Offenbach baut dem Wohnungsmangel vor

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Die Computeranimation zeigt Häuser im geplanten neuen Offenbacher Wohnviertel „An den Eichen“. Die Stadt hat ein Konzept erarbeitet, um einem künftigen Wohnungsmangel vorzubeugen.

Offenbach ‐ Offenbach will einem Wohnungsmangel, wie er bundesweit für die nächsten Jahrzehnte erwartet wird, vorbeugen. Kürzlich wurde dazu ein Grundlagen- und Positionspapier erarbeitet und im Ausschuss Umwelt, Planen, Bauen der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Von Achim Lederle

Hintergrund sind Warnungen von Bau- und Immobilienwirtschaft sowie Mieterbund und Baugewerkschaft vor einer katastrophalen Wohnungslücke in Deutschland. Ohne aktives Eingreifen der Politik mit gezielten Steuer-Anreizen und gesicherter Investitionsförderung über die KfW-Bank werde sich bis 2025 eine Wohnungsbaulücke von 360 000 Wohnungen pro Jahr aufbauen, erklärten die Verbände kürzlich. Davon gingen 160 000 auf nicht sanierungsfähige Wohnungen zurück. Eine solche Entwicklung hätte soziale Spannungen zur Folge und beträfe unter anderem Hessen und hier vor allem das Rhein-Main-Gebiet, wie es hieß.

Drei Viertel aller deutschen Regionen seien von dieser Lücke bedroht, und vor allem Geringverdiener hätten künftig Schwierigkeiten, adäquaten Wohnraum zu finden. „Das Aufeinandertreffen von fehlenden Wohnungen, steigenden Mieten und geringen Einkommen bedroht die wirtschaftliche Existenz der kommenden Rentnergeneration und die der jungen Erwachsenen besonders dramatisch“, erklärten die Verbände auf Basis der vorgelegten Studie der Prognos AG. Diese Gruppen seien die Verlierer bei wachsendem Trend zu Einpersonen-Haushalten.

Wenn nichts getan wird, werden wir in 20 Jahren die Katastrophe haben, nämlich dass wir viel zu wenig Wohnungen haben, dass wir dann eine Verelendung kriegen“, sagte der Chef der Gewerkschaft IG Bau, Klaus Wiesehügel.

Die Offenbacher Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon sieht die Situation für die Lederstadt gelassener: „Eine Verknappung von Wohnraum ist für Offenbach nicht feststellbar.“ Gleichwohl müsse gehandelt werden. „Wir dürfen Fehler aus den 70er-Jahren nicht wiederholen und müssen vor allem die Wohnsituation von sozial schwachen Familien verbessern“, erläuterte Simon. Helfen soll das neue Positionspapier der Stadt.

Profil als Standort soll geschärft werden

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"Wohnungspolitische Leitlinien"

Grundfragestellung in den 28-seitigen Konzept mit dem Titel „Wohnungspolitische Leitlinien“ ist, wie eine bewusste Entscheidung für den Wohnstandort Offenbach erreicht werden kann. Die Situation heute sei geprägt von einem Wanderungssaldo, der im regionalen Vergleich verbesserungsfähig sei, einem schlechten Image der Innenstadt mit hoher Fluktuation und einem Sanierungsstau im Wohnungsbestand. Wie es heißt, wäre es wünschenswert, das Profil Offenbachs als Wohnstandort zu schärfen, zum Beispiel als „coole Kreativstadt für Individualisten“ oder „Stadt der kurzen Wege“. Zudem sei wünschenswert, die Sozialstruktur zu verbessern. Das Konzept prognostiziert bis 2020 noch geringe Zuwächse bei der Offenbacher Einwohnerzahl. „Eine größere Anzahl der Sterbefälle kann durch Zuzüge kompensiert werden, ab 2020 stagniert die Einwohnerzahl und wird rückläufig.“ Erwartet wird, dass durch die Alterung der geburtenreichen Jahrgänge und niedrige Geburtenraten die Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte weiter zunimmt. Auf dieser Basis wird ein Neubau-Bedarf von mindestens 2 900 Wohneinheiten mit 54 000 Quadratmetern Wohnfläche und ein Bedarf von mindestens 250 000 Quadratmetern Wohnfläche durch Umstrukturierung und ergänzenden Neubau erwartet. Der Bedarf an Wohnungen soll vor allem durch Innenentwicklung gedeckt werden, das heißt um ausreichend Freiflächen zu erhalten, sollen vor allem Baulücken und Brachen bebaut und bestehende Wohnungen umgestaltet werden.

Steigendem Anteil älterer Menschen Rechnung tragen

Bei den neuen Wohnungen ist laut Konzept vor allem wichtig, dass sie altersgerecht saniert werden, um dem steigenden Anteil an älteren Menschen in der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Zudem müsse ausreichend preiswerter, qualitätsvoller Wohnraum für Geringverdiener geschaffen wird. Sozialdezernentin Simon erläutert: „Wir müssen den Wohnraum sozial gestalten und Ghettoisierungen vorbeugen.“

Ein Musterbeispiel für die künftige Stadtentwicklung könnte neben dem „Mainviertel“, für das am Montag der erste Investor vorgestellt wurde (wir berichteten), das Wohnviertel „An den Eichen“ am östlichen Stadtrand sein. „Hier wurde ein städtebauliches Gesamtkonzept entwickelt, das unter der Zielsetzung ‚Entwicklung eines attraktiven Wohngebiets vor allem für junge Familien‘ die Schaffung eines Charakters einer neuen Gartenstadt als zentralen Gedanken verfolgt“, so die Stadt Offenbach. Die Stadtwerke Offenbach Holding entwickelt und vermarktet das Baugebiet.

Birgit Simon ist optimistisch: „Wir wollen hochwertigen und gleichzeitig preisgünstigen Wohnraum schaffen.“ Die wohnungspolitischen Leitlinien seien dabei ein wichtiges Grundgerüst, mit dem die Stadt dafür sorgen könne, dass die Prognos-Vorhersagen für Offenbach nicht Realität werden.

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