Nächtlicher Protz-Terror

Autoposer am Mainufer in Offenbach rauben Anwohnern den letzten Nerv

Laut hupend und ohne Rücksicht: Ein Anwohner dokumentierte per Video, wie die jungen Angeber nächtliche Runden auf dem Mainparkplatz drehen.
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Laut hupend und ohne Rücksicht: Ein Anwohner dokumentierte per Video, wie die jungen Angeber nächtliche Runden auf dem Mainparkplatz drehen.

Seit Monaten leiden die Anwohner am Mainufer in Offenbach unter dem Lärm der Autoposer. Die Polizei plant weitere Schritte.

Offenbach - Dröhnende Motoren, quietschende Bremsen, voll aufgedrehte Musik aus Lautsprecherboxen, Hupkonzerte: Der Parkplatz am Mainufer verwandelt sich seit Monaten zum nächtlichen Treffpunkt junger Menschen mit dicken Autos.

Darunter leiden die Anwohner von Mainpark und Mainstraße, von denen einer der Redaktion seine Beobachtungen schildert: „Fast jeden Abend rollt eine Karawane von übermotorisierten und aufgemotzten Autos an, und dann wird gedriftet, geposed und gezeigt, was die Karosse so hergibt. Parkabsichten hat da keiner, hier geht es um Gehabe und Getue, zulasten der Umwelt und der Anwohner.“ Im Korso gehe es auch auf die Mainstraße, wo sie noch mal richtig aufdrehen.

Die Polizei, so berichtet er, sei häufig anwesend und sorge für ein Ende des Geschehens – doch der Erfolg sei nur kurzfristig, und es beginne bald von vorn. „Im Sommer wurde der Parkplatz mehrfach von der Polizei komplett geräumt, fünf Streifenwagen waren im Einsatz“, erinnert er sich. „Im Korso fuhren dann 30, 40 Fahrzeuge hupend vom Platz und die Fahrer zeigten den Mittelfinger.“

Autoposer in Offenbach: Immer wieder Beschwerden - Bis zu 400 Euro Bußgeld

Viele Nachbarn hätten mittlerweile wegen des Protz-Terrors dort Angst, ordnungsgemäß zu parken, und seien mit den Nerven am Ende. „So kann es nicht weitergehen.“

Dem pflichtet Lothar Haack, Leiter der Offenbacher Stadtpolizei, bei. „Wir haben in den letzten Monaten vermehrt Beschwerden von Anwohnern zu Autoposern, und sie sind völlig berechtigt.“ Deshalb seien seine Mitarbeiter auch schon mehrfach tätig geworden – zuletzt mit zwei größeren nächtlichen Aktionen vergangene Woche. „Am Mittwoch haben wir drei, am Samstag fünf Verstöße zur Anzeige gebracht.“ Missachtet wurden sowohl die Straßenverkehrsordnung als auch die Corona-Regeln. „Da kommen locker 300, 400 Euro Bußgeld pro Fahrer zusammen“, so Haack. Die Betroffenen hätten sich „verhältnismäßig einsichtig“ gezeigt.

Das Problem von Kontrollaktionen dieser Art: Einfach mit einem Streifenwagen aufzutauchen, führt nicht zum gewünschten Erfolg. „Die haben Leute, die den Damm absichern und ein Zeichen geben, sobald sie die Polizei erblicken.“ Dann halten die Fahrer an und tun so, als würden sie dort nur parken – und die Ordnungshüter haben wenig Handhabe. Deshalb müssen Zivilstreifen eingesetzt werden.

Corona-Kontrollen: Einsatzkräfte in Offenbach müssen im Nachtdienst Prioritäten setzen

„Zivile Einsätze sind gefährlicher für unsere Kräfte“, betont der Leiter der Stadtpolizei, „und bedürfen einer intensivere Planung“. Sie seien personalintensiver und aufwendiger. „Zudem haben aktuell die Corona-Kontrollen- Priorität.“ Beides gleichzeitig sei in einem Nachtdienst nicht zu leisten. Wobei sich beides bei den Aktionen vergangene Woche überschnitt. „Es kamen Gruppen von bis zu zehn Personen ohne Maske und Abstand zusammen, um zu ,chillen‘, wie sie es ausdrücken“, berichtet Haack.

Es handelt sich um lose, unorganisierte, heterogene Gruppen 18- bis 25-Jähriger, die sich auf diese Weise die Zeit vertreiben. „Langeweile spielt da sicher eine Rolle.“ So toben sie sich in gut motorisierten, häufig gemieteten Wagen, als Autoposer aus. Entgegen dem Empfinden der Anwohner liefern sie sich laut Haack aber keine Rennen. „Zumindest haben wir so was bisher nicht festgestellt.“

Jede Woche mehrfach zu kontrollieren sei wegen der genannten Schwierigkeiten weder der Stadt- noch der Landespolizei möglich, die ihre Kräfte ebenfalls immer wieder zur Verfügung stellt. Doch es gibt weitere Überlegungen, wie dem Treiben Einhalt zu gebieten wäre –zum Beispiel baulich. Etwa, indem das Gelände mit Pollern oder Bremsschwellen versehen wird. Oder durch Sperrung einer der beiden Zufahrten zum Parkplatz. „Wenn es nur noch von einer Seite rein geht, verursacht das ein Gefühl von einer Falle“, erläutert Haack. So könnten Streifenwagen einen Zugang versperren, durch einen anderen könnten die Poser nicht mehr einfach verschwinden. „Das beeindruckt dann schon viel mehr.“

Die Anwohner hoffen auf eine baldige Lösung, schlagen Blitzer auf der Mainstraße in beide Richtungen vor. „Sonst ist das hier Messeparkplatz, Flohmarkt, Rummelplatz, alles kein Problem. Aber das ist nicht mehr auszuhalten.“ Der Stadtpolizei-Chef verspricht: „Wir bleiben dran.“ (Von Veronika Schade)

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