Nachfolger gefunden

Bekanntes Restaurant mit langer Tradition bleibt Offenbach erhalten

Ngo Tan Dung ist seit über 25 Jahren eine Institution in Sachen vietnamesischer Küche und Gastkultur in Offenbach. 
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Ngo Tan Dung ist seit über 25 Jahren eine Institution in Sachen vietnamesischer Küche und Gastkultur in Offenbach.

Es ist weit über die Grenzen von Offenbach bekannt. Ein vietnamesisches Restaurant mit über 25-jähriger Tradition. Jetzt wechselt es den Besitzer.

Offenbach – Weit über die Stadtgrenze von Offenbach hinaus ist ein Restaurant in der Bieberer Straße bekannt, das authentische vietnamesische Küche anbietet. Das Tri Am. „Geschwisterseele“ lautet die deutsche Übersetzung, sagt Betreiber Ngo Tan Dung. Mit seiner Frau Kim hat er vor über 25 Jahren das Restaurant eröffnet. Rasch mauserte es sich zum Geheimtipp, seit Jahren ist es ein wahres Glanzlicht im kulinarischen Offenbach.

Offenbach: Traditionslokal Tri Am bekommt neuen Betreiber – Karte bleibt erhalten

Zum Jahresbeginn steht eine Veränderung an, das Tri Am erhält einen neuen Betreiber. Doch in den Ruhestand wird sich Familie Tan Dung vorerst nicht verabschieden: Das Ehepaar wird dem neuen Betreiber als Berater zur Seite stehen.

„Mir war es wichtig, jemanden zu finden, der das Restaurant in unserem Sinne weiterführt“, sagt Ngo Tan Dung. Das bedeutet: Die Karte mit den landestypischen Spezialitäten bleibt erhalten, auch die besondere Atmosphäre des Ortes in Offenbach.

Denn das Tri Am ist weit mehr als eine Gaststätte, Tan Dungs Leidenschaft für Literatur und Kunst ist überall spürbar. Wo sonst bekommt man schon gebratenen Tintenfisch mit Ananas und dazu ein Gedicht von Goethe oder Tucholsky? Oder bekommt bei der Rechnungsübergabe noch gezeigt, wie mit dem Pinsel Kalligraphie entsteht? Für den ausgebildeten Bildhauer und Grafiker Tan Dung gehört dies zum Konzept, zur Philosophie des Hauses dazu. „Kalligraphie wird es hier auch weiterhin geben“, sagt er und lächelt.

Tri Am in Offenbach: Restaurant bleibt unter neuem Betreiber bestehen

Schon seit einiger Zeit haben er und seine Frau nach einem Nachfolger gesucht. „Ich bin nun 70 Jahre alt geworden, also eigentlich schon lange im Rentenalter“, sagt er. In einem 40-jährigen vietnamesischen Gastronomen haben beide einen geeigneten Nachfolger gefunden. „Natürlich hätten wir auch alles verkaufen können, und hier hätte ein chinesisches oder koreanisches Lokal eröffnen können – aber ich wollte Bleibendes schaffen: Ich möchte, dass unser Restaurant bestehen bleibt.“

Veränderungen, das betont Tan Dung, seien per se nicht schlecht. „Aber die Qualität muss erhalten bleiben“, sagt er, und das sei bei Wirtewechseln in der Vergangenheit schon oft gescheitert. „Natürlich wird es kleine Veränderungen geben, der neue Betreiber soll sich und seine Ideen einbringen – aber unsere Philosophie wird erhalten bleiben. Unsere Stammgäste sollen sich weiterhin bei uns wohl fühlen.“

Offenbach: Tri Am hat Stammgäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet

Diese Stammgäste aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet sind es, die das Restaurant so erfolgreich machen – und durch den Wandel, den die Bieberer Straße in Offenbach in den vergangenen 25 Jahren durchlebt hat, ist das Tri Am auf sie angewiesen. „Als wir hier eröffnet haben, gab es noch das Bieberhaus, dazu verschiedene Lokale – jetzt sind nur wir noch übrig“, sagt er. Da es kaum Laufkundschaft gebe, seien die Stammgäste für den Erfolg des Hauses entscheidend.

Daher sei es wichtig, die Tradition des Hauses zu wahren, auch, was die Küche anbelangt. „Die Menschen in Vietnam haben eine Vorliebe für frische Kräuter, das muss sich auch in unserer Küche wiederfinden.“ Man müsse sich stets bemühen, in der Nähe der Authentizität der traditionellen Küche zu kommen, ist sein Credo. „Und das geht nur, wenn man es auch selbst verkörpert. Und Gäste hat, die daran interessiert sind. Und die haben wir in Offenbach.“

Tri Am in Offenbach: Wilhelmsplatz als Juwel mannigfaltiger Gastronomie

In Offenbach werden er und seine Frau weiterhin wohnen, auch, um dem neuen Betreiber hilfreich zur Seite zu stehen. Die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt, sagt er. „Sie hat sich sehr positiv verändert, der Wilhelmsplatz ist mit den Jahren zu einem echten Juwel mit mannigfaltiger Gastronomie geworden.“ 

Die Restaurants in Offenbach müssten sich nicht vor den Frankfurter Kollegen verstecken. „Früher ist das vielleicht einmal anders gewesen, aber inzwischen muss man für kulinarische Erlebnisse unsere Stadt nicht mehr verlassen.“

Überhaupt sei ihm Offenbach zur zweiten Heimat geworden, wie ihm auch die deutsche Kultur ans Herz gewachsen ist. Seit er 1968 nach Deutschland zum Kunststudium kam, hat er sich eingehend mit Sprache, Kunst, Literatur und Lyrik befasst. „Ich kann von mir sagen, dass ich ein glücklicher Mensch bin, der mehr als nur ein Heimatland gefunden und lieben gelernt hat.“

VON FRANK SOMMER

Nach langem Warten hat auch ein anderes Restaurant aus Offenbach nun endlich wieder geöffnet. Und hier kann jeder in die Küche schauen. Für das Lokal Stars Lounge im alten Schlachthof in Offenbach ist derweil endgültig Schluss. Zum Abschied gab es nochmal Ärger um seltsam gelagerten Müll, wie op-online.de berichtet*. 

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