Wasserqualität soll besser werden

Baden im Schultheisweiher ist in diesem Sommer tabu

Der Schultheisweiher ist hier mit einer spiegelglatten Oberfläche zu sehen. Das wird dieses Jahr so bleiben, da der See für Badegäste gesperrt wird.
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Der Schultheisweiher ist hier mit einer spiegelglatten Oberfläche zu sehen. Das wird dieses Jahr so bleiben, da der See für Badegäste gesperrt wird.

Die Katze ist aus dem Sack: In diesem Sommer bleibt der Schultheisweiher für alle Schwimmer gesperrt. Eine neue Phosphat-Eliminationsanlage soll Wasserqualität verbessern

Offenbach - In einer Presseinformation der Stadt versteckt sich gestern der entscheidende Satz: „Im Sommer 2020 wird kein Badebetrieb stattfinden.“ Was zur Gesundung des Problemsees im Mainbogen beitragen sollte, wird die breite Öffentlichkeit wenig amüsieren, die die ehemalige Kiesgrube an Sommertagen gern zur temporären Abkühlung nutzt.

Das Verbot ist allein auf den Badebetrieb im Schultheis beschränkt. „Die Nutzung, als Naherholungsgebiet für Spaziergänge, Sonnenanbeter, Kinder und Radfahrer bleibt hiervon aber unberührt“, heißt es gestern aus dem Rathaus. Das Badeverbot dient dazu, einen Stadtverordneten-Beschluss vom vergangenen Herbst umzusetzen. Für bis zu 600 000 Euro („überschlägige Kostenschätzung“) soll eine Anlage zur externen Phosphat-Elimination am Schultheisweiher aufgestellt werden.

Offenbach: Baden im Schultheisweiher wird diesen Sommer verboten

Von einem Badeverbot über den Sommer 2020 ist in der Magistrats-Vorlage allerdings nicht die Rede. Ein solches ist nach Auskunft der Verwaltung erforderlich, „damit die umfangreichen Maßnahmen zielgenau angegangen und möglichst schnell und ungestört umgesetzt werden können“. Ziel des Nicht-Badesommers 2020: „Der Magistrat will auch in Zukunft den Badebetrieb am Schultheisweiher möglich machen.“

Das Gewässer stellt die Protagonisten bekanntlich vor immer neue Herausforderungen. Da war zunächst eine Blaualgenplage, es folgte ein massenhaftes Fisch- und Pflanzensterben, dann sorgten Rote Amerikanische Sumpfkrebse für Schlagzeilen. Jetzt verlangen die beiden heißen Sommer 2018/19 eine neue Herangehensweise: Diesmal soll der Weiher dank einer Phosphat-Eliminationsanlage gesunden. Heißt: 2019 lag der Phosphatgehalt im Schultheis auf einem gegenüber dem Vorjahr unverändert hohem Niveau.

Offenbach: Kein Schwimmen im Schultheisweiher

Das Phosphat führt regelmäßig zu einer Massenentwicklung von Cyanobakterien. Abbauprozesse wiederum entziehen dem See den Sauerstoff, was zum Fischsterben führt. Durch Witterungseinflüsse, Klimaveränderungen und sinkende Grundwasserpegel ist das Ökosystem stark beeinträchtigt. Es findet eine kontinuierliche Anreicherung und Freisetzung von Phosphat im See statt.

Um „effektiv und zeitnah“ eine Phosphatreduzierung im See zu erreichen, erfolgt die technische Vorbereitung für die Aufstellung der externen Phosphat-Eliminationsanlage. Am Ufer installiert, soll sie die Qualität des Gewässers verbessern und dauerhaft stabilisieren. Gleichzeitig wird an fünf neuen Messstellen das Grundwasser beobachtet, um den Eintrag von Phosphor aus der Umgebung (der vor allem durch Landwirtschaft und Kleingärten geprägt ist) besser beurteilen zu können. Schilfinseln am Badestrand und im Uferbereich sollen die Sichtbeziehungen der Gänse bei der Futteraufnahme beeinträchtigen mit dem Ziel, „die Anzahl der Gänse am Badestrand und damit den Kot zu reduzieren. Gänse und ihr Nachwuchs mögen es nicht, wenn sie den freien Blick aufs Wasser nicht haben“.

Offenbach: Müll im See kommt weg

Durch die Überwachung der Sumpfkrebse ist aufgefallen, das sich im Schultheis auch noch Graskarpfen befinden. Diese werden mit den Anglern gemeinsam abgefischt. Außerdem soll am Seegrund liegender Müll durch Taucher aufgesammelt werden. „Damit haben sich alle Beteiligten ein großes Pensum für das Jahr 2020 gesetzt. Planungsprozesse, unerwartete Herausforderungen und die praktische Realisierung sind zu meistern“, blickt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach voraus.

Ob’s was bringt, zeigt sich erst im Laufe der Zeit. Die Problemlage an dem Gewässer ohne natürlichen Zufluss ist vielschichtig. Nicht zu beeinflussen, ist etwa das fatale Absinken des Grundwasserspiegels binnen zwei Jahren. „Wir haben teilweise einen bis zu 70 Zentimeter schwankenden Seewasserspiegel innerhalb von wenigen Monaten“, zeigt Hollerbach die Dimensionen auf.

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