Respekt vor privaten Flächen

Beeren-Pflücken auf Stadtgrund nun legal

Erstmals seit Jahrzehnten können die Offenbacher zur Brombeerzeit ganz legal aus den Vollen schöpfen und sich an Sträuchern auf öffentlichem Grund bedienen. -  Foto: p
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Erstmals seit Jahrzehnten können die Offenbacher zur Brombeerzeit ganz legal aus den Vollen schöpfen und sich an Sträuchern auf öffentlichem Grund bedienen.

Offenbach - Jetzt beginnt die bis in den Oktober andauernde Brombeerzeit. Und erstmals seit Jahrzehnten dürfen die Offenbacher die auf öffentlichem Grund wachsenden Früchte völlig legal ernten.  Davor war das verboten und sogar mit Bußgeld bedroht.

Unsere Zeitung hatte wiederholt die absurde Regelung aus den 80er Jahren angeprangert, die streng genommen ja bedeutete, dass die Beeren lieber am Strauch verfaulen sollten als zu Marmelade verarbeitet zu werden. Auslöser für die Kritik war vor Jahren ein Einschreiten von Stadtpolizisten gegen eine Rumpenheimerin, die mit ihren Kindern Brombeeren erntete.

Inzwischen hatte die Politik ein Einsehen und änderte den entsprechenden Passus in der Gefahrenabwehrverordnung. Nun dürfen auch in der Stadt Offenbach am Main Früchte wie Äpfel, Brombeeren oder Waln��sse von Bäumen und Sträuchern auf öffentlichen Anlagen in „haushaltsüblich verwertbaren“ Mengen gesammelt und gegessen werden. Damit entspricht die Neuregelung der Regelung im Bundesnaturschutzgesetz. Diese erlaubt es jedem, auf Flächen, die betreten werden dürfen, wild wachsende Früchte, Pflanzen und Pilze für den persönlichen Bedarf zu sammeln.

Privatgrundstücke sind tabu

Einschränkungen gibt es aber trotzdem, wie das Umweltamt vorsorglich zu beginn der Brombeersaison betont: Nicht jedes Grundstück, das sich leicht betreten lässt, ist auch wirklich öffentlicher Grund. Die Verordnung gestattet das Sammeln von Früchten, die an Pflanzen in öffentlichen Anlagen wachsen. Das sind Straßen und Straßenböschungen, Wege, Parks und Spielplätze, wenn diese sich nicht im Privatbesitz befinden.

Verboten ist es hingegen, Früchte von Bäumen und Sträuchern zu pflücken, die auf privatem Grund und Boden wachsen. Das ist nur den jeweiligen Grundstückseigentümern erlaubt. Auch außerhalb des Siedlungsgebiets dürfen wild wachsende Pflanzen, Früchte und Pilze nur dann im Körbchen landen, wenn sie nicht auf privaten Flächen wie Gärten und Streuobstwiesen oder auch landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen wie Äckern wachsen.

Rechtliche Konsequenzen

Umweltamtschefin Heike Hollerbach macht auf rechtliche Konsequenzen aufmerksam: „Wenn keine Erlaubnis vorliegt, ist das Sammeln und Verzehren von Früchten wie auch von Pflanzen auf Privatgrundstücken Diebstahl. Das kann als Straftat sogar mit einer Geldstrafe geahndet werden.“ Bereits der Versuch ist strafbar.

Für die Natur ist es wichtig, dass beim Sammeln grundsätzlich die Bäume und Sträucher und ihre Umgebung keinen Schaden nehmen. „Sammeln Sie herabgefallene Früchte daher vorsichtig ein oder pflücken Sie die Früchte schonend ab, sodass keine Äste oder Zweige von Gehölze abbrechen und auch Gräser und Sträucher im Umkreis durch wiederholtes Umherlaufen so beschädigt werden, dass sie eingehen“, ergänzt Hollerbach. Wer dem nicht folgt, kann eine Ordnungswidrigkeit begehen.

Im „Erlensteg von Bieber“ im Süden und im „Rumpenheimer und Bürgeler Mainbogen“ im Norden des Stadtgebiets dürfen Früchte nur an den Rändern der Wege gesammelt werden. Denn bei beidem handelt es sich um Naturschutzgebiete, die außerhalb der Wege nicht betreten werden und in denen Pflanzen nicht beschädigt oder entfernt werden dürfen.

Während der Brutzeit zwischen dem 1. März und dem 30. September sollten die Offenbacher darauf achten, Vögel und andere Tiere nicht zu stören. Rütteln an Bäumen sowie das Erklettern oder Abschlagen von hoch hängenden Früchten mit Stangen kann das Gelege von Vögeln zerstören, Jungvögel schwer verletzen und die Elterntiere massiv beunruhigen. (tk)

Wer Himbeeren gepflückt hat und diese länger frisch halten will, kann sie einfrieren. Das sollten sie dabei jedoch unbedingt beachten.

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