Bahnhof schon lange baufällig 

Bieberer Bahnhof zerfällt - doch Eigentümer lehnt Sanierung ab

Ein Plakat am heruntergekommenen Gebäude zeigt neuerdings, wie schmuck der Bahnhof sein könnte – Vorbild ist der Heusenstammer Bahnhof, der seit Jahren ein Restaurant beherbergt. Foto: Sommer
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Ein Plakat am heruntergekommenen Gebäude zeigt neuerdings, wie schmuck der Bahnhof sein könnte – Vorbild ist der Heusenstammer Bahnhof, der seit Jahren ein Restaurant beherbergt. 

Das Dach ist halb abgedeckt und teilweise eingestürzt, die Holzelemente von Schimmel zerfressen. Keine Frage: Der Bieberer Bahnhof in Offenbach ist ein Schandfleck. 

  • Bieberer Bahnhof in Offenbach zerfällt
  • Eigentümer lehnt nötige Sanierung aber ab
  • Enteignung durch die Stadt gelte als letztes Mittel

Offenbach – Zur dringend nötigen Sanierung wird es aber vorerst nicht kommen: Der Eigentümer, die Gesellschaft für Offenbacher Irritationen (Gefoi) GmbH, habe bisher keine konkreten Pläne für die Überholung des denkmalgeschützten Hauses vorgelegt, berichtet Dominik Mangelmann, Vorsitzender des Denkmalbeirats der Stadt Offenbach, in einer Videokonferenz mit den Piraten zum Stand der Dinge.

Bieberer Bahnhof: Eigentümer lässt Gebäude zerfallen

„Der Wille des Eigentümers, an der Situation etwa zu ändern, ist nicht erkennbar“, sagt Mangelmann. Der Fraktions-Vize der CDU sieht akuten Handlungsbedarf: „Das Gebäude müsste im Prinzip neu aufgebaut werden.“ So seien sämtliche Holzbauelemente des 1895 erbauten Bahnhofs von Schimmel befallen und daher nicht mehr zu erhalten. Das Mauerwerk müsse zudem in seiner Substanz gesichert werden.

Ein kompletter Abriss mit anschließendem Neubau ist laut Mangelmann keine Option. Da sich das Grundstück zu nah an den Gleisen befinde, würde niemand einen Bauantrag genehmigt bekommen. Doch warum weigert sich der Eigentümer das Gebäude zu sanieren?

Rückblick: 2009 erwarb die Gefoi GmbH unter Geschäftsführer Marcus Müller den Bahnhof. Noch vor Abschluss des Kaufvertrags stellte sich heraus, dass das Bauwerk, anders, als zuvor angegeben, unter Denkmalsschutz steht. Das Denkmalamt begründete die fehlende Deklarierung mit einem „redaktionellen Fehler.“

Bieberer Bahnhof: Eigentümer lehnt Sanierung ab

Der Eigentümer lehnt seitdem – trotz Kenntnis des Sachverhalts vor Vertragsunterschrift – eine Sanierung ab, führte zwischenzeitlich sogar einen Rechtsstreit gegen die Stadt, da er sich von ihr „vorsätzlich getäuscht“ sah. Das Gericht entschied in diesem Fall zugunsten der Stadt. Die Situation ist seither unverändert. Lediglich die pflichtgemäße Sicherung des Bahnhofs übernimmt der Inhaber.

Besserung ist laut Dominik Mangelmann nicht in Sicht: „Mehrere Gesprächsversuche sind bereits gescheitert.“ Verständnis für die ablehnende Haltung des Hausherrn hat er nicht. Die Auflagen würden eine Sanierung nach Denkmalschutz-Kriterien zulassen, zudem habe Müller bereits von mehreren privaten Interessenten Angebote zum Verkauf bekommen, aber alle abgelehnt. „Und da waren keine schlechten Angebote dabei“, betont der Fraktions-Vize. Einen Plan, was der Inhaber mit dem Gebäude vorhabe, gebe es offenbar nicht.

Bieberer Bahnhof: Gespräche mit Eigentümer

Die Offenbacher Piraten wollen nun Bewegung in die stockenden Verhandlungen bringen. „Wir würden gern mit Herrn Müller sprechen und eine Lösung finden“, sagt die zweite Vorsitzende Annette Schaper-Herget. Sie und ihre Parteikollegen haben, wie Dominik Mangelmann, die Hoffnung, den endgültigen Verfall des Bahnhofs verhindern zu können.

Auch die Stadt bleibe weiterhin verhandlungsbereit, versichert Mangelmann. Eine Enteignung sei bereits diskutiert worden, gelte aber als letztes Mittel.

VON JOSHUA BÄR

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