Nach mehr als einem Jahrzehnt des Wartens

Magistrat bringt Baugebiet Bieber-Nord auf den Weg

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Die Planungen zur Erschließung von Bieber-Nord laufen Mitte Mai an, im 3. Quartal 2018 könnten zu Füßen des Aussichtsturms private Häuslebauer loslegen.

Offenbach - Nach mehr als einem Jahrzehnt des Wartens, Planens und Umplanens soll nun endlich das Baugebiet Bieber-Nord auf den Weg gebracht werden. Der Magistrat hat am Mittwoch den Projektbeschluss gefasst, gestern wurden Einzelheiten vorgestellt. Von Matthias Dahmer

Für die Erschließung des insgesamt rund 200 000 Quadratmeter großen Gebiets, davon zirka 12,5 Hektar Bauland, wird die Stadt 12,25 Millionen Euro in die Hand nehmen. Darin enthalten sind die Kosten für Straßen, Wege, Grünanlagen und Lärmschutz ebenso wie Ausgaben für Ausgleichsmaßnahmen und nicht zuletzt den Artenschutz.

Mit den Planungen zur Erschließung soll direkt nach dem zu erwartenden positiven Votum des Stadtparlaments am 7. Mai begonnen werden. Die privaten Häuslebauer könnten im dritten Quartal 2018 loslegen. 920 Wohneinheiten sollen in Bieber-Nord entstehen, Platz für bis zu 2 000 Bewohner.

2,50 Meter hohe Lärmschutzwand entlang der S-Bahn-Trasse

Nachdem die privatrechtliche Erschließung des Areals am fehlenden Willen einiger der insgesamt 389 Eigentümer der 124 Grundstücke gescheitert war, wird nun klassisch, sprich öffentlich-rechtlich, erschlossen. Das heißt, 90 Prozent der Erschließungkosten können auf die Hauseigentümer umgelegt werden, zehn Prozent trägt die Stadt. Bei der Berechnung werden die Kosten etwa für Straßen oder den Lärmschutz separat betrachtet, so dass die Eigner – abhängig von der Lage ihrer Immobilie – unterschiedliche Beträge zahlen müssen.

Beispiel Lärmschutz: 1,8 Millionen Euro sind eingeplant unter anderem für eine 2,50 Meter hohe Lärmschutzwand entlang der S-Bahn-Trasse und einen sechs Meter hohen und 600 Meter langen Schallschutz an der B 448. Welche Kosten damit auf die Hauseigentümer zukommen, wird sich danach bemessen, in welchem Maße sie von den Schutzbauten profitieren.

Von einer zunächst angedachten Erschließung via Vorausleistungsbescheiden an die Eigentümer – sie hätten etwa 80 Euro pro Quadratmeter zahlen müssen – war man wieder abgerückt, weil dann doch alles über den städtischen Haushalt finanziert werden konnte.

Reichlich geschützte Tierarten in Bieber-Nord

Breiten Raum bei den Vorarbeiten für die künftige Bebauung werden geschützte Tiere einnehmen. Davon gibt es in Bieber-Nord reichlich: Vier Fledermausarten, 42 Vogelarten, darunter „besonders geschützte“ Trauerschnäpper, Gierlitz und Goldammer sowie der „streng geschützt“ Turmfalke, Mittelspecht und Grünspecht. Dazu fühlen sich im Baugebiet 15 verschiedene Tagfalter und elf Heuschreckenarten wohl und es wurden mit Blindschleiche, Ringelnatter und Zauneidechse drei Reptilienarten entdeckt. Letztere, die in größerer Population in der Nähe des Bahnhofs umher huschen, müssen sogar in ein Ersatz-Habitat umgesiedelt werden. Nachdem man das Baugebiet Bieber-Nord zunächst noch entspannt angegangen war und Verzögerungen in Kauf nehmen konnte, drängte zum Schluss dann doch die Zeit: Das Gebiet zwischen S-Bahn und B 448 liegt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens, weshalb eine Siedlungsbeschränkung gilt, die aber erst im Jahre 2018 gegriffen hätte.

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