Kultur-Trafohäuschen am Büsingpark und an der Berliner Straße ramponiert

Offenbach: Büsingpark in beklagenswertem Zustand

Offenbach: Das Wandbild von Sophie von La Roche am Trafohäuschen im Büsingpark (Foto links) ist mit Graffiti beschmiert, der Text zum Werk abgerissen. Voll gepackte Mülltonnen verdecken teilweise die Fotowand zum Haus der Stadtgeschichte am Trafohäuschen an der Berliner Straße. Fotos: gries

Andere Städte beneiden Offenbach um eine solche grüne Oase im Herzen der Stadt, wie sie im Büsingpark zu finden ist. 

Offenbach - Der vor fast 100 Jahren als Volkspark freigegebene Garten am Büsingpalais, der die „Klassische Zeit“ der Residenz-, Literatur- und Druckerstadt widerspiegelt, ist ein Kulturdenkmal. Dazu dienen preisgekrönte Skulpturen wie Hans Mettels „Großer Sitzender“ oder Kai Linkes „Relief der Lithographiesteine“.

Und die von der Stadtregierung in konzertierter Aktion mit der EVO und Städtischen Sparkasse umgestalteten Trafohäuschen an der Berliner Straße, die freilich nicht mehr im guten Zustand sind.

Die optische Aufwertung des Parks und der Berliner Straße bewerkstelligten Offenbacher Künstler wie Marcus Dörr und Agnes Stockmann. Graffitimaler Dörr und sein Team gestalteten die Station Ecke Kaiserstraße mit Porträts berühmter Persönlichkeiten der Stadtgeschichte: Man sieht Alois Senefelder als Erfinder der Lithografie, der in der 1774 gegründeten „Notenfabrique“ Johann und Anton Andrés 1799 und 1800 weltweite Erstdrucke der Mozart-Noten herstellte. Offenbach wirbt daher als Mozart-Stadt.

Den Geist dieser Zeit hat Dörr auch in schwungvollen historischen Schriften erfasst. Pittoresk führt er in den Offenbacher Sommer 1775, in dem das Herrenhaus der Fabrikantenfamilie d´Orville, das heutige Büsingpalais, erbaut wurde. Benannt ist es nach dem Hamburger Kaufmann Adolf Büsing, der das Herrenhaus von 1899 bis 1902 von Wilhelm Manchot zum Prachtpalais umbauen und den verwilderten Garten als Park neu gestalten ließ.

Auf den übrigen Wänden des Kulturhäuschens setzt Marcus Dörr Offenbachs wichtige Rolle bei der Kunst des Druckens und der Schrift in Szene. Dafür stehen nicht nur die André-Brüder oder Senefelder, sondern auch die Schriftgießerei Karl Klingspor. Marcus Dörr zeigt daraus Offenbacher Schriften wie die „Kabel“, „Eckmann“ und „Neuland“. Weit unterschätzt wird auch die Offenbacher Roman-Schriftstellerin Sophie von La Roche, die in ihrer „Grillenhütte“ in der Domstraße von 1786 bis zum Tod 1807 lebte und arbeitete.

Marcus Dörr, die Literatur-Forscherin Heidrun Weber-Grandke und die Museumsleiter Stefan Soltek und Jürgen Eichenauer wollen sich mit dem derzeitigen Zustand der Kultur-Trafohäuschen nicht abfinden, den Soltek „beklagenswert“ findet. Wilde Graffiti-„Taggs“ finden sich auf der Senefelder-Wand, auch am Isenburger Schloss mit seinem La Roche-Grab vermehren sich die Schmierereien.

Dazu stören Kritzeleien im La Roche-Antlitz, Bierflaschen vor Karl Klingspor und Müll, den nahe Papierkörbe mehr zu fassen vermögen. Auch die Texte zu den Wandbildern sind abgerissen. Marcus Dörr meint: „Stadt und EVO sollten interessiert sein, dass alles wieder schön wird“. Museumsleiter Stefan Soltek sieht die Möglichkeit eines Gestaltungswettbewerbs unter Einbeziehung der HfG, Eichenauer wünscht sich mehr Achtsamkeit und klare Zuständigkeit.

Zum 100-jährigen Jubiläum des Büsingparks müsste es doch möglich sein, in einer neuen gemeinsamen Aktion von Stadtverwaltung, EVO, Sparkasse und HfG sowie einiger Sponsoren eine Verbesserung der Situation zu erreichen.

VON REINHOLD GRIES

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