„Musik ist das Elixier“

Berry Blue über Jazz, Rock, die Kunst des Arrangements und das Ledermuseum

Das Berry Blue Quartett hat seinen traditionellen Neujahrsjazz dieses Jahr vom Ledermuseum ins Restaurant Trattodino verlegt.
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Das Berry Blue Quartett hat seinen traditionellen Neujahrsjazz dieses Jahr vom Ledermuseum ins Restaurant Trattodino verlegt.

Seit Jahrzehnten ist Siegfried Bäuerle-Keßler auf den Musikbühnen in und um Offenbach unterwegs. Dem Publikum ist der ehemalige Apotheker mit dem weißen Haar und der sanften Stimme besser unter einem anderen Namen bekannt: Berry Blue.

Offenbach - „Als ich mit 17 aus dem schwäbischen Ellwangen ins Rhein-Main-Gebiet kam, war es die Zeit des Rock’n’Roll“, erinnert er sich. „Alle hatten Spitznamen, und ich sah eben aus wie Chuck Berry. “ Seitdem trage er den Namen Berry. Sogar sein Sohn Julian Keßler, der in der Berry Blue Band Gitarre spielt, nenne ihn so.

Zum mittlerweile 16. Mal hat das musikalische Vater-Sohn-Gespann mit Christoph Aupperle am E-Piano und Jan Beiling am Saxophon zum „Neujahrsjazz“ geladen – einem Matinée-Konzert mit Song-Klassikern von Benny Goodman bis zu den Comedian Harmonists. Wie auch in den Jahren zuvor sind gestern wieder zahlreiche Jazz-Fans erschienen, um der Band zu lauschen.

Stellte in der jüngeren Vergangenheit das Deutsche Ledermuseum einen Raum zur Verfügung, musizierte man diesmal im Restaurant Trattodino an der Taunusstraße. Dahinter stecke aber nicht etwa ein Zerwürfnis mit Museums-Chefin Inez Florschütz, erklärt Berry Blue. „Es gibt keine schmutzige Wäsche zu waschen.“ Es habe Probleme bezüglich des Veranstaltungsplans im Ledermuseum gegeben. „Frau Florschütz hat uns gefragt, ob wir nicht lieber abends auftreten wollen, aber da habe ich gesagt: Das ist nicht der Charakter dieser Jazz-Veranstaltung, die muss morgens oder mittags sein.“ Nach einiger Diskussion beschloss Berry Blue schließlich, in diesem Jahr im Trattodino aufzutreten. „Das hat auch Vorteile – zum Beispiel muss ich keine Saalmiete zahlen“, schmunzelt er.

Auch, was die Größe des Publikums betrifft, muss er im Trattodino kaum Abstriche machen. „Zu Jazz-Konzerten kommen nicht so viele Leute wie zum Rock’n’Roll beim Oldie-Club“, sagt der Sänger und betont. „Ich kenne und schätze deren Musik, ich habe das ja jahrelang selbst gemacht.“

In den 70ern war Berry Blue Schlagzeuger der Offenbacher Rock-Formation „Schall & Rauch“. Bis er sich dem Jazz zuwandte. „Mir war die Rockmusik irgendwann einfach zu laut.“

Seitdem folgt er seine Leidenschaft für feine Blues- und Swing-Töne, gibt pro Jahr gut 50 Konzerte – und denkt auch mit über 70 nicht ans Aufhören. „Musik ist das Elixier“, sagt er und lächelt. Was ihm am Jazz so gefällt? „Die Möglichkeit, an den Arrangements zu feilen“, verrät er. Gerade in der Zusammenarbeit mit Berufsmusikern mache es besonders Spaß, die Stellschrauben der Instrumentierung so zu nutzen, dass ein altes Stück in neuem Glanz erstrahlt. Feinsinnig und komplex, und nicht so wuchtig wie in der Rockmusik.

Auch Ideen für neue Projekte hat „der singende Apotheker“, wie ihn unsere Zeitung früher gerne betitelte. Er habe noch Dias aus allen Phasen seiner Musikerkarriere. Bilder voll Offenbacher Stadtgeschichte. Die möchte er gerne teilen – vielleicht in Form eines Büchleins.

Infos im Internet auf berryblue.de.

VON MARIAN MEIDEL

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