Wegen unsauberer Inkasso-Methoden

Gericht mahnt Billigstromanbieter ab

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Offenbach - Das Amtsgericht Offenbach hat den Neu-Isenburger Billigstromanbieter und Energiediscounter Eprimo wegen unsauberer Inkasso-Methoden abgemahnt. Das Unternehmen, ein Ableger des Stromriesen RWE, will das nicht auf sich sitzen lassen.  Von Matthias Dahmer

Es geht gegen die am 3. März ergangene einstweilige Verfügung vor, wie ein Sprecher gestern auf Anfrage mitteilte. Die Vorwürfe gegen Eprimo wiegen schwer: Laut Gerichtsbeschluss wurde ein säumiger Kunde, der sich letztlich an die Justiz gewandt hat, über Monate teils mehrfach am Tag angerufen und mittels Drohungen sowie bei Hausbesuchen zur Zahlung aufgefordert. Das Gericht wertet das unter anderem als Erpressung und als Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts, weshalb ein Unterlassungsanspruch bestehe. Sollte das Unternehmen weiter auf diese Weise vorgehen, sei ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro fällig.

Dr. Tobias Timo Weitz, der Rechtsanwalt des Betroffenen, konkretisiert: Das vom Stromanbieter beauftragte Aschaffenburger Inkassobüro habe bis zu 20 Mal am Tag bei seinem Mandanten angerufen. Später seien auch Anrufe direkt von Mitarbeitern des Anbieters erfolgt. Dabei habe man gedroht, seinen Mandanten noch am selben Tat an seinem Wohnort aufzusuchen, wenn er die Forderungen nicht sofort begleiche, führt Weitz weiter aus. Die neue Adresse des Kunden sei bekannt, er werde sich noch umgucken und sehen, was er davon habe, nicht zu bezahlen. Sein Verhalten werde massive Konsequenzen haben, zitiert der Darmstädter Anwalt die aggressive Vorgehensweise gegenüber dem Stromkunden.

Unternehmen will Vorwürfe so nicht stehen lassen

Auf eine außergerichtliche Abmahnung hin, so Weitz, habe der Stromanbieter versucht, sich hinter dem von ihm beauftragten Inkassobüro zu verstecken. Deshalb sei dem Betroffenen nur die Möglichkeit geblieben, im Wege eines Antrags auf Erlass einer einstweiligen Verfügung vorzugehen.

Eprimo-Sprecher Jürgen Rauschkolb kündigte gestern an, sein Unternehmen könne die Vorwürfe so nicht stehen lassen und die einstweilige Verfügung nicht einfach hinnehmen. Bislang, so Rauschkolb, sei der Beschluss des Amtsgerichts vom 3. März aber nicht bei Eprimo eingegangen, weshalb man Akteneinsicht beim Gericht beantragen werde. „Wir hatten bisher keine Möglichkeit, in diesem Verfahren eine Stellungnahme abzugeben“, betont der Unternehmenssprecher. Es gelte, einiges richtig zu stellen.

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