Bilanz zum kommunalen Projekt „Lernen vor Ort“

7,9 Millionen für Bildung

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Offenbach - Bildungsferne Schichten, sozial schwierige Milieus, fehlende Sprachkompetenz – Schlagwörter, mit denen die Offenbacher Bildungslandschaft immer wieder in Verbindung gebracht wird. Von Veronika Schade 

Umso wichtiger ist es, die Bevölkerung dort abzuholen, wo sie steht, Möglichkeiten aufzuzeigen, vermitteln und unterstützen. All das kostet Geld. Nur mit städtischen Mitteln ist dies nicht umsetzbar. Umso wichtiger sind Projekte, die es schaffen, externe Mittel einzuwerben. Bestes Beispiel ist „Lernen vor Ort“: In den fünf Jahren seines Bestehens hat es 7,9 Millionen Euro für die Bildung in Offenbach akquiriert. Im August endet das Projekt, läuft die Förderung durch Bund und Europäischen Sozialfonds aus. Grund für die Verantwortlichen, Bilanz zu ziehen und nach vorn zu schauen – so geschehen bei der Abschlussveranstaltung im Stadtverordnetensitzungssaal des Rathauses.

„Bildung ist sehr vielgestaltig. Es sind viele Institutionen und Ebenen beteiligt, sie umfasst alle Phasen des Lebens“, sagt Projektleiterin Felicitas von Küchler. Deshalb war die Aufgabe zu Beginn, erstmal einen Überblick über die bestehenden Angebote zu erarbeiten. Dann galt es, die „Beratungsinfrastruktur“ zu optimieren, Orientierung und Transparenz zu ermöglichen. Ein wesentlicher Schritt war die Entwicklung des Offenbacher Bildungsbüros im Haus der Volkshochschule. „Stark nachgefragte Themen sind zum Beispiel berufliche Weiterbildung, aber auch Ferienangebote für Schüler, Hausaufgabenhilfe und Förderung außerhalb der Schule“, berichtet von Küchler. Der Beratungswegweiser, den das neu gegründete Netzwerk Bildungsberatung veröffentlichte, sei ein Renner gewesen, freut sie sich.

Ein Schwerpunkt von „Lernen vor Ort“ war es, Bildungsübergänge zu erleichtern – etwa von der Kita in die Grundschule. Workshops zu diesem Thema und eine Übergangskonferenz brachten Erzieher und Lehrer zusammen. „Wir wussten voneinander, aber wir kannten uns nicht“, sagt Doris Renkel, Leiterin der Eichendorffschule. „Wir sind zwar noch lange nicht da, wo wir hinwollen, aber auf einem guten Weg.“ Ein großes Problem ist laut der Stadtelternbeiratsvorsitzenden Petra Blaufuss der Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule: „Viele Eltern wissen nicht um die Bedeutung, die diese Entscheidung mit sich bringt.“ Das deutsche Bildungssystem sei oft unverständlich. Dort setzt ein weiterer Projekt-Schwerpunkt ein – Integration und Elternarbeit. So hat sich etwa der „Freundschaftsverein Türkei in Offenbach und Umgebung“ Bildung zum Ziel gesetzt und bietet verbindliche Elternseminare. Vorsitzender Mehmet Harmanci berichtet, dass eine hohe Teilnehmerquote erreicht werden konnte, von der bereits Jugendliche profitiert haben: „Eine Schülerin, die früher fünf Fünfer im Zeugnis hatte, hat einen guten Hauptschulabschluss geschafft und geht bald auf die Realschule.“

Weiterführende Schulen in Offenbach

Weiterführende Schulen in Offenbach

„Lernen vor Ort“ entwickelte den von Magistrat und Staatlichem Schulamt seit zehn Jahren vorgelegten Erziehungs- und Bildungsbericht Offenbach (EBO) weiter. „Er ist zu einer wichtigen Handlungsanweisung geworden“, sagt Volker Stürzer vom Staatlichen Schulamt.

Wichtige Geldgeber in den vergangenen fünf Jahren waren die Schader- und die Software-AG-Stiftung Darmstadt. Ob ihr Geld auch nach Projektende im August fließen wird, lassen deren Vertreter offen. Die Arbeit von „Lernen vor Ort“ soll jedenfalls weiter Früchte tragen: Es entsteht eine Fachstelle für Bildungskoordinierung und Beratung, die auch das Bildungsdezernent Felix Schwenke neu ins Leben gerufene Bündnis für Bildung Offenbach betreuen wird: „Ich bin optimistisch, dass wir das Erreichte erfolgreich weiterführen, wenn auch leider nicht mit der gleichen personellen und finanziellen Ausstattung.“ So will die Stadt mit der Schulbausanierung fortschreiten, den Ganztagsbetrieb ausbauen und Sprachförderung im Kindergartenalter intensivieren.

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