Menschen werden am Samstag erwartet

Unterkünfte in Turnhallen für bis zu 1000 Flüchtlinge eingerichtet

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Ein Bild von den Vorbereitungen an der Anne-Frank-Schule.

Offenbach - Die Stadt bereitet sich seit Freitag auf die Aufnahme von etwa 1000 Flüchtlingen vor. Die ersten werden am Samstagmittag erwartet. Ihr erstes Quartier beziehen sie in den Turnhallen von Anne-Frank- und Edith-Stein-Schule sowie in der Halle des Berufsschulzentrums am Buchhügel. Von Matthias Dahmer

Eine entsprechende Anweisung des Landes Hessen erreichte die Stadt am Donnerstagnachmittag. Geprüft wurden sämtliche Sporthallen in Offenbach. Ausgewählt wurden die drei Schulstandorte im Süden, „da sich diese am besten eignen“, kurzfristig die notwendige Infrastruktur für möglichst viele Asylsuchende aufzubauen, heißt es. Eine Grundvoraussetzung ist die Bereitstellung von Sanitärräumen einschließlich Duschen. Insgesamt können an den drei Standorten zwischen 500 und 550 Menschen versorgt und betreut werden. Um zu verhindern, dass weitere Schulhallen belegt werden müssen, arbeitet der Katastrophenschutz daran, so schnell wie möglich eine zur Verfügung stehende private Gewerbehalle im Kaiserlei zu ertüchtigen.

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Dort sollen ab Mitte nächster Woche alle 1000 Menschen untergebracht werden. Ziel: Auch die Flüchtlinge, die vorübergehend in Schulhallen versorgt werden, ziehen dorthin um. Die drei Schulen sowie die betroffenen Vereine wurden bereits vorab von der Stadt über die Maßnahme unterrichtet. Ein weiteres Schreiben, das über die Auswirkungen der Unterbringung informiert, erhalten Eltern, Lehrpersonal und Vereinsvorstände im Lauf der nächsten Tage. Über Details zur Flüchtlingsaufnahme informiert die Stadt am kommenden Dienstag, 22. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle. Zu dieser Veranstaltung ist besonders die unmittelbare Nachbarschaft der drei Schulstandorte eingeladen. Die ausgewählten Notunterkünfte, die als Ausweichquartiere für die überlastete Hessische Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen dienen, werden seit Freitag in einer Gemeinschaftsaktion von Feuerwehr und Hilfsorganisationen eingerichtet. Dazu zählen das Aufstellen von Feldbetten, der Aufbau einer Stromversorgung sowie das Einrichten von Lager- und Aufenthaltsräumen.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

Unterstützung erhält die Feuerwehr Offenbach, die derzeit mit zwei Katastrophenzügen Amtshilfe in Frankfurt leistet, durch Einsatzkräfte aus der Region: Der Odenwaldkreis schickt einen Betreuungszug sowie eine Transportgruppe des Sanitätszugs, ein weiterer Betreuungszug kommt aus dem Hochtaunuskreis. Außerdem sollen am Samstagmorgen 100 Soldaten der Bundeswehr eintreffen, um die Kräfte in Offenbach zu unterstützen. Die Turnhallen werden mit Zäunen eingefriedet und erhalten einen Sichtschutz, um den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Die Hallen stehen somit bis auf weiteres weder für den Schulsport noch als Trainingsstätte für die Sportvereine der Stadt zur Verfügung.

Vereine sind informiert, Training fällt vorerst aus „Wir wissen, dass wir damit der Offenbacher Bevölkerung viel Solidarität abverlangen“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. „Auch wir sind über die Notwendigkeit, auf Turnhallen zurückgreifen zu müssen, alles andere als glücklich. Deshalb wird mit Hochdruck an der Ertüchtigung der Fabrikhalle gearbeitet, damit das Land nicht mehr die Turnhallen in Anspruch nehmen muss.“ Bislang war die Stadt davon ausgegangen, maximal 400 bis 500 Asylsuchende im Auftrag des Landes aufnehmen zu müssen.

Bilder: Einblicke in Unterkunft für Flüchtlinge in Neu-Isenburg

Den vorläufigen Betrieb der Notunterkünfte übernimmt bis zu einer noch nicht terminierten Übergabe an das Land die Stadt als Untere Katastrophenschutzbehörde. Ab Ankunft der Flüchtlinge stehen Ärzte sowie Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen bereit. Ein Caterer wird die Versorgung mit Essen und Getränken übernehmen. Hygienematerial, Babynahrung, Medikamente, Decken und ähnliche Dinge des alltäglichen Bedarfs stellt der Katastrophenschutz zur Verfügung. Wann die Asylsuchenden in den Notunterkünften eintreffen, war bis Redaktionsschluss gestern Abend unklar. Solange mit dem Land nicht abgeklärt ist, welcher Bedarf besteht, werden weiter keine Sachspenden aus der Bevölkerung entgegengenommen. Die Stadt hält die Öffentlichkeit diesbezüglich auf dem Laufenden. Gesucht werden dagegen Menschen, die über besondere Sprachkenntnisse verfügen.

Neben Englisch und Französisch besteht ein Bedarf an Personen, die folgende Sprachen beherrschen: Arabisch (inklusive syrischer und irakischer Dialekt), Paschtu, Urdu, Farsi und Kurdisch. Wer sich zutraut, zeitweise als Übersetzer tätig zu sein, wendet sich ans Bürgertelefon der Stadt (069/840004375) ist Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr besetzt.

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