Eine bunte Spezies

Christoph Klein und Gerd Steinle nehmen im Kunstverein den Menschen in den Fokus

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Künstlerische Perspektive auf die „Krone der Schöpfung“: Christoph Klein und Gerd Steinle (v.l.)

Bei der neuen Ausstellung im Offenbacher Kunstverein steht laut Titel „Der Mensch im Mittelpunkt“. Zu sehen ist er in diversen Situationen und Ausführungen; in den Collagen von Christoph Klein und den Plastiken von Gerd Steinle. Beide Künstler betrachten die vermeintliche Krone der Schöpfung aus kritischem und politischem Blickwinkel.

Offenbach – Verzerrt wirken die Figuren des in Rodgau lebenden und arbeitenden Steinle: Als „surreal bis abstrakt“ beschreibt er seine Werke, die sich vertikal in den Raum ziehen und stellenweise so filigran sind, dass sie, ähnlich wie bei Giacometti, zu verschwinden scheinen. Ein Motiv, das ihn immer wieder beschäftigt, ist Edvard Munchs „Stummer Schrei“, den der Künstler in Kopf-Skulpturen mit rundem, geöffneten Mund darstellt. Bei ihnen, wie auch bei einer im Eingang auf dem Boden liegenden, gefesselten Figur, gehe es um die Opfer, die Schwachen der Gesellschaft, „um Obdachlose, Flüchtlinge, Kinder“. Die gefesselte Figur mit dem Titel „Gestalt“ ist Teil einer Installation, die 2016 bei einer Menschenrechts-Aktion von Amnesty International auf dem Frankfurter Goetheplatz zu sehen war.

Seine Kunst sei explizit politisch, er wolle durchaus provozieren, betont Steinle. Was Stil und Material angeht, will sich der Bildhauer und Maler nicht festlegen: Zu sehen sind Werke etwa aus Holz, Gips, Ton, Beton, Metall und Stoff. „Mischtechnik“ nennt Steinle seine Arbeitsweise.

Der Hanauer Maler Christoph Klein präsentiert eine dagegen homogen wirkende Auswahl von Bildern: Kräftige Farben dominieren in ihnen, viele Arbeiten gleichen sich im Aufbau, besitzen abstrakte Bereiche und im Zentrum einen Teil, der aus bemalten und verfremdeten Fotocollagen besteht. Zu erkennen sind Alltagssituationen; Menschen an der Bushaltestelle, in einer Wartehalle, beim Konzert. Ein Motorradfahrer mit Totenkopf-Mundschutz sitzt auf einer dicken Maschine, um ihn herum ist ein gitterähnliches Muster arrangiert, das zu schwirren scheint. Es gehe ihm darum, alltägliche Dinge sichtbar und anders wahrnehmbar zu machen, erklärt Klein, der auch mal im Vorstand des Kunstvereins tätig war. Die „Vielseitigkeit und Buntheit“ des Menschen herauszustellen, sei ihm wichtig. Damit verbindet er einen Appell an gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz. „Jede Art von Fanatismus ist mir ein Greul“, betont Klein.

Ausstellung

„Der Mensch im Mittelpunkt“, bis 26. Februar im Kunstverein Offenbach, geöffnet Mo. bis Sa.,14-20 Uhr

von Lisa Berins

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