Ex-Verwaltungstrakt der Leder-Firma Becker

Abriss ausgeschlossen

Unterschiedliche Eigentumsverhältnisse sorgen für unterschiedliche Aussichten. Den Verwaltungstrakt will eine Projektgesellschaft sanieren, der Becker-Bogen ist einem Immobilienfonds eher lästig. - Foto: Kirstein

Bürgel - Im denkmalgeschützten ehemaligen Verwaltungstrakt der Leder-Firma Becker sollen elf Mietwohnungen entstehen. Die Zukunft des markanten Bogens über die Straße ist allerdings offen. Von Thomas Kirstein 

Eher am Rand des Stadtteils gelegen, gehört er zu den markanten Bauwerken in Bürgel. Der auffällige Becker-Bogen, der einst die Verwaltung und die Produktionsstätten der gleichnamigen Lederfabrik verband, steht unter Denkmalschutz. Das ändert aber nichts daran, dass er zum Leidwesen von geschichtsinteressierten Bürgelern und Nachbarn augenscheinlich verkommt. Als Auflage der Bauaufsicht angebrachte Netze sollen wohl Passanten in der Gerhard-Becker-Straße vor möglicherweise herabstürzendem Putz oder Teilen eines steinernen Frieses schützen.

Für den ehemaligen, ebenfalls denkmalgeschützten Becker-Verwaltungstrakt ist inzwischen eine Lösung gefunden. Die Sulzbacher PMG Projektentwicklungsgesellschaft mbH hat das über Eck in die Arendsstraße reichende Gebäude zusammen mit dem angrenzenden Areal des Fleischgroßhandels Möhring erworben. Das ehemals repräsentative Haus wurde geräumt. Der lange im Altbau beheimatete „Sternekoch-club Deutschland“ von Claus Fischer ist mittlerweile in die Lauterborner Bert-Brecht-Straße umgezogen, die Firma Möhring hat sich nach Rosbach vor der Höhe verlagert.

Wie PMG-Geschäftsführerin Martine Creith verrät, sollen in dem zu sanierenden Gebäude elf Mietwohnungen mit Grundflächen zwischen 80 und 150 Quadratmeter entstehen. Auf dem von den Möhring-Hallen geräumten Grundstück nebenan baut die Gesellschaft, die auch bereits im Neubaugebiet An den Eichen tätig ist, 15 Reihen-Effizienzhäuser mit je 140 Quadratmetern Wohnfläche. Die Bürgeler Einheiten („LebensTRaum“) sind sämtlichst verkauft. 26 Garagen schirmen die Anlage vom benachbarten Gelände von Getränke-Kampfmann ab.

Am auffälligen Becker-Bogen hat Martine Creith zwar auch Interesse gezeigt, doch gibt es darüber gegenwärtig keine Gespräche. Der frühere Verbindungsgang gehört nicht mehr zum Verwaltungsteil, sondern zu der Wohnsiedlung, die in den 80er Jahren auf planiertem Becker-Gelände errichtet wurde. Eigentümer dort ist ein Immobilien-Fonds. Der möchte den als Teil einer Wohnung genutzten und mit einer sechsstelligen Summe zu sanierenden Bogen gerne loswerden.

Ein Abriss komme aber nicht in Frage, erklärt Sonja Stuckmann, die Leiterin der Offenbacher Bauaufsicht, die als Untere Denkmalschutzbehörde involviert ist: „Unser klarer Standpunkt geht in Richtung Erhalt.“ Als Bauaufsicht können man zudem Maßnahmen fordern, die das sicherstellten. Aus anderer städtischer Quelle ist indes zu hören, dass bereits Klage gegen die Stadt mit dem Ziel eingereicht sei, um den Abriss doch noch genehmigt zu bekommen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare