufwand von damals 250 Millionen Euro beschlossen. Für den Grundschul-Neubau in Waldhof werden 6,9 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Schwenke, von 1985 bis 1989 selbst Grundschüler in Waldhof, spricht von einem für ihn „historischen Tag“. „Die Schule mit den Gärten wird superschön!“ Er werde sich für den Bau der Turnhalle einsetzen, gehöre dem Förderverein an. Dessen Mitglieder sowie Vertreter des Arbeitskreises Waldhof tragen bunte Schilder. „Danke! Jetzt ist der Bau der Turnhalle dran!“, steht darauf als klarer Appell an die Politiker.

Schulleiter Klaus-Peter Ehlert, Felix Schwenke, OB Horst Schneider und Thomas Schindler ( EEG, von links) füllen die Zeitkapsel.

Schulleiter Klaus-Peter Ehlert freut sich über „eine Schule, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts genügt“. Selbst die momentane Übergangslösung – die 190 Kinder werden in Containern unterrichtet – sei besser als das marode frühere Gebäude. „Wir können ein warmes Mittagessen anbieten.“ Im Neubau soll es eine Cafeteria geben, womit sich der Wunsch vieler Schüler erfüllt. Sie wird mit einem angeschlossenen Freizeitbereich den Ganztagsbetrieb an der Zweigstelle unterstützen.

Die Bewohner des Ortsteils empfanden es als Ewigkeit, bis sich in der 1977 eröffneten Dependance der Schule Bieber endlich was tut. Lehrer, Eltern und Schüler durchlebten ein Jahrzehnte andauerndes Provisorium in beengten Verhältnissen. Der Gebäudekomplex bestand aus drei eingeschossigen Pavillons, einem zweigeschossigen Erweiterungsbau und einem Verbindungsgang aus den Jahren 1977 bis 1987. Alle waren stark beschädigt, doch jahrelang schob die Stadt die notwendigen Arbeiten auf. Mit dem städtischen Grundsatzbeschluss zog Waldhof das große Los: Da eine Sanierung nicht wirtschaftlich war, wurde der komplette Neubau beschlossen. Am 24. Februar vergangenen Jahres war Baubeginn.

Das künftige Gebäude entspricht dem Passivhausstandard und wird damit hohen energetischen und technischen Anforderungen gerecht. Im zweistöckigen Kopfbau entstehen Fachräume für Musik-, Kunst- und Computerunterricht. Acht Klassenzimmer sollen künftig in einem Flachbau untergebracht sein – jedes mit Zugang zu einem Garten. Ende 2013 soll der Bau abgeschlossen sein. Die Schule ist durch die erdgeschossige Anordnung der Klassenräume behindertengerecht. Ein Aufzug führt ins Obergeschoss.

Bei Grundsteinlegung gestern lässt OB Schneider eine Zeitkapsel in die Bodenplatte ein, gefüllt mit Tageszeitungen und Schuldokumenten. Der Schnee fällt immer noch erbarmungslos, also beeilt er sich beim Zumauern. Die Anwesenden danken es ihm. Bleibt zu hoffen, dass Frau Holle sich bei den restlichen Bauarbeiten zurückhält...

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