Neue Konzepte der Bewässerung

Trockenheit bedroht Offenbachs Grün – Hilft Main-Wasser statt Trinkwasser?

Bewässerung mit gemischten Gefühlen: Der Stadtservice gießt vor allem frisch gepflanzte Bäume und – wie hier Stadtgärtnerin Alexandra Thomas – die insektenfreundlichen Stauden im Büsingpark.
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Bewässerung mit gemischten Gefühlen: Der Stadtservice gießt vor allem frisch gepflanzte Bäume und – wie hier Stadtgärtnerin Alexandra Thomas – die insektenfreundlichen Stauden im Büsingpark.

Die Stadt Offenbach muss ihre Bäume aufwendig gießen lassen. Angesichts der Wasserknappheit keine leichte Aufgabe. Eine neue Strategie ist gefordert. Doch mit Blick auf den Main zögern die Verantwortlichen.

Offenbach - Es ist ein Konflikt, der mit den bislang zur Verfügung stehenden Mitteln kaum zu lösen ist: Hier die Notwendigkeit, nach Feuchtigkeit lechzendes Grün zu bewässern, dort das Gebot, Wasser zu sparen. Der Appell, der vor einigen Wochen schon an die Offenbacher erging, klingt zunächst vernünftig: „Die Gärtner des Stadtservices gießen tapfer gegen die Trockenheit an. Doch vor allem die mehr als 20 000 Bäume im Stadtgebiet können nicht alle mit Wassergaben aus dem Schlauch versorgt werden“, hieß es. Deshalb wurden Anwohner aufgerufen, „die vor der Haustür stehenden Bäumen mit regelmäßigen Wassergaben zu unterstützen“.

Dem stehen die Warnungen der vergangenen Tage gegenüber, wonach angesichts akuter Wasserknappheit etwa im Taunus mit dem kostbaren Nass grundsätzlich sparsam umgegangen werden soll.

Peter Schneider, Ex-Bürgermeister und Vorsitzender der Verbandsversammlung des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO), ist als Grünen-Politiker des fehlenden Einsatzes für Bäume zwar eher unverdächtig. Sein Standpunkt ist aber klar: „Gießen ist nur ein kurzfristiger Notbehelf. Die Verwendung von teuer aufbereitetem Grundwasser zur Bewässerung ist auf Dauer keine angemessene Lösung.“ Es gelte für Kommunen, nachhaltige Strategien zu entwickeln. Dazu gehören für ihn Brauch- und Regenwasser-Nutzungskonzepte mit Zisternen und Regenrückhaltebecken ebenso wie die Entsiegelung von Flächen.

Offenbach: Trinkwasser für die Bäume soll keine Dauerlösung sein

Plakativstes Offenbacher Beispiel für die Problemlage ist der Schlosspark Rumpenheim: In der historischen Grünanlage mussten, wie mehrfach berichtet, rund 450 von etwa 1500 Bäumen gefällt werden. Die meisten litten in Folge der trockenen Sommer der vergangenen Jahre unter der Rußrindenkrankheit. Die Stadt arbeitet derzeit an einem Gehölzentwicklungskonzept, wobei in einem ersten Schritt im Herbst rund 120 Bäume nachgepflanzt werden sollen. Um diese regelmäßig mit Wasser versorgen zu können, ist eine Wasserringleitung unter dem Hauptwegenetz geplant. Diese wird rund 1000 Meter lang sein und hat mindestens elf Wasserentnahmestellen in Form von Unterflurhydranten. Mitarbeiter des Stadtservice sollen dort Wasser zum Gießen der Bäume entnehmen können. Die Kosten des Vorhabens werden auf rund 150 000 Euro geschätzt.

Bislang war vorgesehen, zur Bewässerung der Bäume Trinkwasser zu verwenden. Bei der Frage, ob die Stadt zu diesem Zweck einen Wasseranschluss beim ZWO beantragt hat, hält sich Peter Schneider bedeckt. Er verweist lediglich auf die grundsätzliche Gefahr eines Domino-Effekts: „Wir können Kommunen nicht erlauben, Grün dauerhaft mit Trinkwasser zu gießen.“ Die Zwischenlösung liegt für Schneider im Falle des Rumpenheimer Schlosspark buchstäbliche nahe: Er schlägt vor, für die Parkanlage Mainwasser zu nutzen. Das Wasser des Flusses sei seines Wissens in der Vergangenheit regelmäßig zur Bewässrung städtischen Grüns genutzt worden.

Offenbach: Bei der Bewässerung des städtischen Grüns beginnt ein Umdenken

Tatsächlich beginnt bei den Planern im Rathaus und beim für die Bewässerung zuständigen Stadtservice offenbar ein Umdenken einzusetzen: Man prüfe derzeit, ob zur Bewässerung des Schlossparks Mainwasser verwendet werden kann, heißt es auf Nachfrage im Stadtplanungsamt. „Der Stadtservice gießt im Moment nicht mit Mainwasser“, bestätigt Stadtservice-Sprecherin Sigrid Aldehoff mit. Grundsätzlich beschäftigte man sich aber intensiv mit der Frage, woher man in Zukunft angesichts zunehmender Trockenheit und wachsender Bevölkerung das Wasser für das Gießen der Pflanzen beziehen könne. Dafür gebe es mehrere Optionen, wie etwa Zisternen sowie der Einsatz von Brauch-, Oberflächenwasser und Mainwasser.

Eine dafür gegründete interne Arbeitsgruppe denke über eine kurzfristig zu realisierende Lösung nach. Mainwasser sei dabei nur eine Option, der Stadtservice besitze dafür auch schon eine begrenzte Genehmigung. Voraussetzung für eine perspektivische Lösung wäre laut Aldehoff neben der behördlichen Genehmigung der Bau eine Wasserentnahmestelle, zu der die Tankwagen dann immer wieder durch das Stadtgebiet pendeln könnten. Zudem müsse die Qualität des Mainwassers sichergestellt sein. (Von Matthias Dahmer)

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