Mit blauem Auge davongekommen

Offenbacher Buchhandlungen überstehen Coronakrise mit Botendiensten

Buchladen
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Buchladen (symbolbild)

Für den Einzelhandel waren die Wochen der Schließung eine Zerreißprobe. Auch die Offenbacher Buchhandlungen sahen sich vor der Herausforderung, weiter ihre Kunden bedienen zu wollen, ohne dafür gegen die Coronaschutz-Bestimmungen zu verstoßen. 

Offenbach – Sowohl der Steinmetz’schen Buchhandlung in der Frankfurter Straße als auch dem Buchladen am Markt ist es gelungen. Beide haben auf einen persönlichen Lieferservice gesetzt und ihren Kunden die gewünschten Bücher bis vor die Haustür gebracht. Ein Angebot, das über die Coronakrise hinaus gilt.

Andrea Tuscher, Inhaberin des Buchladens am Markt: „Wir haben seit mehr als 20 Jahren einen zusätzlichen Online-Handel, der wurde in jüngster Zeit natürlich stärker genutzt.“ Auch in der Zeit der Schließung haben sie und ihr Team jeden Tag die ganz normalen Schichten im Laden gearbeitet – nur eben hinter geschlossenen Türen. „Wir haben Bestellungen telefonisch und per Mail entgegengenommen, bearbeitet und per Bote ausgeliefert.“ Der Kundenzuspruch sei enorm gewesen. „Mein Online-Handel ist in dieser Zeit um gefühlt 1000 Prozent gewachsen“, so Tuscher. „Wir hatten zwar finanzielle Einbußen, aber nur geringe.“

Dass die Coronakrise dem Buchladen nicht ärger zugesetzt hat, liegt Tuscher zufolge an mehreren Faktoren. „Zum einen war es so, dass die Leute kurz vor Ostern doch noch das eine oder andere Buch für die Körbchen ihrer Kinder haben wollten, zum anderen haben die großen Buchhandlungen wie Thalia nicht öffnen können und auch nicht per Bote geliefert.“

Genau dieser Umstand ermöglichte es kleineren Geschäften, sich auf kreative Weise über Wasser zu halten. „Phasenweise sind für uns vier oder fünf Boten am Tag gefahren“, berichtet Andrea Tuscher. „Damit die Kunden möglichst noch am gleichen oder nächsten Tag ihre Lektüre bekommen.“ Dass der Internet-Großhändler Amazon seine Buchlieferungen zurückgestellt habe, sei diesem Prinzip ebenfalls zuträglich gewesen. „Das war für Amazon nicht lukrativ“, so Tuscher. „Die haben ja ganz andere Hauptgeschäfte.“

Was manch einer vielleicht noch nicht wusste: Den lokalen Lieferservice gab’s schon lange vor der Coronakrise. „Wir haben das schon immer gemacht, nur nicht in dieser Intensität.“ Dass der Buchladen am Markt zwei, drei Mal pro Woche einen Boten zu Kunden schicke, sei bislang ganz normal gewesen.

Dass der Online-Handel boomt, freut Andrea Tuscher natürlich. „Aber uns ist schon sehr recht, dass wir den Laden wieder öffnen können.“ Der Lieferservice sei langfristig nicht rentabel. „Ein Taschenbuch für zwölf Euro per Boten ausliefern zu lassen, rechnet sich nicht.“

Ganz ähnliche Erfahrungen hat die Steinmetz’sche Buchhandlung gemacht. Für deren neue Inhaberin Lisa Schumacher war die Situation eine ganz besondere Herausforderung, hat sie das Geschäft doch erst zum 1. April von Helma Fischer übernommen, die es zuvor 40 Jahre lang leitete (wir berichteten). Schumacher: „Als wir erfahren haben, dass wir schließen müssen, sind wir von einer geöffneten Buchhandlung zu einer Versandbuchhandlung geworden, einem kleinen Logistikunternehmen.“

Genau wie im Buchladen am Markt, ist auch in der Steinmetz’schen ein Lieferservice keine brandneue Errungenschaft – nur wurde er bislang auch hier nie so intensiv genutzt wie in den vergangenen Wochen. „Wir haben unseren Botendienst ausgeweitet“, erklärt Schumacher. „Das ist eine andere Art von Arbeit, als man sich in einer Buchhandlung eigentlich wünscht.“

Wie auch Andrea Tuscher, kann Lisa Schumacher sagen, dass die Zeit der Schließung ihrem Geschäft finanziell nicht so geschadet hat wie anfangs vielleicht befürchtet. „Ich glaube, wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Es sei schwierig gewesen, aber es habe dann doch alles irgendwie geklappt. „Wir haben auch gemerkt, dass wir eine sehr treue Kundschaft haben, und sehr positive Reaktionen auf unser schnelles Handeln bekommen“, freut sich Lisa Schumacher.

VON MARIAN MEIDEL

Nur Kurz nach der Öffnung der Schulen vermeldet die Albert-Schweitzer-Schule (ASS), ein Schüler habe Corona. Die Kritik ist scharf. 

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