Standorte müssen ineinandergreifen

Stadt bringt 22 Schul- und Kitaprojekte für rund 240 Millionen Euro auf den Weg

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Im Offenbacher Süden bereiten Firmen alles vor für den Interimsbau an der Edith-Stein-Schule. Der findet Platz auf dem ehemaligen Tartan-Platz hinter der Sporthalle.

Bildung, Bildung und nochmals Bildung: Wie kaum zuvor investiert die Stadt in Schulen und Kitas. Aus dieser Nummer kommt Offenbach nicht raus – trotz des klammen Finanzsäckels, den selbst die Erhöhung der Grundsteuer B nicht auffüllen kann.

Offenbach – (Dass Bund und Land berechtigte Forderungen nach mehr Hilfe erfüllen, wird kaum so schnell eintreten). Die Kommune ist gezwungen, für die wachsende Zahl ihrer Kinder neue Kitas und Schulen zu bauen oder die räumlichen Bedingungen für Erziehung und Bildung in den bestehenden Einrichtungen deutlich zu verbessern.

In Zahlen: 22 Neubau-, Erweiterungs- und Modernisierungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 240 Millionen Euro sind aktuell auf dem Weg. Enthalten ist darin auch ein Gymnasial-Neubau, der auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal („Quartier 4.0“) entstehen soll. Stadtrat Paul-Gerhard Weiß: „Das ist insgesamt nicht nur eine riesige Summe, das bedeutet auch eine riesige Menge Arbeit.“

Der enorme Bevölkerungszuwachs (von Ende 2014 bis Ende 2018 ist die Stadt um 10 000 auf 138 335 Einwohner gewachsen) bringt die Infrastruktur an ihre Grenzen: Wohnungen, Straßen, Kanal – und eben auch Kitas und Schulen. Der FDP-Politiker weiß um Befindlichkeiten und ehemals Zugesagtes, allerdings haben sich die Prioritäten verschoben: „Mit der Sanierung unserer Schulen sind wir insgesamt etwa auf halbem Weg. Jetzt müssen wir aber erst einmal vorrangig neue Schulplätze für die vielen neuen Kinder in Offenbach schaffen, bevor wir mit der Sanierung weiterer Unterrichtsgebäude fortfahren können.“

Das bestätigt Anna Heep Seit 2004 arbeitet die Leiterin des Hochbaumanagements für die Stadt, doch einen solch extremen Anstieg der Schülerzahlen wie seit zwei Jahren „habe ich noch nicht erlebt“. Die Stadt ist gezwungen, innerhalb kürzester Zeit neue Unterrichtsräume sowie neue Kindergartenplätze zur Verfügung zu stellen. „Wir müssen dabei gesamtstädtisch denken, verschiedenen Kita- und Schulstandorte müssen ineinandergreifen.“ Stadtplanungsamt, städtische Bauaufsicht und die Stadtwerke-Immobilientochter Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft arbeiten deshalb unter Volldampf. Die OPG steuert im Auftrag des Hochbaumanagements sämtliche Projekte und wickelt sie treuhänderisch ab. „Die Anforderungen sind enorm, das kann keiner alleine schaffen“, ist sich OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha mit Anna Heep einig. „Das gelingt nur in enger Kooperation.“ Alle Beteiligten stimmen sich deshalb regelmäßig in einer von Stadtrat Weiß einberufenen Runde ab. „Dadurch lassen sich viele Entscheidungsprozesse abkürzen“, so Daniela Matha.

Mehr Platz für Ernst-Reuter-Schüler: Stefan Tischberger (GBM, von links), Stadtrat Paul-Gerhard Weiß, Gabriele Stark (Stadtschulamt), Bozica Niermann (OPG), Anna Heep (Stadtplanung) und Sabine Henning (Schulleiterin) haben sich die neuen Unterrichtsmodule angeschaut, die für die Zehntklässler vorgesehen sind.

Ob alle Sanierungsarbeiten auch wirklich so zügig vorankommen wie geplant, liegt jedoch nicht ausschließlich in den Händen der städtischen Akteure. Die Arbeiten sollen möglichst in der unterrichtsfreien Zeit beziehungsweise in den Ferienwochen der Kitas erfolgen. „Damit stehen uns nur sehr enge Zeitfenster zur Verfügung“, sagt OPG-Bereichsleiterin Bozica Niermann. Für die Kapazitäten der konjunkturbedingt stark ausgelasteten Bauunternehmen ist das eine eher ungünstige Einschränkung. Hinzu kommt, dass die Aufträge für die Bildungsbauten dabei mit denen vieler anderer Kommunen konkurrieren.

Oftmals sind auch sogenannte Interimsbauten erforderlich, um mit hochwertigen Klassenraum-Modulen den Bedarf an zusätzlichen Unterrichtsplätzen fürs Erste zu decken. Daher kamen gestern alle Experten in Rumpenheim zusammen. Dort hat die Ernst-Reuter-Schule bereits vergangenes Jahr drei solcher Raummodule für ihre Mittelstufe erhalten. In diesem Sommer werden an der Gesamtschule zwei weitere Fertigbauten errichtet, die 2021 noch um zwei Module aufgestockt werden sollen. Damit soll die Zeit bis zum Neubau einer dann dreizügigen Grundschule überbrückt werden. Derzeit laufen dazu Voruntersuchungen. Auch die Leibnizschule erhält noch in diesem Sommer interimsweise zusätzliche Klassenräume. Und die neue Grundschule Bieber-Nord wird im Juni 2020 ebenfalls zunächst in Form einer Interimsanlage eröffnen. Bis voraussichtlich 2023 soll dann der geplante Neubau stehen.

Allein sechs der aktuell 22 städtischen Bauvorhaben im Bildungsbereich sind sogenannte Großprojekte und haben jeweils ein Investitionsvolumen von mehr als 20 Millionen Euro. Dazu zählen der nahezu abgeschlossene Umbau und die Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule (23,5 Millionen Euro), die Erweiterung und Sanierung der Mathildenschule für 24,5 Millionen Euro bis 2023, der Neubau einer Grundschule und Kita in Bieber-Nord für rund 22 Millionen Euro bis 2023, die Sanierung und Erweiterung der Edith-Stein-Schule für 30,6 Millionen Euro bis 2022 und die Erweiterung und Sanierung der Geschwister-Scholl-Schule gemäß Grundsatzbeschluss für etwa 24,5 Millionen Euro bis 2023.

Einen Sonderfall bildet der Neubau der Fröbelschule, der bis zum Schuljahr 2021/22 abgeschlossen sein soll. Bauherrin ist hier nicht die Stadt, sondern die Stadtwerke-Immobiliengesellschaft GBO. Den Bau der Förderschule für 24,5 Millionen Euro managt ebenfalls die OPG.

Zu den architektonisch anspruchsvollsten Projekten zählt für Anna Heep der Neubau der Grundschule Bieber-Nord als Teil eines umfangreichen Bildungskomplexes. Unter hocheffizienter Flächenausnutzung vereint er auf einem lediglich rund 4 900 Quadratmeter großen Grundstück nicht nur eine dreizügige Grundschule mit zwölf Klassen für 300 Kinder, eine große Zweifeld-Turnhalle und eine sechsgruppige Kita für maximal 150 Kinder. Erstmals wird in ein öffentliches Gebäude der Stadt ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk des Energieversorgers EVO integriert. Es soll das gesamte Neubaugebiet versorgen. Bis zur Fertigstellung wird die EVO das Wohngebiet mit einer mobilen Anlage versorgen.

Bis dahin soll möglichst schon ein anderer Grundschulneubau stehen, um den die Bachschule in der Innenstadt nach erster überschlägiger Schätzung für rund 13 Millionen Euro ab 2020 erweitert werden soll. Die derzeitige Haupt- und Realschule mit Förderstufe wird dann laut Stadtrat Weiß erstmals über einen Grundschulzweig verfügen und damit in die Lage versetzt sein, auch aus den eigenen Reihen Kinder für ihre weiterführenden Schulformen zu gewinnen. Damit verbunden ist die Umwidmung der Bachschule in eine integrierte Gesamtschule. Zurzeit werden noch verschiedene Konzepte geprüft, wie das Raumprogramm umgesetzt werden kann.  

mk/pso

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