Bau des Besucherzentrums im Wetterpark

„Nichts Überdimensioniertes“

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Der Bau des Besucherzentrums im Wetterpark schreitet voran. Die Verantwortlichen erhoffen sich von dem 1,25 Millionen Euro kostenden Projekt eine Magnetwirkung über die Grenzen Offenbachs hinaus. Doch auch kritische Stimmen werden laut. Eine Mischung zwischen Haus und Forschungscontainer ist das zukünftige Besucherzentrum im Wetterpark auf dem Buchhügel.

Offenbach - Die Bodenplatte ist gelegt, erste Konstruktionen stehen. Das Besucherzentrum im Wetterpark nimmt langsam Gestalt an – eine ungewohnte Mischung zwischen typischem Haus und Forschungscontainer. Von Veronika Schade

Der Park soll sich damit zu einem Magneten entwickeln, Schulklassen und Besucher aus Nah und Fern in die Wetterstadt Offenbach locken, um Klima- und Wetterphänomene anschaulich zu erklären.

„Ursprünglich war ein solcher Bau nicht vorgesehen“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Dass es doch dazu kommt, sei dem beachtlichen Erfolg des Parks zu verdanken. Allein im vergangenen Jahr hätten ihn 30.000 Menschen besucht, mehr als 4400 davon nahmen an Führungen teil. Ein Gebäude, in dem unabhängig von der Witterung Veranstaltungen stattfinden und in dem Besucher eine Anlaufstelle finden, habe bisher gefehlt. „Der Buchhügel mit Kleingärten, Kinder- und Jugendfarm und Wetterpark ist ein stadtnahes Naherholungsgebiet, das mit dem Besucherzentrum noch attraktiver wird“, ist sich Schneider sicher.

Nicht jeder teilt seine Begeisterung. Zum offiziellen Pressetermin ist als stiller Protestler CDU-Stadtverordneter Michael Weiland erschienen. Er hat sich ein Plakat umgehängt: „Schulbausanierung hat Vorrang!“ Seine Kritik: Sanierung von Mathilden- und Fröbelschule sowie Turnhallenbau der Grundschule Bieber-Waldhof seien längst nicht gesichert; stattdessen gebe die Stadt Geld für „Luxusprojekte“ aus. „Man sollte unterscheiden zwischen dem Wünschenswerten und dem Notwendigen. Die Bildung muss Priorität haben“, so Weiland. Er stelle falsche Zusammenhänge her, kommentiert der OB.

Mit 935.000 Euro kommt die Stadt aus dem Volumen zur Umgestaltung des Buchhügels auf – Bauherrin ist die stadteigene Projektentwicklungs-Gesellschaft OPG. Weitere 320.000 Euro fließen aus den Töpfen des Regionalparks Rhein-Main, davon stammen 100.000 Euro vom Land. 60.000 Euro steuert Fraport bei. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen somit bei zirka 1,25 Millionen Euro. Das Haus am Wetterpark wird das zweite „Regionalpark-Portal“, also Besucher- und Informationszentrum des Regionalparks Rhein-Main. Das Erste, ein Projekt für 6 Millionen Euro, befindet sich an den Weilbacher Kiesgruben in Flörsheim. „Es hat sich zu so einem Besuchermagneten entwickelt, dass wir uns entschlossen haben, auch an anderen Stellen solche Portale zu errichten“, so die Regionalpark-Aufsichtsratsvorsitzende und Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger. „Die Menschen interessieren sich für den Regionalpark, er wird als kleine touristische Destination angenommen.“ Offenbach gewinne damit an Anziehungskraft – „trotz dichter Bebauung, trotz Fluglärms“, so Jäger.

Frühlingsbilder unserer Leser (Teil 2)

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Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst berichtet von Anfragen aus anderen Kommunen, die vom Konzept des Wetterparks so angetan seien, dass sie ähnliche Projekte erwögen. „Offenbach kann darauf stolz sein“, meint Lux, der sich freut, unter dem Dach des Besucherzentrums künftig noch besser wissenschaftliche Sachverhalte erlebbar zu machen – unter anderem mit einem Wetterlexikon sowie interaktiven Exponaten. Das 160 Quadratmeter große Besucherzentrum an der Elbestraße bietet Ausstellungsfläche und Raum für Empfänge, Vorträge, Workshops und Schulstunden. „Das Haus passt sich der jeweiligen Situation an“, sagt Architektin Claudia Meixner. Der Anspruch sei gewesen, es so zu entwerfen, dass die umliegende Landschaft unangetastet bleibe – das Gebäude sei selbst ein Exponat. Schon jetzt hätten viele Schul- und Kindergartengruppen Interesse bekundet, berichtet Stadtsprecher Matthias Müller. „Das Besucherzentrum wird sich als Lernort etablieren. Es hat eine adäquate Infrastruktur, nichts Überdimensioniertes.“ Die Fertigstellung ist im Sommer.

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