Bebauungsplan Siemensstraße

Verstaubte Akten: Bebauungsplan für die Siemensstraße wird aufgehoben

Eine Wohnbebauung scheiterte 2012 an den Emissionen der umliegenden Betriebe: das ehemalige Tack-Gelände an der Siemensstraße. 
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Eine Wohnbebauung scheiterte 2012 an den Emissionen der umliegenden Betriebe: das ehemalige Tack-Gelände an der Siemensstraße. 

Acht Jahre nachdem klar war, dass es mit der Bebauung auf dem Areal der Schuhfirma Tack in Offenbach nichts wird, soll nun der dazugehörige Bebauungsplan aufgehoben werden.

  • Bebauungsplan in Offenbach wird in Stadtverordnetenversammlung besprochen
  • Ergebnis gilt als sicher
  • Geplanter Wohnungsbau muss gewerblicher Nutzung weichen
Offenbach - „Beim Bebauungsplan Nr. 633 ist die ursprüngliche planerische Intention überholt und die Regelung der städtebaulichen Ordnung nicht mehr notwendig“, heißt es in einer Magistratsvorlage, die morgen auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung steht und deren Durchwinken als sicher gilt. Die politische Diskussion seit dem Jahr 2012 habe ein klares Bekenntnis zu einer gewerblichen Nutzung ergeben, was sich auch im Masterplan abbilde. Mittlerweile sei das Quartier teilweise gewerblich genutzt.

Stadtentwicklung in Offenbach: Gewerbliche Nutzung statt Wohnbau

Dabei waren die 3,4 Hektar östlich der Siemensstraße einst Kristallisationspunkt eines Richtungsstreits in Sachen Stadtentwicklung. Gewerbe oder Wohnungsbau lautete die Frage, die der damalige Oberbürgermeister Horst Schneider und die ihn tragende Koalition aus SPD, Grünen und FDP angesichts des schon sich abzeichnenden Siedlungsdrucks eindeutig beantworteten: Auf 1,5 Hektar, dem alten Tack-Gelände, sollten gemäß des Bebauungsplans rund 70 preiswerte Eigenheime in energiesparender Bauweise mit den erforderlichen Stellplätzen und Garagen entstehen.

Dazu sollten auch die erforderlichen internen Erschließungsstraßen und Wege, ein zentraler begrünter Gemeinschaftsplatz sowie ein kleines Blockheizkraftwerk für die gemeinsame Energieversorgung realisiert werden.

Stadtentwicklung in Offenbach: Geruchsgutachten stoppte den Bau

Für den Rest stellte man sich die Ansiedlung von „nicht störendem Gewerbe“ vor. Dem stand die Position von CDU und IHK gegenüber: Für sie führte kein Weg an der weiteren Ausweisung von Gewerbeflächen auch an dieser Stelle vorbei.

Die bereits 2009 angeleierten Pläne des Investors Deutsche Reihenhaus AG waren schon weit gediehen, Siedlungsbeschränkungen aufgrund von Flug- und S-Bahn-Lärm ausgeräumt, als im Juli 2012 ein Geruchsgutachten das Vorhaben stoppte. Die durch die geplante Wohnbebauung hervorgerufenen Konflikte mit der gewerblichen Bestandsnutzung, besonders im Südosten des Gebiets, seien planerisch nicht zu bewältigen, lautet die Kernaussage, der Expertise, welche vom Bauträger selbst in Auftrag gegeben worden war. Konkret ging es um die Emissionen von Müllsortierhalle und Wertstoffhof des angrenzenden ESO sowie von vier Lackierereien, die den künftigen Bewohnern nicht zuzumuten waren.

Stadtentwicklung in Offenbach: Plan wird nach acht Jahren aufgegeben

Im städtischen Bauamt betonte man seinerzeit, die Belastung liege in der Summe über den Grenzwerten, wobei nicht die tatsächliche Emission maßgeblich sei, sondern das, was den Betrieben genehmigt wurde. Der Bebauungsplan wurde aufgrund des Gutachtens ausgesetzt.

Die Stadt verabschiedete sich aber nicht ganz von ihren Wohnbau-Vorstellungen an der Siemensstraße: Künftige Änderungen seien möglich, beispielsweise nach einer Verlagerung von Mercedes-Benz oder des ESO-Betriebshofs, lautete damals die Hoffnung. Die erfüllte sich mit Blick auf Mercedes zwar zum Teil, rettete aber nicht mehr die Wohnbau-Pläne.

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