Wertungssingen am 14. Juni

Chöre im sportlichen Wettstreit

Ein Projektchor feiert Premiere: Die Männer von „100 Plus“ proben unter der Leitung von Roman Zöller.

Offenbach - Der Sängerkreis Offenbach richtet am 14. Juni erstmals ein Wertungs- und Beratungssingen aus und will damit eine Tradition wiederbeleben. Dass sich Chöre im Wettstreit miteinander messen, ist nämlich über die Jahre ein wenig aus der Mode gekommen. Von Carsten Müller 

Hugo Graf vom Sängerkreis hat die Veranstaltung organisiert.

In der langen Geschichte des organisierten Gesangs waren Wettbewerbe gang und gäbe, mitunter als Bestandteil mehrtägiger Sängerfeste. Heute sind sie die Ausnahme. Dabei erinnern sich die Teilnehmer nur zu gern an erfolgreiche bestrittene Wettbewerbe zurück, weiß Hugo Graf, der stellvertretende Vorsitzende des Sängerkreises Offenbach. Es seien Höhepunkte in der Laufbahn eines Sängers. „Und jeder Dirigent wird bestätigen, dass die Teilnahme an einem Wettbewerb zur Qualitätssteigerung des Chores schon in der Vorbereitungsphase beiträgt.“ Doch nur noch wenige Chöre nehmen die Ochsentour monatelanger Proben auf sich.

Hugo Graf, der das Wertungs- und Beratungssingen mit den gastgebenden Vereinen Frohsinn Ober-Roden und Sängerlust Edelweiß Urberach organisiert hat, macht für diesen schleichenden Kulturwandel vor allem das geänderte Freizeitverhalten verantwortlich. Er ist dennoch überzeugt, dass viele Chöre an einem Feedback von kompetenter Seite interessiert sind. Für den freundschaftlichen Wettstreit am 14. Juni in der Kulturhalle von Ober-Roden hat man den Aschaffenburger Musiker Stefan Claas engagiert, der sich als Dozent für Chorleitung und Stimmbildung einen Namen gemacht hat und von den Kreischorleitern Andrea Hermes-Neumann sowie Martin Trageser unterstützt wird.

Chöre fordern und fördern

„Wir saßen zusammen und überlegten, wie wir dem Chorgesang im Kreis zusätzliche Impulse geben können“, erinnert sich Hugo Graf an den Moment, als im Vorstand des Sängerkreises die Idee für ein Wertungssingen geboren wurde. Damals habe Kreischorleiter Bernhard Seelbach von großen Sängertreffen erzählt, die Feste der Begegnung und sportliches Kräftemessen zugleich gewesen sind, berichtet Graf. „Wir wollen unsere Chöre mit einer solchen Veranstaltung fordern und fördern.“

Immerhin zwanzig Chorgruppen aus dem gesamten Kreisgebiet, aus 15 Vereinen mit über 700 Sängern haben sich verbindlich angemeldet. Die Zuschauer erwartet die ganze Bandbreite des heimischen Chorgesangs: Vier Frauenchöre, acht gemischte Chöre, sechs Männerchöre und zwei Jugendchöre, große Gruppen und kleine Ensembles stehen ab 10 Uhr auf der Bühne. Sie haben jeweils eine Viertelstunde Zeit, um zwei Stücke zu präsentieren. Kriterien wie Tonreinheit, Rhythmik, Dynamik, Aussprache, Tonbildung und Tonklang werden nach den Kriterien des Hessischen Sängerbundes bewertet und beurkundet. Die Bühnenpräsenz spielt unter anderem beim Beratungssingen eine Rolle, das sich an Chöre richtet, die sich steigern wollen und eine neutrale Beurteilung wünschen.

100 Zusagen fürs Singen

Und noch eine Tradition will der Sängerkreis beleben, wenn auch zunächst mit Projektcharakter: Zum Großereignis in Rödermark formiert sich ein Männerchor, der „Ave Maria“-Versionen von Anton Bruckner und Franz Biber sowie „Der Jäger Abschied“ von Felix Mendelssohn Bartholdy anstimmen wird - und zwar in Stärke einer Hundertschaft. „Es ist selten geworden, dass Männerchöre in dieser Größenordnung auf der Bühne stehen. Das wollten wir noch einmal bewerkstelligen“, sagt Hugo Graf, der selbst beste Erinnerungen an Auftritte mit vielköpfigen Formationen hat.

Mit knapp 100 Zusagen bewegt man sich gerade eben im Soll, denn beim Projektchor „100 Plus“ ist der Name Programm. Die beiden letzten Proben werden unter der Leitung von Roman Zöller und Gottfried Kärner kurz vor dem Auftritt in der Kulturhalle Rödermark absolviert. Geübte Sänger können durchaus noch einsteigen. „Die Literatur dürfte Männerchor-Erfahrenen geläufig sein“, sagt der stellvertretende Sängerkreis-Vorsitzende.

So wirkt Musik auf unseren Körper

Hugo Graf, der im gemischten Chor Edelvoices der Sängerlust Edelweiß Urberach als Bass mitwirkt, wird mit den Männern auf der Bühne stehen. Für ihn ist das nach der Eröffnung mit seinem Chor der zweite Auftritt an diesem Tag - und der runde Abschluss einer fast zwei Jahre währenden Vorbereitung. „Ich freue mich auf gut vorbereitete Chöre, gute Literatur und herrliche Vorträge.“ Überzeugt ist der Vizechef des Sängerkreises aber schon jetzt, dass die Veranstaltung ein Gewinn für den Gesang ist. Denn das Sängerleben habe mehr zu bieten als wöchentliche Proben und gelegentliche Auftritte.

Wertungs- und Beratungssingen am 14. Juni in der Kulturhalle Rödermark. Beginn 10 Uhr. Eintritt frei.

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