Corona in Offenbach

Barbiere in der Corona-Falle: Kunden bleiben weg, es gibt keine Hilfe

Gastronomen erhalten vom Staat Verdienstausfall, weil sie schließen müssen. Barbiere dürfen zwar öffnen, aber keine Bärte mehr schneiden. So auch der Offenbacher Herrenfriseur und Barbier.

  • Ein Herrenfriseur in Offenbach beschwert sich über Corona-Regeln für Barbiere.
  • Barbiere dürfen während der Pandemie öffnen, jedoch keine Bärte schneiden.
  • Offenbacher Barbiere haben Angst vor der Zeit nach dem Lockdown.

Offenbach – Frisuren machen ist erlaubt, Bärte schneiden verboten. Die Lockdown-Regeln treffen vor allem eine Berufsgruppe besonders hart: Herrenfrisöre, die sich auf Bärte spezialisiert haben. Davon gibt es allein in Rhein-Main an die 50 Läden, in denen sich Männer vor der Krise meist im Zwei-Wochen-Rhythmus den Bart haben schneiden lassen. Doch genau das ist verboten, seit die Infektionszahlen hochgeschnellt sind. Denn das Masketragen beim Frisör ist unabdingbare Pflicht. Doch einen Bart mit aufgesetztem Mund-Nasenschutz zu schneiden, ist schlichtweg nicht möglich.

Friseur und Barbier Kostja Epp darf nur noch die Haare am Kopf schneiden. Den Bart des Kunden zu schneiden, ist wegen der Mundschutzpflicht unmöglich. 

Die Folge: Die Barbiere dürfen zwar weiterhin geöffnet haben und Kopfhaar schneiden. Doch Bärte sind tabu. „Dabei ist genau das unser Hauptgeschäft“, erklärt Kostja Epp. Der Offenbacher ist Inhaber des FriseurladensKostjanix“ und des Barber-ShopsBLCKBRD“, wo er seit Jahren Männern das Gesichtshaar stutzt. „Dazu kommt, dass sich Männer seit der Krise viel seltener die Haare schneiden lassen“, sagt Epp. Das liege vor allem daran, dass man abends nicht mehr weggehen könne. „Wer abends zuhause bleibt, der lässt sich, wenn überhaupt, dann eben nur noch einmal im Monat die Haare scheiden, anstatt wie vor dem Lockdown alle zwei Wochen.“

Corona in Offenbach: Barbiere stark von der Krise betroffen

Epp kritisiert die Corona-Regeln deshalb scharf: „Faktisch beraubt die Verordnung uns unserer Möglichkeit zu arbeiten. Da wir aber offiziell öffnen dürfen, haben wir keinen Anspruch auf staatliche Hilfen, wie die Gastronomen.“

Dass unter der aktuellen Situation die gesamte Barbier-Riege ächzt, weiß Martin Morras-Ganskow. Der Offenbacher ist mit seinem Kompagnon Martin Kroll Inhaber des Männerkosmetik-Unternehmens „GØLD’s“ mit Sitz in der Hassia-Fabrik. Von dort aus beliefern sie Barber-Shops in ganz Deutschland und haben so einen Überblick über die Lage. „Und die ist wirklich dramatisch“, sagt Morras-Ganskow. „Die Barbiere haben durch diese unlogische Regelung nur noch einen Bruchteil ihres nötigen Umsatzes bei gleichbleibenden Kosten.“ Viele Unternehmer wüssten deshalb noch nicht, wie sie diesen Lockdown wirtschaftlich überstehen sollen. Morras-Ganskow stellt klar: „Barbiere gehören zu den ganz großen Verlierern dieses Lockdowns und sind ein Opfer der Regeln, die in diesem Fall nicht wirklich durchdacht sind.“ (Christian Reinartz)

Rubriklistenbild: © Christian Reinartz/nh

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