Klimawandel in Offenbach: Wind- und wetterfest

+
Offenbach nach der Überschwemmung. Markus Eichberger und Hans-Joachim Bier-Kruse vor dem Großprojekt Deichausbau.

Offenbach - Anfang August hat der Deutsche Städtetag eine Liste mit Maßnahmen vorgestellt, die Städte und Gemeinden angesichts des Klimawandels ergreifen sollten. Das Gremium weist auf die Gefahren von Starkregen, Hitzewellen und anderen klimabedingten Wetterveränderungen hin. Von Alla Kopytova

Das 15-seitige Positionspapier empfiehlt unterschiedliche Maßnahmen wie Kaltluftschneisen, mehr Grünachsen und Freiflächen oder auch eine verbesserte Klimatisierung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem sollen sogenannte Trinkpaten ältere oder kranke Menschen bei starken Hitzewellen mit genügend Flüssigkeit versorgen.

In Offenbach sieht man sich gewappnet: Die meisten Vorschläge seien bereits realisiert, sagt Markus Eichberger, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtentwicklung und Städtebau. „Wir bemühen uns schon seit Jahren bei neuen Bauprojekten, aber auch bei alten Gebäuden energieeffizient und nachhaltig zu planen.“

So sind das Schulsanierungsprogramm und die Neubauten auf dem alten Manroland-Gelände bereits auf kältere Winter und heißere Sommer ausgerichtet. Starken Regenfällen und den damit verbundenen Überschwemmungen soll die Deichsanierung, die ab 2014 geplant ist, Einhalt gebieten. Ebenfalls werde schon immer darauf geachtet, dass Kaltschneisen erhalten bleiben und die Luft- und Kältezirkulation durch genügend Grünflächen gegeben ist. Ein Beispiel dafür: das Gründach auf dem KOMM-Gebäude.

Viel Nachholbedarf bei älteren Gebäuden

Darüber hinaus gilt vor allem das „Innen- vor Außenentwicklung“-Prinzip: Man möchte vor allem Altbauten sanieren, statt neu zu bebauen. Zwar habe die Stadtplanung in den nächsten Jahren noch einiges vor, etwa die Bebauung des Hafens, jedoch gebe es bei älteren Gebäuden noch viel Nachholbedarf.

Hans-Joachim Bier-Kruse, stellvertretender Amts- und Bereichsleiter der Verkehrsplanung und Stadtgestaltung, sieht das Positionspapier kritisch: „Wir sind schon viel weiter als das, was vom Städtetag verlangt wird. Teilweise sind die Forderungen zweischneidig: Man soll Busse und Bahnen besser klimatisieren, würde aber den CO2-Ausstoß damit stärker fördern.“ Die Forderungen sind für ihn eher ein Ausdruck von Hilflosigkeit und zeigten, dass man keine Lösung für den Klimawandel habe, sondern nur nachträglich versuche, Schäden zu reparieren.

Um effizient und vor allem nachhaltig planen und bauen zu können, fehle das Geld. Bund und Länder hätten bisher keine Boni für den Mehraufwand bei Verwendung klimafreundlichen Baumaterials vorgesehen. So müssten die Kommunen noch alles selbst bezahlen. Dennoch wolle man weitere Projekte umsetzen. Dazu soll demnächst ein Masterplan vorgelegt werden, der den Klimawandel bei der Stadtplanung noch stärker berücksichtigt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare