In närrischen Tiefen

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Die Pankratius-Frauen organisierten in diesem Jahr einen Abstecher ins Neptuns Reich. Frohsinn war auf der Bühne und im Saal angesagt.

Offenbach -  Ein gebrochenes Bein, ein schmerzender Blinddarm, eine Geburt. Es gibt viele Gründe, warum die Frauengemeinschaft von St. Pankratius in diesem Jahr nur zu zwölft ihre traditionelle Frauenfastnacht stemmt. Und dann war da die verzwickte Sache mit dem verschwunden Clownfisch... Von Isabel Winkler

Ehe das Muschelkommissariat der unteren Mainschleife „SK Clownfisch“ den Fall lösen kann, blickt Pfarrer Stephan Leilich aufs vergangene Jahr zurück. Er berichtet von einem gelungenen Zeltlager, einem Filmprojekt der Messdiener und dem Erfolg der Sternsinger, die 3.500 Euro für einen guten Zweck sammelten. Außerdem begrüßt er den Nachfolger von Kaplan Anton Lucaci. Ebenfalls zur Sprache bringt Leilich die behördlichen Beanstandungen am Gemeindezentrum, die 50.000 Euro kosten würden.

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Die St. Pankratius-Frauen in Neptuns Reich

Er resümiert: „Fällen Sie doch mal im Garten einen Baum, am Wilhelmsplatz dagegen interessiert es kaum.“ Geld, genauer: ein Lottogewinn, ist Thema des Vortrages von Burgilla II., Gisela Wiegand. Eine Villa, eine Putzfrau und auch ein Diener sind dann kein Problem mehr, und auch ein Picasso ziert das Haus:

Die Pankratius-Frauen organisierten in diesem Jahr einen Abstecher ins Neptuns Reich. Frohsinn war auf der Bühne und im Saal angesagt.

Der zeigt etwas Nacktes, für mich sieht das aus wie Gehacktes!“ Zwar seien eine Köchin, die abends die „Rindswörtscher warm macht“ und der Porsche vor der Tür schön, doch „so was zu haben, nenne die Glück, ich frage: Sinn die denn verrückt?“ Eine lustige Gesellschaft und gemeinsam verbrachte Stunden seien mehr wert. Stimmt. Den anwesenden Piraten, Wildecker Herzbuben und Schlümpfen wird so einiges geboten. Das Sardellen-Ballett zeigt in gewohnter Manier, diesmal als Tanz-Mariechen-Formation, dem ausverkauften Saal sein Können, natürlich unterstützt durch Pfarrer Leilich als Taktgeber. „Doof Nuss“ Maria Hau und „doof Nüssche“ Petra Kohlhepp philosophieren über ihre letzten Urlaube. Und natürlich über ihre Ehen: „Zum Hochzeitstag wollt' ich meiner Frau einen Stuhl schenke...“ „Und, ist er fertig?“ „Ja, bis aufs Elektrische!“ Wenn man so nett beieinander sitzt und kräftig schunkelt, „das ist gut für die Gelenke“, dann dürfen die Getränke in „der schönsten Zeit im Jahr“ natürlich nicht fehlen. So stellen sich sieben Cocktails selber vor, von „Mai Tai“ und „Bloody Mary“ bis hin zu „Zombie“ und „Swimmingpool“, und verkünden singend ihre Zutaten: „Mit einem Spritzer Curacao stehl' ich allen die Show... Dass das Innere eine Menge wert ist, weiß Mechthild Kretschmar. Denn auch Schönheit kommt von innen. Wichtig zu wissen. Vor allem, wenn das Äußere zu reifen beginnt und einem Rosenkohl nach dem ersten Frost ähnelt.

Dunkelzone Wechseljahre

 „Ich bin net mehr die, die ich mal war, des muss ich jetzt am eigene Leib erfahre - ich komm in die Wechseljahre.“ Der Radius ihrer Dunkelzone sei mittlerweile größer als das Zelt von Zirkus Krone. Wen es bis dahin noch nicht mitgerissen hat, der kann sich bei der Darbietung der vier Frauen des „Moulin Rouge“ mit Sicherheit nicht mehr das Lachen verkneifen. Auch wenn, oder gerade weil die künstlichen Brüste beim wilden Tanz purzeln, kommen Petra Kohlhepp, Beate Keller, Christiane Schwab und Anja Wagner an einer Zugabe nicht vorbei.

Und auch im Gespräch der „Nachbarinnen“ Petra Bohme, Maria Hau und Petra Frey zeigt sich: Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen. In einer Art Predigt erzählen sie allerlei aus ihrem Leben; Witze auf Kosten der Männer dürfen nicht fehlen. Unter Wasser unterwegs ist dann Pfarrer Leilich. Als Neptun auf der Suche nach seinem Clownfisch, der einfach verschwunden ist und seit Tagen von keinem der Unterwasserbewohner gesehen wurden.

Kommissar Heiko und Gehilfe Putzi

Daher macht sich das Muschelkommissariat sofort auf den Weg, den kleinen Fisch zu suchen. Kommissar Heiko mit Gehilfe Putzi ermittelt. Doch weder die Seehexe, die zur Tatzeit gelesen hat („Ohne Krimi geht die Hexe nie ins Bett“) und auch die Qualle („Sag mir Qualle, sag mir wo!?“) hat den orange-weiß gestreiften Fisch nicht gesehen. Da kann nur die berittene Polizei helfen. So macht sich auch das Seepferdchen auf den Weg. Zunächst erfolglos.

Zwar haben Spongebob und Seestern Patrick nur ein „schwammiges“ Alibi, doch auch sie wissen nichts genaueres. Plötzlich macht Putzi einen Fehler, echauffiert sich über seinen Chef, für den er immer putzen muss („Das bisschen putzen, ist doch kein Problem, sagt mein Chef.“) und gibt die scheußliche Tat zu: Verschluckt hat er den wehrlosen Fisch! Zum Ausspucken gezwungen, kommt das leblose Tier zum Vorschein. Doch Neptun ist überzeugt: Das wird schon wieder... So nimmt die Sitzung, moderiert durch Musiker Michael Wagner ein gutes Ende. Viel Applaus gibt’s zudem für Petra Kohlhepp; sie ist immerhin zwanzig Jahre in närrischer Mission tätig.

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