Ex-Amtsgerichtspräsident Uhl beigesetzt

„Er war ein Kümmerer“

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Dem Sarg von Wilhelm Uhl folgten auf dem Bieberer Friedhof Pfarrer Metzger, Hinterbliebene und Trauergäste.

Offenbach - Groß war der Andrang derer, die Wilhelm Uhl die letzte Ehre erwiesen. Auf dem Friedhof Bieber wurde gestern der ehemalige Präsident des Amtsgerichts beigesetzt. Viele fanden keinen Sitzplatz mehr in der Trauerhalle. Von Markus Terharn 

Im „Trauer-, Gedenk- und Dankgottesdienst“ bezeichnete Pfarrer Georg Friedrich Metzger den Verstorbenen als „prägende, gestandene, engagierte Persönlichkeit in unserer Stadt Offenbach“. An die Angehörigen gerichtet sagte er: „Sterben gehört zum Leben. Und dennoch ist es ein Schritt, der uns sehr schwer fällt.“ Da bleibe ein Platz leer.

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Der Seelsorger der Friedenskirchengemeinde erinnerte an Uhls Stationen: Geboren am 4. Juli 1936 in Groß-Umstadt, gestorben am 3. März 2014 in Frankfurt, im Alter von 77 Jahren, nach kurzer Krankheit. 1961 Hochzeit mit Gattin Heide, fast 53 Jahre verheiratet also. 1965 Geburt von Sohn Christian, Japanologe und Sinologe im belgischen Gent. 1969 Geburt von Tochter Katja, Juristin in Offenbach. Drei Enkel. Eigentlich wollte Uhl ja in Australien Schafe hüten, berichtete Metzger. Dann habe er doch in Frankfurt Rechtswissenschaften studiert, 1965 das zweite juristische Staatsexamen abgelegt, sei ab 1970 Richter am Amtsgericht Offenbach gewesen, zuletzt bis 2001 dessen Präsident.

„Für das, was er als Recht erkannt hatte, setzte er sich ein“, urteilte Metzger. Nannte Teilnahmen an Demonstrationen als junger Mann, den Richterberuf sowie Uhls zahlreiche Ehrenämter. Und kam damit auf das zu sprechen, was dessen Gesicht einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht hatte. Hatte Uhl sich doch bereits in aktiven Jahren – und erst recht im Unruhestand – unermüdlich für andere eingebracht. Als Ombudsmann für Hartz-IV-Empfänger war er einer der ersten in Deutschland; als Vorsitzender führte er nacheinander die Volkshochschule, die Arbeiterwohlfahrt und den von ihm mitbegründeten Förderverein Sicheres Offenbach. Alle diese Institutionen waren im Gottesdienst repräsentiert. Ebenso die Fluglärmgegner, zu denen Uhl sich zählte.

„Er war ein echter Kümmerer“, fasste der Pfarrer zusammen. „Dabei ging es ihm stets vordergründig um den Menschen.“ Viel Freizeit sei Uhl da nicht geblieben, außer für Reisen mit seiner frankophilen Gattin, so in die Bretagne. „Aber nach zwei Wochen fehlten ihm seine Akten...“

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Ausführlich ging der Geistliche, der den Verstorbenen nach eigenen Worten recht gut kennengelernt hatte, auf dessen Verdienste um den Evangelischen Kirchengemeindeverband ein. Als dieser 2002 jemanden suchte, der bereit war, unentgeltlich den Vorsitz zu übernehmen, habe Uhl zugesagt. Und plötzlich in der Verantwortung gestanden für 280 Mitarbeiter, vorwiegend im Sozialen tätig, 750 Kinder in zwölf Kitas, Bewohner des Alten- und Pflegeheims Anni-Emmerling-Haus, Patienten der Diakoniestation, Sekretärinnen, Kirchenmusiker und Hausmeister. Auch um die Finanzen habe er sich gekümmert. „Dafür bin ich ihm ausgesprochen dankbar“, würdigte Metzger den gläubigen Protestanten. Uhl habe für alle sichtbar gemacht: „Kirche und Diakonie sind nicht zu trennen.“

„Wir haben einen Menschen für die Menschen dieser Stadt verloren“, schloss Metzger. Völlig zu Recht habe Offenbach Wilhelm Uhl mit der Bürgermedaille geehrt. Stadtgesellschaft und Lokalprominenz gaben dem Toten danach das Geleit zur letzten irdischen Ruhestätte.

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