Billigmodekette Osco zieht sich zurück

Leerstand in bester Innenstadt-Lage

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Vorbei der Kaufrausch im Billigparadies: Die Berliner Schuh- und Modekette Osco ist insolvent. Seitdem 2009 der Herrenausstatter Anson’s auszog, hatte die Immobilie an der Frankfurter Straße/Ecke Marktplatz nur kurzzeitige Mieter.

Offenbach - An der Frankfurter Straße setzt sich ein trauriger Trend fort: Das Schuh- und Bekleidungsgeschäft Osco hat zugemacht. Ende des Monats zieht Saturn aus der Innenstadt, Toys’R’us folgt Ende des Jahres. Doch so mancher sieht das als Chance für Offenbach. Von Sarah Neder

Frankfurter Straße, Donnerstagnachmittag: Zwei Frauen bummeln die Einkaufsmeile entlang, kurz vorm Marktplatz schlagen sie links ein, bleiben dann aber verdutzt stehen. Die eine presst das Gesicht an die Glastür, die andere schüttelt den Kopf. „Der hat doch nicht etwa zu?“ Doch. Seit gut einer Woche lässt Osco am Marktplatz keinen Kunden mehr rein. Manche Schaufensterpuppen sind nackt, die Regale halbleer geräumt.

Die Recherche ergibt schnell: Die Berliner Billigmodekette ist insolvent, alle 19 Filialen in Deutschland sowie der Online-Shop sind dicht. Die Nachfolge in Offenbach ist bislang ungewiss. Geht es nach Stefan Becker, Vorsitzender des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach, soll dort am besten eine große spanische Modekette einziehen. „Zara oder Mango würden auf jeden Fall Kunden anlocken“, sagt er entschlossen.

Das Gleiche gilt für die Saturn-Filiale ein paar Häuser weiter. Zum Ende des Monats verlässt der Elektrohändler die Innenstadt und baut auf das Geschäft im Ring-Center. Auch da ist der Nachmieter noch unbekannt. Aber die Leerstandliste ist noch länger: Drei Läden an der neu gebauten Rolltreppe im KOMM stehen frei, in der City-Passage muss sich etwas tun, Ende des Jahres zieht der Spielzeugriese Toys’R’us wegen Umbauarbeiten aus. Ob vorerst oder für immer, das ist bisher unklar.

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Becker, der auch Geschäftsführer des Textilhauses M. Schneider ist, sieht darin aber noch lange keine gewerbliche Krise: „Wir müssen abwarten, wie das in einem halben Jahr aussieht“, beruhigt er. Dennoch sollten die leeren Lokale „zeitnah und adäquat vermietet “ werden, betont Becker. Die Immobilie an der Frankfurter Straße 1 sei eine sehr wichtige, findet der Vorsitzende, da sie den Eingang zur Flanierstrecke bilde. Toplage also, vor allem, wenn der Marktplatz umgebaut wird.

In den vergangenen sieben Jahren wechselten in dem Eckhaus an der Waldstraße die Mieter häufig. Nachdem der Herrenausstatter Anson’s Ende 2008 aus dem ehemaligen Peek&Cloppenburg-Gebäude zog und Neueröffnung im Frankfurter My Zeil feierte, kam die Modekette Esprit. 2012, also knapp drei Jahre später, schloss die Filiale aber schon wieder – der Umsatz war zu schlecht. Auch Osco schaffte es nicht über die Drei-Jahre-Grenze.

Becker ist sicher, durch die vielen Bauprojekte am Hafen oder auch am Spitzen Eck kämen immer mehr Kunden im mittleren Segment nach Offenbach – Anlass, auch Läden in dieser Preisklasse an die Frankfurter Straße zu ziehen. Er wünscht sich hochwertigere Geschäfte für die Innenstadt: „Es ist eine Chance, das Zentrum strategisch aufzubauen.“

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