Die ironische Komponente

Carsten Strauch über seine Rolle in ARD-Serie „Die Kuhflüsterin“

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Von Offenbach aus ins Filmgeschäft. Carsten Strauch vor dem Markttreiben am Wilhelmsplatz.

Offenbach - Carsten Strauch ist in Offenbach geboren, zur Schule gegangen und hat an der hiesigen Hochschule für Gestaltung (HfG) studiert. Inzwischen ist er in der deutschen Film- und Fernsehszene etabliert, als Regisseur, Schauspieler und Drehbuchautor.

Für „Götter wie wir“ wurde Carsten Strauch 2013 mit dem Deutschen Fernsehpreis für die beste Comedy ausgezeichnet. Sein neues Projekt, die Serie „Die Kuhflüsterin“, spielt in der vermeintlichen Dorfidylle des bergischen Orts Oberbreitbach und startet übermorgen im Vorabendprogramm der ARD. An der Seite von Cordula Stratmann, die die Tierheilpraktikerin Belinda Mommsen verkörpert, spielt er den Fotografen Hannes, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Christian Wachter sprach mit Carsten Strauch über die neue Serie und sein Humorverständnis.

Für welchen Film wäre denn Offenbach ein idealer Drehort?

Carsten Strauch: Thema könnte sicherlich die künstlerische Off-Szene sein, die in Offenbach sehr präsent ist. Aber auch für Krimis ist die Stadt ein idealer Schauplatz.

In einigen Ihrer Produktionen sind Sie gleich in mehreren Positionen aktiv, etwa als Schauspieler und Drehbuchautor. Wie kam es dazu?

Das hat sich immer so ergeben. Auch durch das Studium an der Hochschule für Gestaltung. Da haben wir viel in Eigenregie gemacht und verschiedene Positionen übernommen.

Ihr neues Projekt, „Die Kuhflüsterin“, läuft am Freitag, 3. Juli, um 18.50 Uhr in der ARD an und ist wie andere Formate, bei denen sie mitgewirkt haben, auf dem Gebiet der Comedy zu verorten. Was kommt da auf den Zuschauer zu? 

Den Humor von „Die Kuhflüsterin“ würde man vielleicht nicht unbedingt auf diesem Sendeplatz erwarten. Er ist zwar familientauglich, hat aber auch eine sehr trockene, ironische Komponente. Gerade mit meiner Figur konnte ich dazu einiges beitragen. Hannes kommt gut damit klar, dass er im Rollstuhl sitzt und ist nicht daran zerbrochen. Er macht selbst gern „Behindertenwitze“, wie er sagen würde.

Ich als Schauspieler sitze ja nicht im Rollstuhl, deshalb habe ich mich gefragt, ob es legitim ist, wenn ich in der Rolle solche Witze mache. Vor dem Dreh habe ich Dennis Zittlau kontaktiert, einen Musiker, der im Rollstuhl sitzt und sich Sittin’ Bull nennt. Zum Glück konnte er mir viele Bedenken nehmen. Ein bisschen habe ich ihn mir auch zum Vorbild genommen bei meiner Rolle.

War es eine Herausforderung, am Set mit dem Rollstuhl umzugehen?

Ich habe versucht, den Rollstuhl nicht so sehr in den Vordergrund zu stellen. Mir war es wichtig, da eine gewisse Normalität reinzubringen. Im Vorfeld hatte ich einen Trainer, der mir das Rollstuhlfahren richtig gezeigt hat. Schließlich sollte es ja nach einem geübten Umgang ausschauen. Das war ein wenig härter, als ich gedacht habe. Aber ich habe ja auch nicht die entsprechende Armmuskulatur.

Wie war die Zusammenarbeit mit Cordula Stratmann?

Super, sie ist eine tolle Kollegin und Spielpartnerin. Schön, dass sie wieder da ist, nachdem sie sich nach der Geburt ihres Sohnes erst mal einige Jahre auf die Familie konzentriert und inzwischen zwei Bücher geschrieben hat. Ihr Humor kommt mir sehr entgegen, das hat auch in der Dreierkonstellation gut gepasst. Die Dritte im Bunde, Susi Banzhaf, spielt Gitti Padberg, die beste Freundin von Belinda. Sie sitzt zwischen den Stühlen, weil ihre Chefin das Ordnungsamt leitet und Belinda oft das Leben schwer macht. Ohnehin war das gesamte Ensemble großartig.

Werden Sie am Tag der Ausstrahlung gebannt zu Hause sitzen und auf die Quoten warten?

Eigentlich ja, wenn die erste Folge läuft, bin ich aber schon wieder bei Dreharbeiten im Schwarzwald. Da muss ich schauen, wie ich an die Quoten komme. Leider werde ich mir die erste Folge deshalb auch nicht mit Freunden und Familie anschauen. Ich sehe gern die Reaktionen des Publikums. Bei „Die Aufschneider“ etwa habe ich Regie geführt und mich auch selbst gerne ins Kino gesetzt, um zu schauen, wie die Besucher den Film aufnehmen.

Negative Kritik gibt es ja eigentlich fast immer. Wie gehen Sie damit um?

Das kommt immer darauf an, ob ich die Kritik berechtigt finde. Ist sie gut und konstruktiv, höre ich sie mir gern an. Oft kommt aber auch eine Kritik, mit der man nicht so viel anfangen kann. Zum Beispiel bei „Götter wie wir“, einer Serie, die sich satirisch mit der Bibel auseinandersetzt. Der Großteil der Kritik kam von fundamentalen Christen. Da haben Argumente gefehlt. Eine Diskussion bringt da nur wenig. Das Internet verstärkt die Kritik auch ungemein. Sie wird häufig als sehr laut wahrgenommen, selbst wenn es eigentlich wenige Zuschauer gibt, die so denken.

Haben Sie Vorbilder auf dem Gebiet der Comedy?

Loriot auf jeden Fall. Ansonsten Monty Python und Ricky Gervais. Der britische Humor liegt mir generell etwas mehr als der amerikanische.

Sie haben inzwischen auch einen Wohnsitz in Berlin. Wie oft zieht es Sie nach Offenbach?

Ich komme gern zurück, wenn es sich anbietet. Ich habe schließlich auch noch viele Freunde hier. „Die Kuhflüsterin“ wurde im Raum Köln gedreht, da habe ich die Möglichkeit wahrgenommen und öfter in der Heimat vorbeigeschaut. Gerade hier, rund um den Wilhelmsplatz, fühle ich mich sehr wohl.

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